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Anica Hauswald stellt „gegenwärtig“ in der Galerie SK aus

Anica Hauswald bezieht in ihrer Ausstellung „Gegenwärtig“ in der Galerie SK den Raum mit ein und spielt mit Distanz, Konzentration und Klarheit. (Foto © Sandra Grünwald)

Anica Hauswald bezieht in ihrer Ausstellung „Gegenwärtig“ in der Galerie SK den Raum mit ein und spielt mit Distanz, Konzentration und Klarheit. (Foto © Sandra Grünwald)

Am Sonntag wird die Ausstellung „Gegenwärtig“ der Künstlerin Anica Hauswald in der Galerie SK der Solinger Künstler in den Güterhallen eröffnet.

Prozessorientierte Kunst

Solingen (sg). Eigentlich möchte man meinen, dass ein Künstler bei der Erschaffung eines Werkes vorrangig auch dieses im Sinn hat. Doch so arbeitet Anica Hauswald nicht. „Meine Arbeit ist nicht ergebnisorientiert“, betonte sie während eines Pressegesprächs in der Galerie SK (wir berichteten). „Meine Arbeit ist prozessorientiert.“ Das bedeutet, im Vordergrund steht der Akt der Entstehung. Wie kann man sich das nun vorstellen? Anica Hauswald erklärte es so: „Es gibt eine lange Zeit der Vorbereitung.“ Dazu gehört nicht nur das Ansammeln von Eindrücken, Gefühlen und Erlebnissen, sondern auch das ganz praktische Vorbereiten eines geeigneten Raums.

„Ich gestalte mein Atelier, damit ich zu mir kommen kann“, sagte Anica Hauswald. Dazu gehört vor allem, dass sie sich einen Raum schaffen kann, in dem sie vollkommen ungestört von irgendwelchen äußerlichen Störungen sein kann. „Ich male mit geräuschunterdrückenden Kopfhörern.“ Und sie hört speziell für diesen Prozess ausgesuchte Musik in Dauerschleife. Nicht, um sich davon inspirieren zu lassen, eher im Gegenteil. „Ich brauche den Fokus auf mich.“ Und dann, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist, erfolgt der Erschaffungsprozess ihrer Kunst. „Wie eine Entladung.“

Die Bilder sind das Ergebnis einer Entladung, bei der die Künstlerin alles, was in ihr ist, hineingibt. (Foto © Sandra Grünwald)

Schnelle Entladung

Diese Entladung ist ein sehr schneller, dynamischer Vorgang. „Ich bringe mich in einen Zustand, in dem ich mich entladen kann“, erzählte Anica Hauswald. „Das passiert dann sehr schnell.“ Es ist nicht planbar. „Ich fühle mich dann wie ein Kanal.“ In diesem Moment gibt sie alles, was sie in sich angesammelt hat, in diesen Prozess. „All in“, nannte sie es. Sie tritt dabei nicht zurück, um das Werk zu bewerten, noch überarbeitet sie etwas. Es zählt nur diese Entladung. „Im Erleben ist es ziemlich brutal“, gab die Künstlerin zu. „Man ist präsent in diesem Augenblick.“

Die Künstlerin gibt Ausdruck dem, was vorher Eindruck hinterlassen hat. Es ist pure Energie, die sich in diesem Moment entlädt. Alles, was nach dieser Entladung noch erfolgt, ist die Überprüfung des Ergebnisses. „Ich entscheide dann, ist es ein Bild oder nicht“, erklärte Anica Hauswald. „Es muss meinen Ansprüchen genügen.“ Tut es das nicht, wird es weggeworfen. So entstehen Unikate einer nicht wiederholbaren Entladung einer Ansammlung von Emotionen und Eindrücken.

Anica Hauswald spielt mit dem Raum

In ihrer Ausstellung „Gegenwärtig“ in der Galerie SK stellt sie die Frage: Wie viel Raum braucht eine Arbeit, um ganz präsent zu sein? Die Künstlerin bezieht den Raum stark in ihre Kunst mit ein. In diesem Fall ist es das Weiß der Wände, das sie nutzt. „Weiß ist nicht Leere. Es ist weder Hintergrund noch Neutralität“, sagte Anica Hauswald. „Weiß ist ein aktiver Raum – ein Gegenüber.“ Deshalb spielen auch Distanz und Abstand eine große Rolle. „Distanz, Konzentration und Klarheit lenken den Blick auf das Wesentliche“, so die Künstlerin. „Der Umraum wird damit selbst zum aktiven Bestandteil der Ausstellung und tritt in einen Dialog mit Farbe, Geste und Material.“

Anica Hauswald versteht in ihrer Ausstellung „Gegenwärtig“ Präsenz nicht als Lautstärke, sondern als Intensität. Die Bilder und ihre Platzierung erfordern Zeit, laden den Betrachter ein, sich eingehend mit ihrer Wirkung zu beschäftigen und ihre Eigenständigkeit wahrzunehmen. Das kann auch irritierend sein. „Ich mag es, wenn man bis in die Grundfesten irritiert ist“, verriet Anica Hauswald. „Das kann unbequem sein, aber es verändert. Man ist hinterher nicht mehr Derselbe.“

Mit der ungewöhnlichen Hängung fordert Anica Hauswald die Betrachter auf, ihren Absichten auf die Spur zu kommen. (Foto © Sandra Grünwald)

Der Weg der Künstlerin

Es ist ein Satz, den viele leidenschaftliche Kunst- und Kulturschaffende sagen: „Ich wollte schon immer Kunst machen.“ So auch Anica Hauswald. „Ich wusste schon als Kind, dass ich Kunst machen wollte“, erinnerte sie sich zurück. Dieses Ansinnen sorgte dafür, dass sie von den Erwachsenen ausgelacht wurde. Und das spornte sie noch mehr an. Sie bewarb sich an der Düsseldorfer Kunstakademie und wurde sofort genommen. Von 2006 bis 2014 studierte sie. 2012 wurde sie von Prof. Herbert Brandl zur Meisterschülerin ernannt. Heute lebt und arbeitet sie in Düsseldorf.

Ausstellung

Die Ausstellung „Gegenwärtig“ der Künstlerin Anica Hauswald wird am 2. August um 15 Uhr in der Galerie SK, Alexander-Coppel-Str. 44 eröffnet. Es spricht Prof. Jörg Eberhard. Gezeigt wird „Gegenwärtig“ bis zum 30. August. Öffnungszeiten: Mittwoch und Donnerstag von 17 bis 19 Uhr, Sonntag von 11 bis 17 Uhr.

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