Website-Icon Das SolingenMagazin

Biologische Station Mittlere Wupper feiert Jubiläum

Seit 1998 befindet sich die Biologische Station Mittlere Wupper in dem kleinen Haus vor dem Zugang zum Botanischen Garten. (Foto © Sandra Grünwald)

Seit 1998 befindet sich die Biologische Station Mittlere Wupper in dem kleinen Haus vor dem Zugang zum Botanischen Garten. (Foto: © Sandra Grünwald)

SOLINGEN (sg) – Die Biologische Station Mittlere Wupper versteht sich als Schnittstelle zwischen Naturschutzvereinen und Behörden. Nun feiert sie ihr 25-jähriges Jubiläum. Eine gute Gelegenheit, einmal zurück zu blicken.

Mann der ersten Stunde

Dr. Jan Boomers leitet die Biologische Station Mittlere Wupper bereits seit dem ersten Tag. „Als die Stelle ausgeschrieben wurde, habe ich mich beworben“, erinnert er sich zurück. „Ich habe dann im Oktober 1997 angefangen.“ Damals war er noch alleine und hat von Zuhause aus gearbeitet. Erst Anfang 1998 wurde mit dem Dipl.-Biologen Frank Sonnenburg ein zweiter Mitarbeiter eingestellt. Außerdem fand der Umzug in das Gebäude am oberen Zugang zum Botanischen Garten statt. „Das war vorher ein Wohnhaus“, erzählt Jan Boomers. „Die Naturschutzverbände haben viel ehrenamtliche Arbeit in dieses Haus gesteckt.“

Dr. Jan Boomers ist seit Oktober 1997 als Geschäftsführer der Biologischen Station Mittlere Wupper tätig. (Foto: © Sandra Grünwald)

Gleichzeitig wurde bereits die Arbeit der Biologischen Station aufgenommen. „Wir haben mit Solingen angefangen, hatten aber von Anfang an den Auftrag, die Arbeit auf Remscheid und Wuppertal auszuweiten.“ Zweieinhalb Jahre haben die beiden mit nur jeweils einer dreiviertel Stelle die Biologische Station zum Laufen gebracht. „Es war eine aufregende Zeit“, erzählt Jan Boomers. „Wir haben bei Null angefangen und mussten die Arbeit so gut machen, dass wir Remscheid und Wuppertal davon überzeugen konnten, dass sie das auch wollten.“ Dabei waren die beiden zuständig für alles. „Wir waren nicht nur als Biologen draußen unterwegs, sondern haben auch die Verwaltung gemacht, den Telefondienst.“

Biologische Station zuständig für das Städtedreieck

Im Jahr 2000 war es dann soweit. Die Biologische Station Mittlere Wupper zeichnete sich für die drei Städte Solingen, Remscheid und Wuppertal zuständig. In diesem Raum betreut die Biologische Station Mittlere Wupper Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Gebiete, die aufgrund der NATURA 2000-Richtline ausgewiesen wurden. Drei der fünf im Städtedreieck ausgewiesenen FFH-Gebiete bereut die Biologische Station bereits intensiv. „Wir kontrollieren, welche Arten dort leben, wie deren Lebensumstände sind und wir diese verbessern können.“

Sind irgendwelche Maßnahmen erforderlich, begleiten die Mitarbeiter der Biologischen Station diese. „Wir erklären dann, warum ein Baum beim Fällen in eine bestimmte Richtung fallen soll“, so Boomers. Weil er sonst vielleicht ein Orchideen-Vorkommen erschlagen würde. Oder warum auf einer Fläche die obere Humusschicht abgetragen und so belassen werden soll, auch wenn es wie eine Wüste aussieht. Denn rur so ist es möglich, lichtkeimende Pflanzen für eine Trockenwiese gedeihen zu lassen.

Die Biologische Station Mittlere Wupper wächst

Natürlich sind im Laufe der 25 Jahre zahlreiche Aufgaben dazugekommen. Neben der Betreuung der drei FFH-Gebiete, unterstützt die Biologische Station als Berater die Regionalvermarktung „Bergisch Pur“. Sie bietet Exkursionen an, hat den Wildbienenlehrpfad im Botanischen Garten in Solingen angelegt, arbeitet beim Runden Tisch Fledermaus-Schutz mit, hat die Federführung beim Arbeitskreis Obstwiesen Bergisches Städtedreieck und bemüht sich, Natur auch für Menschen mit Seh- oder Geh-Behinderung erlebbar zu machen.

Eine Mauerbiene erfreut sich des Bienenhotels, das die Biologische Station im Rahmen des Wildbienenlehrpfades im Botanischen Garten aufgestellt hat. (Foto: © Sandra Grünwald)

Vor 10 Jahren wurde der Müngstener Brückenpark bereits mit ertastbaren QR-Codes versehen, die eingescannt werden können und dann die Info vorlesen. Nun ist die Biologische Station dabei, auch den Heidelehrpfad inklusiv zu gestalten. Mittlerweile hat die Biologische Station Mittlere Wupper 5,5 Stellen, verteilt auf 9 Mitarbeiter zur Verfügung. Somit musste das Gebäude immer wieder umgestaltet werden. Der Veranstaltungsraum wurde zum Büro umfunktioniert und jeder freie Quadratmeter ist nun belegt.

„Glücklicherweise haben wir vor fünf Jahren Räume im ehemaligen Gärtnereigebäude bekommen“, erzählt Jan Boomers. Hier kann die Biologische Station nun einen großzügigen Veranstaltungsraum nutzen. Trotzdem reicht der Raum nicht mehr aus. „Der Platz und die Finanzierung machen uns Sorgen“, gibt Jan Boomers zu. So hat die Biologische Station derzeit keinen Platz für die Archivierung.

Die Zukunft bringt noch mehr Aufgaben

Neben den drei FFH-Gebieten, die bereits von der Biologischen Station Mittlere Wupper betreut werden, sollen künftig noch die beiden ausgewiesenen FFH-Gebiete „Ohligser Heide“ und „Teufelsklippen“ im Steinbachtal dazukommen. Und natürlich beschäftigt die Biologische Station auch die aktuelle Situation. „Was uns aktuell bewegt, mit Blick auf die Zukunft, ist der Klimawandel und das Artensterben“, sagt Jan Boomers. Ein großes Themenfeld, das zusammenhängt und Fragen aufwirft. „Wie kann ich zusätzliche Gewässer schaffen? Wie erhalte ich die Arten oder verbessere ihre Lebensumstände im Hinblick auf den Wandel? Wie bekomme ich eine Waldentwicklung hin, die die standortheimischen Arten entwickelt, aber auch flexibel ist?“

Arterhaltung durch RegioSaatgut

Um die heimische Kulturlandschaft wieder lebendiger zu machen, möchten die Biologischen Stationen Mittlere Wupper, Haus Bürgel, Rhein-Berg und Oberberg gemeinsam mit Landwirten in der Region eine Saatgutmischung „Rheinisches Bergland“ mit mindestens fünfzehn verschiedenen Wildkräutern zusammenstellen. „Wir wollen das Grünland aufwerten“, erklärt Dipl.-Biologin Pia Cambergs, stellvertretende Geschäftsführerin der Biologischen Station Mittlere Wupper.

Da Saatgut, das auf landschaftlichen Grünflächen ausgebracht wird, laut Vorschrift auch aus jener Region stammen soll, sind die Biologischen Stationen seit 2018 damit beschäftigt, regionales Saatgut zu sammeln, eine Zwischenvermehrung durchzuführen und Landwirte für den Anbau zu gewinnen. „Wir haben hier im Bergischen Land eine große Lücke, was regionales Saatgut angeht“, weiß Pia Cambergs. Deshalb werden Landwirte gesucht, die sich mit dem Anbau von Wildkräutern ein zweites Standbein schaffen möchten.

Die Biologischen Stationen der Region hoffen, mit dem RegioSaatgut aus Grünflächen wieder blühende Wiesen für eine reiche Artenvielfalt zu schaffen. (Foto: © Sandra Grünwald)

Ab 2024 soll die Saatgutmischung erhältlich sein, damit sich möglichst viele Grünflächen wieder in blühende Wiesen verwandeln, die zahlreichen Insektenarten und damit auch Vogelarten eine Heimat bieten.

Die mobile Version verlassen