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Der Bedarf an Seelsorge ist gewachsen

Die Lutherkirche in der City an der Martin-Luther-Straße. (Foto: © Bastian Glumm)

Die Lutherkirche in der City an der Martin-Luther-Straße. (Foto: © Bastian Glumm)

SOLINGEN (red) – In einer Krisenzeit spielen kirchliche Seelsorgeangebote für Menschen eine wichtige Rolle. „Ich nehme wahr, dass der Bedarf an Seelsorge in den vergangenen Monaten gewachsen ist“, sagt Christian Lerch, Pfarrer der Luther-Kirchengemeinde. Häufiger als gewöhnlich melden sich Menschen am Telefon oder per Mail und signalisieren eindeutig: „Ich habe Gesprächsbedarf.“ Das sei vor der Krise deutlich seltener vorgekommen. Lerch ermutigt die Menschen, diesen Schritt zu gehen. Er nimmt dann gerne per Telefon Kontakt auf. Schließlich gehöre Seelsorge seit jeher zu den grundlegenden Funktionen der Kirche.

Gesprächssituationen muss man aktiv schaffen

Im Corona-Lockdown sei es aber nötiger als sonst, dass Menschen mit Gesprächsbedarf die Initiative ergreifen und sich melden. Viele Gelegenheiten, bei denen Pfarrerinnen und Pfarrer sonst ganz niedrigschwellig mit ihren Menschen ins Gespräch kommen können, finden zurzeit nicht statt. Für Christian Lerch spiegeln die Anfragen genau das wider: „Seelsorge am Gartenzaun kann im Moment eben nicht stattfinden“, sagt er. Das gelte auch für die vielen kleinen Gelegenheiten, die sonst am Rande von Veranstaltungen, Team-Treffen oder Gottesdiensten entstehen. Auf dem Flur oder an der Tür kommt dann manchmal zur Sprache, was Menschen gerade auf dem Herzen liegt. „Diese Augenblicke gibt es ja bei Zoom-Konferenzen nicht“, erläutert der Theologe.

Darum müssten solche Gesprächssituationen aktuell aktiv geschaffen werden. Der Höhscheider Pfarrer versucht darauf zu achten: bei Begegnungen auf der Straße, wenn er spontan mit Gemeindegliedern ins Gespräch kommt oder Andachten mit einem kurzen Gruß per Post verschickt: „Nicht überall, wo Seelsorge drin ist, steht auch Seelsorge drauf“, sagt er. Zum Beispiel, wenn er Menschen fragt, wie es ihnen gerade geht, dann hat er oft den Eindruck, dass die Menschen diese Frage gerade ernster nehmen. Oft entstehe dann daraus ein echtes Gespräch, so Lerch.

Der Bedarf an Seelsorge ist gewachsen, beobachtet auch Christian Lerch, Pfarrer im Evangelischen Kirchenkreis Solingen. (Foto: © Christian Menge)

Mit den Gemeindemitgliedern digital Kontakt aufnehmen

Auch die Widderter Pfarrerin Kristina Ziegenbalg sucht in der Corona-Krise aktiv den Kontakt zu Menschen aus ihrer Gemeinde. Sie schickt regelmäßig WhatsApp-Nachrichten in deren Alltag. Denn der ist in diesen Zeiten für viele schwierigen als sonst. Wenn der Unterricht mit den Kindern am Küchentisch längst abgeschlossen ist oder Senioren einen weiteren Tag ohne persönliche Begegnungen beschließen, wenn es leise wird in den Wohnzimmern, bei Familien und alten Menschen, bei Singles und Paaren, dann machen sich dort zuweilen große Sorgen breit – über die Zukunft, das Leben und die Krankheit, über Konflikte und die Einsamkeit. „Die kleine Nachricht per Smartphone kommt für die Menschen dann manchmal genau im richtigen Moment“, weiß die Pfarrerin.

Kristina Ziegenbalg wartet deswegen nicht selten mit ihren WhatsApp-Nachrichten, bis es draußen dunkel geworden ist. Drei- oder viermal in der Woche schickt sie einen kurzen Gruß an die Menschen, die sich für die Smartphone-Botschaft in Coronazeiten angemeldet haben: 80 Gemeindeglieder stehen inzwischen auf der Liste. Und immer öfter bekommt die Pfarrerin auch eine Antwort auf die kurzen Textimpulse, die kleinen Videos oder dieGebete, die sie auf den Weg schickt. „Die Menschen signalisieren mir dann: ‚Das tut mir heute gut‘“, erzählt sie. Manchmal erwächst daraus dann ein Gespräch – erst per WhatsApp und schließlich am Telefon. Schon ist die Pfarrerin mittendrin im Thema Seelsorge in Krisenzeiten.

Nicht ausschließlich ältere Menschen im Fokus

„Am Anfang der Pandemie hatten wir vor allem die älteren Menschen im Fokus“, erinnert sich Kristina Ziegenbalg. Briefe und Telefonate, um die sich Ehrenamtliche der Gemeinde bemühten, sollten im Kampf gegen die aufkommende Einsamkeit im Lockdown helfen. „Inzwischen ist die Zielgruppe für Seelsorgeangebote gewachsen“, sagt die Pfarrerin und denkt an Familien, Singles aller Altersstufen und auch an Paare, die die Situation belastet. Die Gemeinde in Widdert will auf die Menschen zugehen, Seelsorge anbieten – mit Post, Anrufen und den regelmäßigen WhatsApp-Nachrichten. Die Resonanz zeige, dass es den Bedarf gebe, glaubt auch Ziegenbalg.

In den anderen Gemeinden des Evangelischen Kirchenkreises laden Pfarrerinnen und Pfarrer die Menschen in ihren Gemeinden ebenfalls ein, sich bei Bedarf zu melden. Seelsorge findet auch im Lockdown statt. Telefonieren ist schließlich risikofrei möglich. Kontaktdaten gibt es auf www.klingenkirche.de unter „Gemeinden“.

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