SOLINGEN (sg) – Am Sonntag wird die Ausstellung von „Aux Arts! etc.“, einer Künstlervereinigung aus Chalon sur Saône, in der Galerie SK in den Güterhallen eröffnet.
Austausch wiederbeleben
Solingen. Bereits in den 1980er Jahren gab es einen Austausch zwischen Solinger Künstlern und Künstlern aus Chalon sur Saône. Damals stellte Ulle Huth mehrmals im Kulturhaus in Chalon aus. „Damals waren die Möglichkeiten für Ausstellungen sehr umfangreich“, sagte Florent Prudent von „Aux Arts! etc.“ beim Pressegespräch in der Galerie SK, „heute sind sie bescheiden.“ Um den eingeschlafenen Austausch zwischen den Künstlern der Partnerstädte wiederzubeleben, fragte der Verein „Aux Arts! etc.“ an, ob die Solinger Künstler Interesse hätten. Boris von Reibnitz meldete sich daraufhin und fand im Verein der Solinger Künstler (wir berichteten) tatkräftige Unterstützung.
Christina Koester fand einen Freiraum in der Galerie SK. „So kam es, dass die Galerie der Gastgeber für diese Ausstellung wurde“, sagte Christina Koester. Insgesamt 35 Bilder von 17 Künstlern aus Solingens Partnerstadt Chalon sur Saône werden in dieser Ausstellung zu sehen sein. Sie ist der Auftakt eines neu belebten Austauschs. Ein Gegenbesuch von Boris von Reibnitz, Christina Koester, André Peer, Janine Werner und Dirk Balke ist für September in Chalon sur Saône geplant.
Chalon sur Saône zu Gast in Solingen
Die Ausstellung zeigt die komplexe Schaffenskraft, die überbordende Vorstellungskraft und die Vielfältigkeit der französischen Künstlerinnen und Künstler auf eindrucksvolle Weise. Neben den Bildern der Gäste, wird auch jeweils ein kleines Werk (am Treppenaufgang) von den fünf Solinger Künstlern, die im September in die Partnerstadt fahren, zu sehen sein, um auch den Gastgebern Raum zu geben. „Ein solcher Raum wird dann auch bei der Ausstellung im September für die französischen Gastgeber-Künstler geschaffen werden“, erklärt Dirk Balke.
Vom Comic zum Portrait
Guy Béraud erschafft Bilder, die ein bisschen wie Comics anmuten. Sogar Textzeilen sind zu finden, die allerdings keinen Sinn ergeben. „Die Bilder haben die ästhetischen Eigenschaften von Comics, ohne Comics zu sein“, erklärte Florent Prudent. Marie Odile Roger arbeitet viel mit Papier, aber auch mit Textilien. Die aufgebrachten feinen Tuschestriche ergeben ein Muster, ein Bild, ein Gebilde, in das sich der Betrachter vertiefen kann. Annick Dumarchey ist Bildhauerin und Malerin. Sie stellt zwei großformatige Portraits aus, die über eine enorme Ausdruckskraft verfügen.
Von Tierportraits, zarten Akten bis zu Bäumen
Florent Prudent hat früher vor allem Portraits von Menschen gemalt. Das hat sich gewandelt. Inzwischen portraitiert er auch Tiere. „Ich behandle die Tiere genauso, wie ich die Menschen behandle“, betonte er. Für ihn steht der Mensch nicht über dem Tier, was man seinen liebevollen Portraits von Hahn und Schildkröte ansieht. Sylve erschafft mit Kohle zarte Aktzeichnungen auf zartem Pergamentpapier. Ihre Werke wurden nach lebenden Modellen gezeichnet. Um den Betrachter zur Interaktion einzuladen, können ihre Aktzeichnungen direkt an der Wand durchgeblättert werden.
Jean-François Fontaines Werke laden zum Verweilen ein, denn es braucht Zeit, um die vielen Details zu entdecken. „Er hat eine überbordende Vorstellungskraft“, sagte Florent Prudent über den Künstlerkollegen. Colette Denizot kommt aus der Abstraktion, hat sich aber immer mehr dem Gegenständlichen zugewandt. Ihre Bilder lassen den Betrachter in eine Pflanzenwelt an Flussläufen eintauchen. Cécil Rateau widmet sich seit 15 Jahren den Bäumen. Sie malt sie, formt menschliche Figuren aus Ton, deren Beine wie Wurzeln anmuten. „Es ist die Kommunikation der Bäume untereinander, die sie interessiert“, verriet Florent Prudent.
Bunte Welten
Während Christiane Bruley ihre grafisch abstrakten Bilder auf Metall erschafft, erinnern die mittels unzähliger winziger und kleiner Punkte in unterschiedlichen Farben entstandenen Werke von Lois Tramaille an die Kunst der australischen Aborigines. Der Betrachter fragt sich unwillkürlich, wie lange der Künstler an seinen Bildern gesessen hat und wie viel Geduld er dafür aufbringen musste. Äußerst experimentierfreudig zeigt sich Nicole Tramaille, von der Florent Prudent sagte: „Sie beschäftigt sich mit allem.“
Seit 10 Jahren fängt Dominique Capelle heimatliche Landschaften in Gemälden ein, allerdings sind die Bilder nicht fotorealistisch, sondern haben eine ganz eigene Ausdrucksform, die nicht statisch ist, sondern sehr lebendig. Philippe Guerry hat sich sehr lange mit den Schützengräben des Ersten Weltkriegs beschäftigt, hat sich aber nun der Damenwelt zugewandt. Seine Bilder fangen die Stimmung des Cabarets ein.
Michel Dufour ist der älteste der 17 ausstellenden Künstlern und hat den Austausch in den 1980er Jahren bereits miterlebt. Seine Gemälde, so abstrakt sie scheinen, haben immer auch etwas mit Landschaften zu tun. Der einzige Fotokünstler ist Claude Limon. Er versteht es, in seinen Fotografien den Moment einzufangen.
Frauen, die die Zeit erobern
David Ribeiro hat ein Hauptthema: Die Frauen. „Mein Hauptthema sind die Frauen, weil ich die Frauen verehre“, erklärte der Künstler aus Chalon sur Saône. Seit sieben Jahren arbeitet er an einer Serie, die er „die Frau, die die Zeit erobert“ nennt. Seine Bilder sollen dem Betrachter seine weibliche Seite zeigen, egal, ob er ein Mann oder eine Frau ist. „Ich lasse mich von meinem Leben und meinen Erlebnissen inspirieren“, erklärte David Ribeiro. So finden sich auch viele Symbole aus seinem Leben in seinen Bildern.
Ausstellungsdetails
Die Ausstellung der Künstlervereinigung Aux Arts! etc. aus Chalon sur Saône in der Galerie der Solinger Künstler wird am 17. Mai um 15 Uhr eröffnet. Es sprechen Boris von Reibnitz, Solinger Künstler, und Ioanna Zacharaki, Bürgermeisterin von Solingen. Außerdem werden fünf Künstler aus Chalon anwesend sein. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 7. Juni. Geöffnet ist sie sonntags von 11 bis 12 und von 14 bis 17 Uhr sowie donnerstags von 17 bis 19 Uhr.

