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Solingen: Studie zur Zukunft des Theater und Konzerthauses

Die Solinger Stadtverwaltung und das Architekturbüro LRO stellten in einem Mediengespräch die Szenarien-Studie zur Entwicklung des Theater und Konzerthauses vor: v.li. Klaus Hildenbrand, Geschäftsführender Gesellschafter LRO Architekten, Carsten Zimmermann (Leiter des Stabs Innenstadt), Stadtkämmerer Daniel Wieneke, Oberbürgermeister Daniel Flemm, Beigeordneter Jan Welzel, Beigeordnete Anna Lenker. (Foto © Sandra Grünwald)

Die Solinger Stadtverwaltung und das Architekturbüro LRO stellten in einem Mediengespräch die Szenarien-Studie zur Entwicklung des Theater und Konzerthauses vor: v.li. Klaus Hildenbrand, Geschäftsführender Gesellschafter LRO Architekten, Carsten Zimmermann (Leiter des Stabs Innenstadt), Stadtkämmerer Daniel Wieneke, Oberbürgermeister Daniel Flemm, Beigeordneter Jan Welzel, Beigeordnete Anna Lenker. (Foto © Sandra Grünwald)

SOLINGEN (sg) – Im Rahmen eines Mediengesprächs legte die Stadtverwaltung am Donnerstag die beim Architekturbüro LRO Stuttgart in Auftrag gegebene Studie zur Entwicklung des Theater und Konzerthauses sowie einer Zentralen Feuerwache vor.

Es herrscht Handlungsbedarf

Das Theater und Konzerthaus ist in die Jahre gekommen (wir berichteten). Es hat also nach 65 Jahren nicht nur Alterserscheinungen, sondern auch mit den einstigen Bauweisen zu kämpfen. Asbest und andere schädliche Baustoffe stecken ihm förmlich in den Knochen. Die Dachkonstruktion ist nicht nur zu schwach, sondern würde im Falle eines Brandes auch sofort zusammenbrechen. Dass Handlungsbedarf besteht, daran herrscht kein Zweifel. Doch wie soll die Zukunft des Theater und Konzerthauses aussehen?

Die Stadtverwaltung erhielt den Auftrag aus der Politik, Daten, Fakten und Szenarien zu beschaffen, die dem Stadtrat dann als Entscheidungsgrundlage dienen sollen. „Wir sollten vor der Sommerpause liefern“, erklärte Oberbürgermeister Daniel Flemming beim Mediengespräch, „das haben wir geschafft.“ Das Stuttgarter Architekturbüro LRO, das bereits zahlreiche Kulturhäuser neu- und umgebaut hat, nahm sich des Solinger Theater und Konzerthauses an und erstellte eine Studie mit drei Sanierungs- und drei Neubau-Szenarien. Nach einer eingehenden Analyse gab LRO dann die Empfehlung für ein Sanierungs- und ein Neubau-Szenario ab.

Klaus Hildenbrand, Geschäftsführer des Architekturbüros LRO, stellte die sechs Szenarien vor. (Foto © Sandra Grünwald)

Sanierungs-Szenarien

Szenario 1 wäre eine kleine Sanierung, die mit 35 Millionen veranschlagt wird und auch relativ wenig Zeit in Anspruch nehmen würde. Allerdings ist jetzt schon klar, dass es dabei bei einem 65 Jahre alten Gebäude nicht bleiben würde. „Damit laufen wir in ein unkalkulierbares Risiko“, sagte Flemm. Es würde nicht bei den 35 Millionen bleiben und die Gefahr bestünde, dass am Ende gar keine Kultur mehr möglich wäre.

Szenario 2 wäre eine Generalsanierung, die bei laufendem Betrieb durchgeführt werden müsste. „Das würde 8 bis 9 Jahre dauern“, erklärte Klaus Hildenbrand, Geschäftsführer von LRO bei der Präsentation der Studie. Außerdem käme es zu Beeinträchtigungen durch die Baustelle. Die Generalsanierung würde mit rund 150 Millionen Euro so viel kosten wie ein Neubau. Szenario 3 ist eine Generalsanierung mit einem zusätzlichen Anbau, wo Proberäume und eine Werkstattbühne untergebracht werden würden. Die Kosten lägen bei 193 Millionen Euro.

Neubau des Theater und Konzerthauses

Für einen Neubau kämen mehrere Standorte in Frage. Zum einen das ehemalige P&C/Kaufhof-Gebäude, zum anderen das Omega/Evertz-Gelände. Der Neubau mit Einbeziehung des ehemaligen P&C Gebäudes würde etwa 47 Prozent der Fläche des heutigen Theater und Konzerthauses und damit nur eine Spielstätte besitzen. Mit 118 Millionen Euro wäre es damit auch günstiger. Vorteil: Es liegt mitten in der Stadt. Für das Omega/Evertz-Gelände entwarf LRO zwei Szenarien, eins wäre mit 16.500 Quadratmetern etwas kleiner, als der heutige Kulturbetrieb und würde 165 Millionen Euro kosten. Das zweite hätte ebenfalls nur eine Spielstätte und würde 103 Millionen Euro kosten.

„Wir debattieren nicht über das OB, wir debattieren über das WIE“, sagte Oberbürgermeister Daniel Flemm (2. v. r.) über die Entwicklung des Theater und Konzerthauses. (Foto © Sandra Grünwald)

Theater und Konzerthaus: Machbarkeitsstudie

Die Szenarien-Studie soll als neutrale und sachliche Entscheidungsgrundlage für die nun folgenden politischen Beratungen dienen. Für Montag, 29. Juni, ist eine Sondersitzung der zuständigen Gremien angesetzt, in der die Studienergebnisse öffentlich vorgestellt werden. Der Stadtrat befasst sich dann in seiner Sitzung am 2. Juli mit den unterschiedlichen Entwicklungsmöglichkeiten. „Wir als Verwaltung liefern Daten und Fakten und zeigen Szenarien auf“, betonte Daniel Flemm. „Die Entscheidung trifft die Politik.“

Die Verwaltung schlägt dem Rat vor, eine Machbarkeitsstudie zu beauftragen, die zwei der sechs Szenarien weiter vertieft – ein Neubau- und ein Sanierungs-Szenario. Damit schafft die Verwaltung eine Basis, um unterschiedliche Entwicklungsperspektiven des Theater und Konzerthauses in einem offenen politischen und gesellschaftlichen Diskurs abzuwägen. „Es ist eine Entscheidung für die nächsten 50 Jahre“, so Flemm weiter.

Zentrale Feuerwache

Ein Aspekt bei der Entscheidung wird sicherlich auch das Konzept, die neu zu bauenden Feuerwachen I und III in eine zentrale Feuerwache zusammenzubringen, die auf dem Gelände des jetzigen Theater und Konzerthauses am Schlagbaum einen idealen Standort hätte. „Zum einen könnte die Feuerwehr auf zwei Seiten rausfahren“, erklärte Klaus Hildenbrand. „Außerdem wären für die Feuerwehr vom Gelände am Schlagbaum aus, alle Stadtbereiche in 18 Minuten zu erreichen.“

Zur Zentralen Feuerwache konnte das Architekturbüro einige Daten und Fakten vorlegen. „Der Neubau der Feuerwache I beläuft sich auf 70 Millionen Euro, der Neubau der Feuerwache III auf 170 Millionen Euro“, so Klaus Hildenbrand. Eine Zentrale Feuerwache würde sich deutlich günstiger bei 170 Millionen Euro bewegen. Außerdem sind auch die laufenden Kosten günstiger. „Durch die Einsparung von Personalkosten könnten die jährlich anfallenden Betriebskosten bezahlt werden.“

So könnte die Zentrale Feuerwache am Schlagbaum aussehen. (Foto © Sandra Grünwald)

Empfehlungen an den Rat

Das Architekturbüro LRO und damit auch die Stadtverwaltung empfiehlt, aus den sechs Szenarien zwei tiefer auszuleuchten. Zum einen einen Neubau auf dem Omega/Evertz-Gelände mit Einbeziehung von zwei historischen Industriehallen. Dieses Neubau-Szenario zeichnet ein Theater- und Konzerthaus in industrieller Optik, mit Konzerthalle, einem Theater sowie Multifunktions- und Seminarräumen. Es wäre für Kunstformen aller Art bespielbar, außerdem nutzbar für Messen und Events. „Angesichts der Tatsache, dass im Südpark bereits Ateliers und kleine Ausstellungsräume existierten, könnte sich der Südpark zu einem Kultur-Quartier entwickeln“, erklärte Hildenbrand. Städtebaulich würde dieser Standort die Innenstadt beleben.

Als Alternative wird die Generalsanierung mit zusätzlichem Anbau am heutigen Standort empfohlen. Das Theater und Konzerthaus würde kernsaniert und erhielte an der hinteren Gebäudeseite einen Anbau für eine Werkstattbühne und Multifunktionsräume. Gebäudetechnik, Brandschutz, Statik und Energiekonzept müssten auf den neusten Stand gebracht, die Schadstoffe beseitigt werden. Außerdem ist eine Theater-Gastronomie vorgesehen. Allerdings würden sich durch die Sanierung keine wesentlichen Impulse für die Entwicklung oder Belebung der Innenstadt ergeben.

Theater und Konzerthaus: So geht es weiter

Wenn der Rat die Beauftragung der Machbarkeitsstudie beschließt, werden beide Szenarien im nächsten Schritt vertieft. Die Verwaltung bindet die Politik und die Solingerinnen und Solinger in diesen Prozess ein. Das Ergebnis der Machbarkeitsstudie wird Ende des zweiten Quartals 2027 erwartet. Auf dieser Grundlage soll dann ein Grundsatzbeschluss gefasst werden, welche Option für die Zukunft des Theater und Konzerthauses und der Feuerwachen umgesetzt wird.

Anschließend beginnen die Detailplanungen. Der Betrieb des Theater und Konzerthauses soll nicht unterbrochen werden. Im Falle eines Neubaus wird das gegenwärtige Brandschutzkonzept so lange verlängert werden, bis der Neubau eröffnet wird.

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