SOLINGEN (bgl) – Mit dem neu geschaffenen „Stab Innenstadt“ will die Stadt Solingen die Entwicklung der Innenstadt künftig zentral steuern und koordinieren. Ziel ist es, die Vielzahl an laufenden und geplanten Projekten aus unterschiedlichen Bereichen zusammenzuführen und besser aufeinander abzustimmen. Hintergrund ist die seit Jahren angespannte Lage der Solinger Innenstadt mit Leerständen, schwacher Belebung und deutlichen strukturellen Problemen, denen sich die aktuelle Rathausadministration nun verstärkt und mit Priorität widmen will.
Carsten Zimmermann, Leiter des „Stabs Innenstadt“ bei der Stadt Solingen, beschreibt den Ansatz so: „Die Aufgabe des Stabes ist es, alle wichtigen Projekte und Maßnahmen für die Innenstadt aus verschiedenen Bereichen heraus zu steuern.“ Die Zuständigkeiten bleiben dabei bewusst bei den jeweiligen Fachbereichen, städtischen Gesellschaften oder privaten Akteuren, während der Stab die übergeordnete Koordination übernimmt und die einzelnen Maßnahmen miteinander verzahnt.
Grundsatzpapier und strategischer Rahmen
Als Basis dient ein Grundsatzpapier, das Organisation, Arbeitsweise und zentrale Themenfelder des Stabs beschreibt. Konkrete Maßnahmen oder Projekte werden darin noch nicht festgelegt, vielmehr definiert das Papier die Struktur und die Leitplanken, innerhalb derer künftig gearbeitet werden soll. Die eigentliche inhaltliche Ausrichtung folgt im nächsten Schritt und wird derzeit vorbereitet.
Im Mittelpunkt steht dabei die Entwicklung einer umfassenden Strategie für die Innenstadt, die als verbindlicher Orientierungsrahmen dienen soll. Ziel ist es, ein gemeinsames Zukunftsbild zu formulieren, an dem sich sämtliche Maßnahmen ausrichten. Bestehende Konzepte wie das ISEK oder andere Aktionspläne bleiben dabei erhalten und werden nicht ersetzt, sondern in die neue Gesamtstrategie integriert und miteinander verknüpft.
Priorisierung, Steuerung und Transparenz
Ein zentrales Element des neuen Ansatzes ist die Priorisierung von Projekten. Angesichts der Vielzahl geplanter Maßnahmen sollen klare Schwerpunkte gesetzt werden, die in jährlichen Programmen konkretisiert werden. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass Projekte parallel nebeneinander laufen, ohne abgestimmt zu sein, während gleichzeitig Ressourcen gezielt eingesetzt werden können.
Darüber hinaus soll der Prozess insgesamt transparenter werden. Entscheidungen und Entwicklungen sollen für Politik und Öffentlichkeit nachvollziehbar sein, gleichzeitig ist vorgesehen, die Öffentlichkeit aktiv in die Strategieentwicklung einzubeziehen. Ziel ist es, eine breite Grundlage zu schaffen, auf der die Entwicklung der Innenstadt gemeinsam getragen wird.
Innenstadt: Beteiligung und gemeinsame Ausrichtung
Und deshalb soll die Strategie auch nicht allein innerhalb der Verwaltung erarbeitet werden, sondern in einem breiten Beteiligungsprozess entstehen. Verwaltung, Politik und Stadtgesellschaft sollen gemeinsam ein Zukunftsbild entwickeln, das von allen mitgetragen wird und als verbindliche Grundlage für künftige Entscheidungen dient. Denn: „Ein Zukunftsbild funktioniert nur, wenn es von Verwaltung und Stadtgesellschaft gemeinsam getragen wird“, betont Carsten Zimmermann.
Neben politischen Gremien sollen auch externe Fachleute sowie weitere Akteure eingebunden werden. Ergänzend ist ein verwaltungsinterner Austausch vorgesehen, um sicherzustellen, dass Projekte aus unterschiedlichen Bereichen aufeinander abgestimmt werden und als Teil einer Gesamtentwicklung verstanden werden.
Vielfältige Themen und konkrete Projekte
Die Entwicklung der Innenstadt umfasst zahlreiche Themenfelder, die ineinandergreifen. Dazu zählen städtebauliche Projekte ebenso wie Fragen der Sicherheit, Mobilität, kulturellen Nutzung und sozialen Infrastruktur. Ziel ist es, diese Bereiche nicht isoliert zu betrachten, sondern in einer gemeinsamen Strategie zusammenzuführen und aufeinander abzustimmen, zeigt Carsten Zimmermann auf.
Zu den relevanten Projekten gehören unter anderem größere Entwicklungsflächen wie das Kaufhof- und P&C-Gebäudeensemble, das Omega-Quartier oder das ehemalige Sparkassengelände. Und nicht zuletzt die Hauptstraße. Darüber hinaus werden konkrete Vorhaben wie die Zukunft von Theater und Konzerthaus sowie der Solinger Feuerwachen derzeit in verschiedenen Szenarien untersucht, die im weiteren Verlauf bewertet und politisch entschieden werden sollen.
Innenstadt: Langfristiger Prozess mit vielen Akteuren
Die Stadt selbst macht deutlich, dass die Entwicklung der Innenstadt ein langfristiger Prozess ist. Die Strategie soll zunächst bis Ende des Jahres erarbeitet werden, im Anschluss folgen Beteiligung, politische Entscheidungen und die schrittweise Umsetzung einzelner Projekte.
Insgesamt wird die Entwicklung der Innenstadt auf einen Zeitraum von bis zu 15 Jahren angelegt. Gerade bei größeren Vorhaben sind mehrstufige Verfahren vorgesehen, die sich über mehrere Jahre erstrecken können, bevor überhaupt konkrete Maßnahmen umgesetzt werden. Die Neuausrichtung ist deshalb kein Sprint, sondern vielmahr ein Marathon, mit vielen einzelnen Etappen, deren Erfolg sich erst im Laufe der Zeit zeigen wird. Dessen sei man sich auch im Rathaus voll bewusst.
Gleichzeitig wird betont, dass die Umsetzung nicht allein durch die Stadt erfolgen kann, sondern die Mitwirkung verschiedener Akteure erfordert. „Es kann nicht sein, dass die Stadt alles machen soll. Dann wird sich darauf ausgeruht. Private und Vereine müssen sich ganz genauso engagieren“, macht Carsten Zimmermann deutlich.

