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Zwei Jahre nach dem Anschlag: Solingen gedenkt der Opfer vom Fronhof

Rund 150 Menschen kamen am Sonntagabend am Gedenkstein vor der Evangelischen Stadtkirche zusammen, um gemeinsam der Opfer des Anschlags auf dem Fronhof zu gedenken. (Foto: © Stadt Solingen)

Rund 150 Menschen kamen am Sonntagabend am Gedenkstein vor der Evangelischen Stadtkirche zusammen, um gemeinsam der Opfer des Anschlags auf dem Fronhof zu gedenken. (Foto: © Stadt Solingen)

SOLINGEN (red) – Zwei Jahre nach dem tödlichen Messeranschlag auf dem Fronhof haben am Sonntagabend rund 150 Menschen gemeinsam der Opfer gedacht. Angehörige, Betroffene, Einsatzkräfte sowie Vertreter aus Politik, Verwaltung, Kirche und Zivilgesellschaft kamen an der Evangelischen Stadtkirche zusammen. Auch NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst nahm an der Gedenkveranstaltung teil.

NRW-Ministerpräsident Wüst in Solingen

Am 23. August 2024 war die Feier zum 650-jährigen Stadtjubiläum durch den Anschlag auf dem Fronhof jäh beendet worden. Drei Menschen wurden getötet, acht weitere teils schwer verletzt. Genau zwei Jahre später stand der Sonntag in Solingen ganz im Zeichen des Erinnerns und Gedenkens.

Unter den Teilnehmern der zentralen Gedenkveranstaltung am Abend befanden sich Angehörige der Opfer, Betroffene und Einsatzkräfte von damals. Neben Oberbürgermeister Daniel Flemm und Ministerpräsident Hendrik Wüst waren auch NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur, NRW-Integrationsministerin Verena Schäffer und NRW-Justizminister Dr. Benjamin Limbach nach Solingen gekommen.

„Der Hass hat niemals das letzte Wort“

Um 21.30 Uhr begann die zentrale Zusammenkunft am Gedenkstein vor der Evangelischen Stadtkirche. Superintendentin Dr. Ilka Werner und die Vorsitzende des Solinger Katholikenrats, Dr. Ulrike Spengler-Reffgen, eröffneten die Veranstaltung mit einem liturgischen Impuls. Anschließend wandte sich Oberbürgermeister Daniel Flemm an die Anwesenden.

Oberbürgermeister Daniel Flemm (li.) und NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst mit Kerzen während des Gedenkens an die Opfer des Messeranschlags vom 23. August 2024. (Foto: © Stadt Solingen)

„Zwei Jahre sind vergangen. Wir sind heute hier, um zu erinnern, um Raum für Trost zu schaffen, um vereint Seite an Seite zu stehen“, sagte Flemm. Der Oberbürgermeister sprach den Betroffenen sowie den Familien und Angehörigen der Opfer sein tiefes Mitgefühl aus. Zugleich erinnerte er an die Einsatz- und Rettungskräfte sowie die zahlreichen Helfer, die am Abend des Anschlags den Menschen auf dem Fronhof beigestanden hatten.

Erst im Juli waren sechs Solinger und eine Frau aus Münster für ihren Einsatz mit der Rettungsmedaille des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet worden. „Sie haben ohne Zögern Verantwortung übernommen.“ Flemm appellierte zugleich an den Zusammenhalt der Solinger Stadtgesellschaft: „Wir lassen uns von niemandem gegeneinander aufbringen. Wir lassen uns nicht einschüchtern. Wir leben unsere Freiheit und tun das Möglichste, um sie zu schützen.“ Und weiter: „Der Hass hat niemals das letzte Wort.“

Schweigeminute um 21.37 Uhr

Um 21.37 Uhr wurde es vor der Stadtkirche still. Genau zu diesem Zeitpunkt hatte zwei Jahre zuvor der Messerangriff auf dem Fronhof begonnen. Mit einer gemeinsamen Schweigeminute gedachten die Anwesenden der Opfer. Drei Menschen verloren bei dem Anschlag ihr Leben, acht weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Was als großes Fest zum 650-jährigen Bestehen Solingens begonnen hatte, endete am Abend des 23. August 2024 in einer Katastrophe, die die Stadt nachhaltig erschütterte. Nach der Schweigeminute ergriff Ministerpräsident Hendrik Wüst das Wort.

Auch er sprach den Familien und Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl aus: „Mich erfüllt dieser Akt des Terrors auch zwei Jahre später mit Trauer und mit Schmerz. Trauer um die drei Menschen, die mitten aus dem Leben gerissen wurden. Schmerz angesichts der Folgen, die die Opfer und Angehörigen seit zwei Jahren erleiden. Mich erfüllt die Erinnerung an diesen Terrorakt aber auch mit Entschlossenheit. Entschlossenheit, für unsere freiheitliche Art zu leben einzutreten. Hass und Gewalt dürfen niemals eine Chance haben in unserem Land.“

Gedenken begann bereits am Vormittag

Zugleich würdigte Wüst die Reaktion der Solinger Stadtgesellschaft auf den Anschlag. Solingen habe gezeigt, was eine Stadt einem solchen Angriff entgegensetzen könne. „Menschen in Solingen haben dem Hass und der Gewalt Zusammenhalt und Solidarität entgegengesetzt. Solingen zeigt damit, was eine freie Gesellschaft stark macht.“ Die Zusammenkunft am Abend bildete den Abschluss eines ganztägigen Programms zum zweiten Jahrestag des Anschlags. Bereits am Vormittag hatte in der Evangelischen Stadtkirche ein thematischer Gottesdienst stattgefunden. Dieser endete mit einer Kranzniederlegung am Gedenkstein.

Am frühen Abend folgte im Bürgersaal der Stadtkirche eine Dialogveranstaltung, die gemeinsam mit der Konfliktakademie ConflictA der Universität Bielefeld gestaltet wurde. Mit der zentralen Gedenkveranstaltung und der Schweigeminute am Abend erinnerte Solingen schließlich noch einmal gemeinsam an die Opfer des 23. August 2024 – und setzte zugleich ein Zeichen für Zusammenhalt und Solidarität.

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