
SOLINGEN (mh) – Am Freitag, dem 20. März 2026, wurde im Gräfrath-Museum ein neues Kapitel aufgeschlagen: Erstmals in seiner langjährigen Geschichte präsentierte das Haus eine Wechselausstellung. Damit setzt das traditionsreiche Museum ein deutliches Zeichen für Erneuerung und kulturelle Lebendigkeit im Solinger Stadtteil Gräfrath.
Andre Peers Ausstellung im Gräfrath-Museum
Den Auftakt gestaltet der Gräfrather Künstler Andre Peer, der mit einer eindrucksvollen Auswahl seiner Werke die Besucher auf eine visuelle Reise durch die Jahre 2006 bis 2025 mitnimmt. Seine Motive zeigen vertraute Orte – und lassen sie doch in neuem Licht erscheinen.
„Ich freue mich und fühle mich sehr geehrt, dass ich die erste Wechselausstellung hier mit meinen Arbeiten gestalten darf“, sagt Peer. Gleichzeitig lobt er die Neuausrichtung des Museums unter der Leitung seines Künstlerkollegen Dirk Balke: „Er bringt viel frischen Wind hier herein.“

Peers Werke haben eine besondere Wirkung auf die Besucher. Mit einem Augenzwinkern beschreibt der Künstler die typischen Reaktionen: „Ich finde es immer toll, wenn Besucher vor meinen Gräfrath-Bildern stehen und überlegen, wo der Ort denn ist. Sie sind sicher, es genau zu wissen – aber in dem Moment fällt es ihnen nicht ein.“
Diese spielerische Irritation wird schnell zum Gesprächsanlass. Besucher tauschen Erinnerungen aus, diskutieren Orte und entdecken ihre Umgebung neu. Kunst wird hier zum verbindenden Element.
Vom Atelierfenster zur ganzen Stadt
Ein zentrales Werk der Ausstellung zeigt die katholische Kirche in der Abendstimmung – ein Motiv, das den Ausgangspunkt für Peers Serie bildete. Der Blick aus seinem Atelierfenster über Gräfrath inspirierte ihn zu diesem ersten Gemälde.
„Das habe ich dann auf ganz Solingen ausgedehnt“, erzählt der Künstler. So entstand über die Jahre eine umfangreiche Sammlung von Stadtansichten, die persönliche Perspektive und lokale Identität miteinander verbinden.

Andre Peer ist nicht nur Maler. Als Allroundkünstler arbeitet er parallel an verschiedenen Projekten – von Büchern bis hin zur Musik. Aktuell beschäftigt ihn ein besonderes Vorhaben: ein Buch über Sternbilder. Konkrete Zukunftspläne bleiben zwar offen, doch eines ist sicher – an kreativen Ideen mangelt es nicht.
Neue Impulse für ein traditionsreiches Museum
Das Gräfrath-Museum selbst befindet sich im Wandel. Gegründet auf Initiative des Heimatvereins Solingen-Gräfrath, bietet es seit zwei Jahrzehnten Einblicke in die Geschichte des Ortes. Im Juni 2025 feierte das Haus sein 20-jähriges Bestehen und leitete damit eine neue Ära ein.
Seitdem verantwortet der Gräfrather Künstler Dirk Balke die Organisation und Gestaltung. Mit viel Engagement hat er das Museum neu strukturiert, Exponate umarrangiert und die Präsentation modernisiert. Sein Ziel: „Ich möchte einen lebendigen Ort schaffen.“ Künftig sollen alle drei bis vier Monate neue Wechselausstellungen stattfinden, nicht nur mit Kunst, sondern auch mit Beiträgen von Autoren, Vereinen oder Chören.

Auch die Dauerausstellung wurde überarbeitet. So erhält die Familie de Leuw nun mehr Aufmerksamkeit, insbesondere der Landschaftsmaler Friedrich August de Leuw. Ein besonderes Exponat ist ein historisches Tintenfass, das ihm einst von seinem Vater, dem Augenarzt Friedrich Hermann de Leuw, geschenkt wurde und heute als Leihgabe der Stadtsparkasse Solingen zu sehen ist.
Die wertvollen Vereinsfahnen, teils kunstvoll bestickt, werden nun geschützt in einem Stahlschrank mit speziellen Schubladen unter einer Glasabdeckung präsentiert. Diese moderne Aufbewahrung wurde durch die Unterstützung der Gerd-Kaimer-Bürgerstiftung ermöglicht und verbessert die Sichtbarkeit für Besucher erheblich.
Einen lebendigen Ort schaffen
Das Gräfrath-Museum befindet sich in den Kellerräumen des Deutschen Klingenmuseums und öffnet seine Türen an jedem ersten Sonntag im Monat von 14 bis 16 Uhr. Mitglieder des Heimatvereins stehen dabei für Fragen und Hintergrundinformationen bereit. Der Eintritt ist frei.
Die aktuelle Ausstellung von Andre Peer ist noch bis zum 21. Juni 2026 zu sehen, bevor die nächste kreative Phase eingeläutet wird. Eines steht bereits jetzt fest: Das Gräfrath-Museum ist auf dem Weg, sich zu einem lebendigen Treffpunkt für Kunst, Geschichte und Gemeinschaft zu entwickeln.








































