
SOLINGEN (mh) – In der Galerie ART-ECK wird es experimentell, vielfältig und überraschend: Mit ihrer Ausstellung „druckfrisch“ präsentieren die Künstlerinnen Christina Koester und Sabine Smith eindrucksvoll, wie facettenreich moderne Druckgrafik sein kann. Anlass der Ausstellung ist zugleich die Eröffnung ihres gemeinsamen Druckateliers in Solingen-Gräfrath – ein Ort, der künftig Raum für kreative Prozesse und künstlerischen Austausch bieten soll.
Drucktechniken von klassisch bis experimentell
Insgesamt 25 Arbeiten umfasst die Ausstellung, die einen breiten Überblick über Hoch- und Tiefdruckverfahren gibt. Zu sehen sind unter anderem Radierungen, Holz- und Linolschnitte, Monotypien, Prägungen sowie experimentellere Techniken wie Sugar Lift, Aquatinta oder der sogenannte Milchtütendruck.
Gerade diese Bandbreite macht den besonderen Reiz der Schau aus. Die Werke variieren nicht nur in Technik, sondern auch in Format und Ausdruck: Große Monoprints stehen neben filigranen Miniaturen, einfarbige Arbeiten treffen auf komplexe mehrfarbige Kompositionen. Auch das Spiel mit Materialien – etwa durch die Kombination mit japanischem Seidenpapier – erweitert die Ausdrucksmöglichkeiten.

Der Weg zur Ausstellung begann im vergangenen Herbst: Christina Koester entdeckte ein frei werdendes Atelier und fand im Verein Solinger Künstler mit Sabine Smith eine Mitstreiterin. Gemeinsam mieteten sie den Raum am Küllersberg – und machten ihn zum Zentrum ihres druckgrafischen Schaffens.
Herzstück des Ateliers ist eine imposante, 256 Kilogramm schwere Druckerpresse, die Koester von der Künstlerin Ulle Huth übernommen hat. In ihrem bisherigen Atelier konnte sie das massive Gerät nicht nutzen: „Ich arbeite dort mit Gips, und die Feuchtigkeit ist für die Presse problematisch. Außerdem hat sie schlicht zu viel Platz eingenommen“, erklärt Koester. Nun hat die Maschine ihren festen Platz gefunden – und bildet das Zentrum des kreativen Geschehens.
Zwischen Skulptur und Linie
Koester versteht sich selbst in erster Linie als Bildhauerin. Doch gerade die Druckgrafik eröffnet ihr neue Wege. Inspiriert von den feinen Linien ihrer Drahtobjekte wie „Füllhorn mit Schluckauf“ oder „Tanz“, entdeckte sie die Möglichkeiten der Kaltnadelradierung.
Während ihre plastischen Arbeiten von Symmetrie und Präzision geprägt sind, beschreibt sie ihren Zugang zur Druckgrafik augenzwinkernd als „Kritzeln“. Mit Nadel oder Stift ritzt sie Linien in Kunststoff- oder Kupferplatten – spontan, intuitiv und frei. „Das ist ein kompletter Gegensatz zu meiner sonstigen Arbeit, aber genau das macht es so bereichernd“, sagt sie.

Ihre Drucke erscheinen in intensiven Farben wie Neon-Pink, Blauschwarz oder klassischem Schwarz. In einem Werk integriert sie sogar das Gedicht „Engellieder“ von Rainer Maria Rilke – ergänzt durch einen PC-Druck, um die Lesbarkeit zu gewährleisten.
Auch Sabine Smith bringt eine große Bandbreite an Techniken mit in die Ausstellung. Die Bildhauerin und Fotografin erinnert sich an einen prägenden Satz aus ihrem Studium: Künstlerisch sei man dann auf dem richtigen Weg, wenn man sich wieder der Unbefangenheit von Kindern annähere.
Diese Haltung spiegelt sich in ihren Arbeiten wider. Smith experimentiert mit Risographie, einer Drucktechnik, bei der digitale Bilddaten in mehreren Farbebenen übereinander gedruckt werden. Dafür reist sie regelmäßig nach Städten wie Hamburg, München oder Berlin, wo entsprechende Geräte zur Verfügung stehen. Auch Aufenthalte in spanischen Druckwerkstätten gehören zu ihrem künstlerischen Alltag.
Spielerische Leichtigkeit: Sabine Smiths Experimente
Neben der Risographie nutzt sie Techniken wie Monotypie, Sugar Lift oder den Milchtütendruck. Letzterer – auch als Tetrapack-Druck bekannt – verwandelt recycelte Verpackungen in Druckplatten und verbindet Nachhaltigkeit mit künstlerischem Ausdruck.
Besonders eindrucksvoll sind ihre Monoprints: reduzierte, klare Kompositionen, inspiriert von Naturmotiven. Trotz ihrer minimalistischen Gestaltung entfalten sie eine überraschende Tiefe und Komplexität.
Eine Ausstellung mit ruhiger Kraft
Galeristin Ela Schneider zeigt sich begeistert von der neuen Schau: „Die Arbeiten unterscheiden sich deutlich von der vorherigen Ausstellung. Sie wirken durch klare Linien und ergeben zusammen ein sehr ruhiges Gesamtbild.“
Die Ausstellung „druckfrisch“ wird am Samstag um 15 Uhr in der Galerie ART-ECK eröffnet und ist bis zum 30. Mai zu sehen. Geöffnet ist die Galerie freitags und samstags von 15 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung (mobil 0174 7097340)
Mit „druckfrisch“ gelingt Koester und Smith nicht nur eine Werkschau ihrer aktuellen Arbeiten, sondern auch ein lebendiges Statement für die Möglichkeiten der Druckgrafik – zwischen Tradition, Experiment und persönlichem Ausdruck.





































