SOLINGEN (red) – Der Rat der Stadt Solingen soll nach den derzeitigen Planungen noch in diesem Jahr über den Verkauf des Alten Hauptbahnhofs entscheiden. Das teilte die Stadtentwicklungsgesellschaft Solingen (SEG) am Mittwoch mit. Die Gespräche über die Eckpunkte des Kaufvertrages seien fortgeschritten. Einige Punkte müssten jedoch noch geklärt werden.
Universität, Gastronomie und Veranstaltungen
„Unser Zeitplan sieht auch weiterhin vor, dass der Rat noch in diesem Jahr über den Verkauf beschließen kann“, erklärt SEG-Geschäftsführerin Julia Kunz. Auf Grundlage der bislang vereinbarten Eckpunkte erarbeitet eine beauftragte Rechtsanwaltskanzlei derzeit einen Kaufvertragsentwurf.
Das überarbeitete Nutzungskonzept hält im Wesentlichen an den bereits bekannten Planungen fest. Die Bergische Universität soll ihren Standort im Alten Bahnhof behalten. Darüber hinaus ist vorgesehen, das Restaurant mit Innen- und Außenbereich wieder in Betrieb zu nehmen.
Zwei Varianten für einen Hotelbetrieb
Die frühere Schalterhalle soll künftig erneut für Veranstaltungen genutzt werden. Auf einer separaten Außenfläche sind ein Biergarten und weitere Veranstaltungsangebote geplant. Ein Biergarten wurde bereits in diesem Sommer eröffnet, auch erste Veranstaltungen fanden statt. Grundlage dafür ist ein Rahmenmietvertrag mit der Stadt, der bestimmte Nutzungen bereits vor einem möglichen Verkauf erlaubt. „So konnte schon jetzt wieder Leben in den alten Bahnhof einziehen“, sagt Matthias Knospe, Leiter des Stadtdienstes Gebäudemanagement.
Ein weiterer Bestandteil des Konzepts ist ein Beherbergungsbetrieb. Dafür werden derzeit zwei Varianten geprüft. Die kleinere Lösung sieht ein Hotel mit rund 15 Zimmern vor. Dieses könnte im bestehenden Gebäudeteil der früheren Expressgutabfertigung eingerichtet werden. Dort befinden sich momentan eine Spielhalle und drei Wohnungen, von denen nach Angaben der SEG noch eine belegt ist.
Zusätzlicher Neubau komme alternativ infrage
Alternativ kommt ein zusätzlicher Neubau infrage. In Verbindung mit dem Umbau des Bestandsgebäudes könnte so ein Hotel mit etwa 30 Zimmern entstehen. Der Anbau soll sich gestalterisch dem historischen Ensemble unterordnen. Vorgesehen sind eine zurückhaltende Fassadengestaltung sowie eine an den Bestand angepasste Farbgebung. Auf eine historisierende Nachbildung soll verzichtet werden.
Auch Photovoltaikanlagen und begrünte Dachflächen sind Teil der Überlegungen. Ob und in welchem Umfang diese umgesetzt werden können, hängt unter anderem von den Anforderungen des Denkmalschutzes und den statischen Voraussetzungen ab. Da die Hotelplanungen noch nicht abgeschlossen sind, soll der Kaufvertrag an dieser Stelle eine Öffnungsklausel enthalten. Damit sollen die Investoren die Möglichkeit erhalten, die konkrete Lösung später weiterzuentwickeln.
Verkauf wurde 2023 beschlossen
Die Stadt Solingen hatte 2023 beschlossen, den Alten Hauptbahnhof zu verkaufen. Mit dem Konzeptvergabeverfahren wurde die SEG beauftragt. Dabei sollte nicht allein der Kaufpreis, sondern insbesondere die geplante künftige Nutzung des Gebäudes berücksichtigt werden.
Im August 2025 wählte das Preisgericht das Konzept der heutigen Kaufinteressenten aus und empfahl dessen weitere Ausarbeitung. Ziel der Stadt ist es, das denkmalgeschützte Gebäude langfristig zu nutzen, Teile davon öffentlich zugänglich zu halten und zugleich den städtischen Haushalt zu entlasten.

