Start Aktuelles Galerie ART-ECK: Wald – eine Ausstellung zwischen Mystik und Material

Galerie ART-ECK: Wald – eine Ausstellung zwischen Mystik und Material

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Künstler Wolf de Haan zeigt in der Ausstellung sechs Werke seiner Baumporträts. Die Baumreihe trägt den Titel „Waldrausch“. (Foto: © Martina Hörle)
Künstler Wolf de Haan zeigt in der Ausstellung sechs Werke seiner Baumporträts. Die Baumreihe trägt den Titel „Waldrausch“. (Foto: © Martina Hörle)

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SOLINGEN (mh) – Wenn die Grenzen zwischen Fotografie und Malerei verschwimmen und massives Holz plötzlich zu einer schwebenden Installation wird, dann ist „Wald“-Zeit in der Galerie ART-ECK. Seit dem vergangenen Wochenende steht die Galerie am Marktplatz ganz im Zeichen des Waldes. Die aktuelle Ausstellung vereint Fotokunst, Skulptur und Literatur zu einem vielschichtigen Gesamterlebnis, das die Besucher tief in das Wesen der Natur entführt. Aufgrund des großen Publikumsinteresses wurde die Schau bis zum 24. Januar 2026 verlängert.

Das „InBetween“ der Natur

Im Zentrum der Ausstellung stehen sechs großformatige Werke von Wolf de Haan. Der Künstler, der mit bürgerlichem Namen Wolfram Schneider-Mombaur heißt und bereits seit den 90er-Jahren als Autor und Fotograf profiliert ist, präsentiert eine Technik, die er selbst als „InBetween“ bezeichnet. Seine Baumbilder im Maß von 75 × 100 Zentimetern bewegen sich bewusst im Grenzbereich: Während dem Fotografen die Unschärfe auffällt und dem Maler die fehlende Dreidimensionalität, liegt für de Haan genau in diesem Zwischenraum die künstlerische Qualität.

Wolf de Haan arbeitet bei seinen fotografischen Werken bewusst im Grenzbereich zwischen Fotografie und Malerei. Gerade in diesem Zwischenraum liegt für ihn die künstlerische Qualität. (Foto: © Martina Hörle)
Wolf de Haan arbeitet bei seinen fotografischen Werken bewusst im Grenzbereich zwischen Fotografie und Malerei. Gerade in diesem Zwischenraum liegt für ihn die künstlerische Qualität. (Foto: © Martina Hörle)

„Ist das unscharfe Bild nicht das, was wir gerade brauchen?“, zitiert de Haan den Philosophen Ludwig Wittgenstein. Die Entstehung dieser Werke ist ein langwieriger, fast meditativer Prozess. Über Monate hinweg besucht der Künstler denselben Baum, fotografiert ihn aus verschiedensten Perspektiven und zu unterschiedlichen Lichtverhältnissen. Erst am Computer werden diese Aufnahmen schichtweise übereinandergelegt, bis ein Bild entsteht, das eher die Seele des Baumes als seine bloße Rinde zeigt. Bewusst verzichtet er auf Bildtitel, um den Betrachtenden einen möglichst offenen, mystischen Zugang zu ermöglichen.

Seine Baumreihe trägt den Titel „Waldrausch“ und verweist damit auf Ludwig Ganghofers „Waldrauscher“, einen Roman von 1908, der die Geschichte eines Kräutersammlers erzählt, der zurückgezogen im Einklang mit der Naturheilkunde lebt,

Holz in neuer Leichtigkeit

Einen haptischen und räumlichen Kontrapunkt setzen die Arbeiten der Künstlerin und Galeristin Ela Schneider. Besonders beeindruckend ist die Wandinstallation „Querschnitt“, die eine beachtliche Fläche der Galerie einnimmt. Sie besteht aus unterschiedlich großen Stamm- und Astscheiben verschiedener Baumarten. Die Faszination bei dieser Anordnung: Während die Elemente im unteren Bereich schwer und massiv wirken, verdichten sie sich nach oben hin und scheinen am Ende fast zu schweben. Schneider beschreibt die Arbeit mit einem Augenzwinkern auch als „Querschnitt durch ihr eigenes Holzlager“. Eine größere Version dieser Installation war bereits 2023 im Kunstmuseum Solingen zu bewundern.

Hier zeigt Ela Schneider ihre Installation „Querschnitt“. Das Werk besteht aus einer Vielzahl von unterschiedlich großen Baumscheiben, die, je weiter sie nach oben reichen, zu schweben scheinen. (Foto: © Martina Hörle)
Hier zeigt Ela Schneider ihre Installation „Querschnitt“. Das Werk besteht aus einer Vielzahl von unterschiedlich großen Baumscheiben, die, je weiter sie nach oben reichen, zu schweben scheinen. (Foto: © Martina Hörle)

Zusätzlich kehrt die Skulptur „Together“ an ihren Ursprungsort zurück. Die rund 1,80 Meter hohe Stele aus Nussbaum trägt eine abstrahierte Klaviertastatur aus heller Eiche und schwarzem Ebenholz. Inspiriert durch den Song „Ebony and Ivory“ von Paul McCartney und Stevie Wonder, thematisiert das Werk die Möglichkeit des harmonischen Zusammenlebens – ein Motiv, das zuvor bereits ein Dreivierteljahr lang im Rahmen einer Toleranz-Ausstellung im Sinneswald Leichlingen für Aufsehen sorgte.

Dreiklang zwischen Foto, Holz und Wort

Abgerundet wird das künstlerische Konzept durch eine starke literarische Ebene. Zur Vernissage gab die Autorin Saga Grünwald tiefere Einblicke in die faszinierende Welt der Natur (wir berichteten). Sie las aus ihrem neuen Buch „Mystik der Bäume“, in dem sie die symbolische und kulturelle Bedeutung heimischer Baumarten beleuchtet. Wer die Lesung verpasst hat, bekommt zur Finissage am kommenden Samstag eine zweite Chance: Dann wird die Autorin erneut zu Gast sein, um die Ausstellung mit weiteren literarischen Impulsen zu beschließen.

Diese Skulptur „Toleranz“ steht mit ihren schwarzen und weißen Tasten sinnbildlich für die Möglichkeit des harmonischen Zusammenlebens. (Foto: © Martina Hörle)
Diese Skulptur „Toleranz“ steht mit ihren schwarzen und weißen Tasten sinnbildlich für die Möglichkeit des harmonischen Zusammenlebens. (Foto: © Martina Hörle)

Die Ausstellung „Wald“ ist ein Muss für alle, die den Wald nicht nur als Kulisse, sondern als lebendiges, geheimnisvolles Gegenüber erfahren möchten.

Info zur Ausstellung:
Galerie ART-ECK, Am Küllersberg 1, 42653 Solingen-Gräfrath
Finissage: 24. Januar 2026, von 15 – 18 Uhr

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Martina Hörle, geprüfte Betriebswirtin, ist freiberuflich als Text-/Fotojournalistin und Autorin tätig. Sie organisiert kulturelle Veranstaltungen und hat im Herbst 2014 die Solinger Autorenrunde ins Leben gerufen.

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