Start Aktuelles Lies Ketterer: Ihr Wandschmuck wird 60

Lies Ketterer: Ihr Wandschmuck wird 60

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten, 37 Sekunden
0
TEILEN
Diese Hausfassade in der Niibelungensiedlung wurde 1957 von Lies Ketterer direkt vor Ort gestaltet. Es zeigt eine harmonische Szene mit den für die Künstlerin typischen Motiven. (Foto: © Martina Hörle)
Diese Hausfassade in der Niibelungensiedlung wurde 1957 von Lies Ketterer direkt vor Ort gestaltet. Es zeigt eine harmonische Szene mit den für die Künstlerin typischen Motiven. (Foto: © Martina Hörle)

SOLINGEN (mh) – Wer am Haus an der Guntherstraße Ecke Kriemhildenstraße vorbeikommt, sollte unbedingt einen Blick nach oben werfen. Die Fassade ist mit einem ganz besonderen Wandschmuck gestaltet. Eine heitere Szene zeigt Eltern, spielende Kinder und im Vordergrund eine Katze. Sparsam und akzentuiert gemalt, wirkt alles idyllisch und harmonisch.

Hausfassade mit Wandschmuck

Vor 60 Jahren schuf die Solinger Künstlerin Lies Ketterer (*14.06.1905 in Berlin) dieses Gemälde direkt vor Ort. Wie bei vielen ihrer Werke zeigt sich auch hier ihre besondere Vorliebe für die Motive Kinder und Tiere. Dabei beschränkte sie sich auf klare Formen. Mit wenigen eingesetzten Mitteln erzielte sie eine umso größere Wirkung. Zusätzliche dekorative Elemente findet man bei ihren Arbeiten nicht.

Hans im Glück mit dem Dukatenesel ist wohl eine der in Solingen bekanntesten Skulpturen von Ketterer. Für den Jungen stand Wolfgang Ketterer, ein Neffe der Bildhauerin, Modell. (Foto: © Martina Hörle)
Hans im Glück mit dem Dukatenesel ist wohl eine der in Solingen bekanntesten Skulpturen von Ketterer. Für den Jungen stand Wolfgang Ketterer, ein Neffe der Bildhauerin, Modell. (Foto: © Martina Hörle)

Im gleichen Jahr begann Lies (Florentine Luise) Ketterer mit einem ihrer bekanntesten Werke, wofür sie sich extra Urlaub nahm. Unzählige Solinger gehen tagtäglich daran vorbei – an der Bronzeplastik „Hans im Glück mit dem Dukatenesel“ vor der Hauptstelle der Stadtsparkasse. 50 Jahre hatte sie im Innenhof des Gebäudekomplexes an einem Brunnen gestanden. Vor 10 Jahren zog sie um und fand ihren neuen Platz an der Vorderfront. Für die Figur des Jungen hatte Ketterers Neffe Wolfgang Modell gestanden. Mit diesem Werk machte sie sich endgültig einen Namen in der Solinger Kunstszene.

Dukatenesel stand lange im Innenhof

Ebenfalls 1957 schuf sie im Auftrag des Bergischen Geschichtsvereins die Crecelius-Medaille mit dem Bildnis des Pädagogen und Historikers Wilhelm Crecelius. Diese Medaille stiftete der BGV im Gedenken an Dr. Crecelius für außergewöhnliche wissenschaftliche oder publizistische Leistungen.

Vor der ehemaligen Jugendherberge in Gräfrath sitzt der Bergische Kräher auf dem Rand eines Korbes aus Beton, den Schnabel weit aufgerissen. Der bronzene Hahn entstand 1962 im Auftrag der Stadt Solingen. Dieses Jahr wird er 55.

Der Bergische Kräher steht vor der früheren Jugendherberge in Gräfrath. Der aufgerissene Schnabel des Hahns dient als Wasserspeier. (Foto: © Martina Hörle)
Der Bergische Kräher steht vor der früheren Jugendherberge in Gräfrath. Der aufgerissene Schnabel des Hahns dient als Wasserspeier. (Foto: © Martina Hörle)

Ein anderes Werk, das vor 50 Jahren geschaffen wurde, ist leider nicht mehr zu besichtigen. Das große Wandrelief (6,75 m x 1,65 m), das die Eheleute Jagenberg in Auftrag gegeben hatten und das ursprünglich an der Papiermühle zu sehen war, wurde 2001 an eine Papierfabrik in Bad Tennstedt verkauft.

Vor 45 Jahren entwarf und gestaltete die Bildhauerin zum 700. Geburtstag von Solingens Partnerstadt Gouda eine Stelzenläufer-Gruppe. Dieses bedeutende Ehrengeschenk unserer Stadt an Gouda brachte Ketterer über Solingens Grenzen hinaus künstlerische Anerkennung.

Stelzenläufer-Gruppe zu Goudas 700. Geburtstag

Zu ihren weiteren Plastiken, die in diesem Jahr zwar kein Jubiläum haben, aber ebenso von Bedeutung sind, gehören die „Lausbuben“, auch bekannt als „Spielende Kinder“. Die beiden 1,60 m hohen Plastiken von 1960, ein Junge und ein Mädchen, stehen an einer Brunnenanlage in einer Merscheider Hofschaft. Beide Kinder halten Frösche in den Händen. Für den Jungen stand Udo Ketterer, gleichfalls ein Neffe, Modell. Erneut sind es die bevorzugten Themen, schlicht und auf das Wesentliche reduziert. Die Figuren strahlen Unbeschwertheit und Fröhlichkeit aus.

Zur Erinnerung an den Solinger Heimat- und Mundartdichter Peter Witte (1876 – 1949) gab der Heimat- und Verkehrsverein 1963 bei der Plastikerin eine Bronzeskulptur in Auftrag. Ihre typische Handschrift ist deutlich erkennbar. Klar und einfach, doch überaus feinsinnig wirkt die Figur des Dichters, der am Alten Markt seinen Platz gefunden hat. Bis vor einigen Jahren saß er an einem Brunnen. Den musste er mittlerweile hergeben.

Der Bronzelöwe ist einem kleinen Löwen aus dem Dresdner Zoo nachempfunden. Die Skulptur war ein Geschenk vom Lions-Club an die Stadt Solingen zum 600. Geburtstag. (Foto: © Martina Hörle)
Der Bronzelöwe ist einem kleinen Löwen aus dem Dresdner Zoo nachempfunden. Die Skulptur war ein Geschenk vom Lions-Club an die Stadt Solingen zum 600. Geburtstag. (Foto: © Martina Hörle)

Der kleine Bronzelöwe am Fronhof steht auf einem, von Egon Ernst Oslender bearbeiteten Steinfindling. Die Plastik ist einem Löwenkind aus dem Dresdner Zoo nachempfunden. Nach Fertigstellung 1974 wurde die Statue zunächst provisorisch am Mühlenplatz aufgestellt, zog jedoch Ende 1975 auf den Fronhof um. Sie war ein Geschenk vom Lions-Club an die Stadt Solingen zum 600. Geburtstag.

An dem als Mahnmal dienenden Haus an der Sauerbreystraße / Ecke Kamper Straße wurde im September 1950 eine von Lies Ketterer entworfene Erinnerungstafel enthüllt.

Kind mit Schmetterling im Botanischen Garten

Im April hatte ein nach Bremen gezogener Kunstsammler der Stadt Solingen eine Bronzeskulptur der Künstlerin geschenkt. Seit Ostern steht sie im Skulpturenpark des Botanischen Gartens, perfekt in die Natur eingefügt. Ein kleines Mädchen, das Abbild der Nichte Lies Ketterers, mit einem Schmetterling auf dem Arm. Abermals finden wir Kind und Tier als Motiv. Schlicht in der Form, einfach liebenswert. Entstanden ist die Figur im Jahr 1963.

Manch andere Kunstwerke befinden sich im Besitz von privaten Sammlern. Wie beispielsweise die Skulptur „Der Poet“, die im Garten einer Solinger Familie stand. Dieselbe hatte auch ein Grabmal für ihre Tochter in Auftrag gegeben.

Diese 1,40 m hohe Statue steht seit Ostern im Botanischen Garten. Ein privater Kunstsammler hatte sie der Stadt Solingen geschenkt. Das kleine Mädchen mit dem Schmetterling ist Lies Ketterers Nichte nachgellt. (Foto: © Martina Hörle)
Diese 1,40 m hohe Statue steht seit Ostern im Botanischen Garten. Ein privater Kunstsammler hatte sie der Stadt Solingen geschenkt. Das kleine Mädchen mit dem Schmetterling ist Lies Ketterers Nichte nachgellt. (Foto: © Martina Hörle)

Die Künstlerin selbst starb am 30.10.1976 nach schwerer Krankheit. Ihre letzte Ruhestätte fand sie auf dem Friedhof Grünbaumstraße. Heute noch prägen ihre Werke das Stadtbild von Solingen.

(Informationsquelle: Stadtarchiv)

 

 

Volksbank Bergisches Land

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here