
SOLINGEN (sg) – Am Samstagabend stellte die Solinger Autorenrunde und Freunde ihre neue Anthologie „Lost Places“ im Atelier PestProjekt in den Güterhallen vor.
Buchvorstellung lockte viele Besucher
Die Sitzplätze im Atelier PestProjekt in den Güterhallen im Südpark waren alle besetzt, als die Autorinnen und Autoren der Solinger Autorenrunde, sowie die Gastautorin Saga Grünwald, die neue Anthologie „Lost Places“ präsentierten. Mit Spannung erwartete das Publikum, was den Menschen „mit Kreativität“, wie Solinger Autorenrunde-Gründerin Martina Hörle formulierte, alles zu verlassenen Orten eingefallen war. Und das war äußerst vielfältig.

Kurzgeschichten, Gedichte, Philosophisches und Videos
Nicht nur die Ausdrucksform der Autorinnen und Autoren war breit gefächert. So gab es gruselige Kurzgeschichten, lyrisch formulierte philosophische Gedanken, Gedichte und Balladen zu hören. Auch der Blick auf die Lost Places war von Autor zu Autor unterschiedlich. Während die einen diese verlassenen Orte als leere Öde oder von Geistern heimgesuchte Gebäude beschrieben, die ihre Besucher das Fürchten lehren, so sahen andere die Lost Places als faszinierend in ihrer Melancholie oder als Metapher für die inneren „Lost Places“ der Menschen.
Die Anthologie birgt jedoch nicht nur die Betrachtungen und spannenden Texte von insgesamt acht Autorinnen und Autoren, sondern auch die Möglichkeit, sich viele dieser Beiträge per Videoclip von den jeweiligen Verfassern vorlesen zu lassen – und das an entsprechend passenden Orten, wie der ehemaligen Pathologie oder dem verlassenen Raaspe-Gebäude. Der Solinger Journalist Bastian Glumm hatte die Videoaufnahmen der Autoren gemacht, bearbeitet und die QR-Codes erstellt, die nun bei den jeweiligen Texten im Buch zu finden sind. So gewinnen die Texte noch einmal eine ganz besondere Präsenz.

Sanatorien, verfluchte Schlösser und Jack the Ripper
Fasziniert waren die Zuhörer von den Lost Places der Solinger Autorenrunde. Während Martina Hörle das Publikum in ein altes Sanatorium entführte, in dem plötzlich seltsame Dinge vor sich gehen, träumte Dirk Steinert von einem Kaiser Wilhelm-Denkmal, bei dem der Adler plötzlich einen Kaiser-Kopf hat und gefährlich lebendig wird. Kay Ganahl begab sich zu einem verlassenen Kotten, „wo sich nicht Fuchs und Hase gute Nacht sagen, sondern Mäuse und Ratten“.
Nini Schlicht betrachtete den „Staub der Zeit“ und beschrieb einen „Ort, vergessen und verlassen“, der nicht nur sie, sondern auch die Zuhörer in seinen Bann zog. Pascal Herder reiste unfreiwillig durch die Zeit ins London von 1888 und versuchte, Jack the Ripper auf die Spur zu kommen. Um die blinde Helixande ging es in Saga Grünwalds Ballade, die vom Geist eines hingerichteten Ritters entführt wird. Von da an lag auf dem Schloss ein Fluch. Der Lyriker Florian Meurer beschrieb „reale und irreale Lost Places, die von realen Orten inspiriert sind“, wobei es immer auch um Menschen geht.
Hommage an Markus Missing
Der Solinger Autor Markus Missing wirkte als Mitglied der Solinger Autorenrunde auch an dieser Anthologie mit. So finden sich neben Kurzgeschichten auch Gedichte und die entsprechenden Video-QR-Codes in „Lost Places“. Da Markus Missing die Buchvorstellung nicht mehr miterleben durfte, lasen seine Autoren-Freunde seine Gedichte, und Einspielungen seiner Videos brachten den viel zu früh verstorbenen Autoren noch einmal in die Mitte seiner Freunde und des Publikums. Eine sehr schöne und berührende Hommage an Markus Missing.
„Lost Places“ im Internet bestellen
Die Anthologie „Lost Places“ wurde von Martina Hörle herausgegeben. Sie enthält Kurzgeschichten, Gedichte und lyrische Gedanken, die zum Großteil auch als Videoclips zu erleben sind. „Lost Places“ ist bei BoD, Norderstedt erschienen, hat 192 Seiten und kostet 14,50 Euro. ISBN 9783696374327




































