SOLINGEN (red) – Kürzere Wege zur Verwaltung, Unterstützung bei der Standortsuche und mehr Zusammenarbeit zwischen Unternehmen: Mit einer neu aufgestellten Wirtschaftsförderung will die Stadt die Betreuung der Solinger Betriebe verbessern. Seit dem Frühjahr 2026 führen Stadtkämmerer Daniel Wieneke sowie Achim Willke und Phil Derichs gemeinsam Solingen.Business als Geschäftsführungs-Triumvirat. Bei der Veranstaltung „Inside Solingen.Business“ haben Oberbürgermeister Daniel Flemm und die Geschäftsführer Willke und Derichs jetzt eine Zwischenbilanz gezogen und ihre Schwerpunkte vorgestellt.
Im Mittelpunkt stehen demnach der Unternehmensservice, die Entwicklung von Gewerbeflächen und die Förderung von Gründungen und Innovationen. Die Neuaufstellung soll dabei an frühere Veränderungen anknüpfen: Bereits seit 2024 setzt Solingen.Business auf geteilte Führungsverantwortung. Zuständigkeiten für einzelne Themen sollen innerhalb des Teams über Projektpatenschaften verteilt werden.
Eine Anlaufstelle für unterschiedliche Anliegen
Wirtschaftsförderung und Gründer- und Technologiezentrum (GuT) sollen stärker als gemeinsame Anlaufstelle arbeiten. Der Anspruch: Unternehmen von der Gründung über eine mögliche Expansion bis hin zu Veränderungen im Betrieb oder einer Nachfolgeregelung zu begleiten. Dafür koordiniert ein zentrales Backoffice Anfragen und Termine. Im sogenannten Business Service, den Ingo Lückgen seit Juli 2026 verstärkt, werden Anliegen zu Standorten, Fördermitteln, Fachkräften und Infrastruktur gebündelt. Sucht ein Betrieb beispielsweise eine Fläche für eine Erweiterung, soll der Service die Betreuung übernehmen und die zuständigen Stellen zusammenbringen.
„Wir müssen uns vor allem um die Themen kümmern, die Unternehmen im Alltag beschäftigen: verfügbare Gewerbeflächen, Genehmigungen, Fördermöglichkeiten, Fachkräfte oder die Zukunft des eigenen Betriebs. Ein Unternehmen sollte nicht erst herausfinden müssen, wer in der Verwaltung oder bei uns zuständig ist. Unsere Aufgabe ist es, den richtigen Kontakt herzustellen und an einem Anliegen dranzubleiben“, erklärt Geschäftsführer Achim Willke.
Daniel Flemm sieht dafür auch die Stadtverwaltung in der Pflicht: „Ich habe im Wahlkampf gesagt, dass die Wirtschaft für mich absolute Priorität hat. Daran hat sich nichts geändert. Wir müssen als Stadt ansprechbar sein und die Anliegen der Unternehmen ernst nehmen. Das gelingt nur, wenn Stadtverwaltung und Wirtschaftsförderung eng verzahnt arbeiten. Wir müssen die Wege zwischen den Beteiligten kürzer gestalten und gute Ideen schneller voranbringen“, sagt der Oberbürgermeister.

Lisa Draeger wechselte nach 14 Jahren bei Solingen.Business ins Rathaus in den Bereich des Oberbürgermeisters.
Auch personell gibt es eine Verbindung zwischen Wirtschaftsförderung und Rathaus: Lisa Draeger wechselte nach 14 Jahren bei Solingen.Business in den Bereich des Oberbürgermeisters. Seit 2012 war sie bei der Wirtschaftsförderung tätig, zuletzt im Business Service. In dieser Zeit war sie eine zentrale Ansprechpartnerin für Unternehmen und Netzwerke. Besonders eng betreute sie die Solinger Schneidwarenbranche in Zusammenarbeit mit dem Industrieverband Schneid- und Haushaltwaren und der Bergischen IHK.
Gewerbeflächenkataster wird geprüft
Bei der Suche nach Gewerbeimmobilien könnte künftig ein Kataster helfen. Nach Angaben der Stadt wird derzeit geprüft, wie ein solches Verzeichnis eingeführt werden könnte. Es soll verfügbare Immobilien und Flächen systematisch erfassen und damit die Standortsuche erleichtern.
Unter der Bezeichnung „Innovation.Belt“ fasst Solingen.Business mehrere Standorte zusammen: den Innovation.Campus mit dem GuT an der Grünewalder Straße, den IT.Campus im Umfeld des Ohligser Hauptbahnhofs und den Change.Campus auf dem ehemaligen Rasspe-Areal. Dort entstehen auf einer früheren Industriefläche Gewerbegrundstücke. Aktuell wird das Gelände mit einer Erschließungsstraße und der zugehörigen Infrastruktur für die spätere Nutzung vorbereitet.
Bestehende Angebote für Gründer stärker verknüpfen
Für Gründer stehen am Innovation.Campus unter anderem der Coworking Space coworkit, der bergsteiger-accelerator, der berg-pitch, das TechCenter und der Makerspace zur Verfügung. Diese Angebote sollen unterschiedliche Entwicklungsphasen abdecken – von der ersten Idee über einen Prototyp bis zur Marktreife. Gemeinsam mit solingen.digital sollen zudem Kontakte zwischen Verwaltung, Startups und etablierten Betrieben entstehen.
„Wir wollen die verschiedenen Angebote so zusammenbringen, dass Unternehmen nicht in Zuständigkeiten denken müssen. Gerade bei Startups und Innovationen ist es wichtig, Kontakte herzustellen und Ideen in die Anwendung zu bringen. Davon können junge Unternehmen ebenso profitieren wie etablierte Betriebe, die neue Lösungen suchen“, ist Geschäftsführer Phil Derichs überzeugt.
Unternehmensbefragung soll Bedarf aufzeigen
Welche Unterstützung die Betriebe benötigen, soll unter anderem eine gemeinsam mit der städtischen Statistikstelle durchgeführte Unternehmensbefragung zeigen. Hinzu kommen Unternehmensbesuche und persönliche Gespräche. Die Rückmeldungen sollen als Grundlage dienen, um Angebote anzupassen und Handlungsempfehlungen abzuleiten.
Flemm wirbt dabei auch um Kritik und die Beteiligung der Unternehmen. „Ein attraktiver Wirtschaftsstandort entsteht nicht allein durch die Ideen der Verwaltung. Dazu müssen alle ihren Teil beitragen“, so der Oberbürgermeister.




