Start Aktuelles Wirtschaft in NRW: Wachstum ist minimal

Wirtschaft in NRW: Wachstum ist minimal

0
(Symbolfoto: © Bastian Glumm)
(Symbolfoto: © Bastian Glumm)

Anzeige

Auch im Jahr 2025 bleibt die wirtschaftliche Lage in Nordrhein-Westfalen angespannt. Die neuesten Berechnungen zeigen, dass das größte Bundesland der Bundesrepublik kaum aus der Stagnation herauskommt. Trotz der hohen staatlichen Ausgaben fehlt es weiterhin an Dynamik, zudem werden strukturelle Probleme nicht behoben.

Kaum Bewegung in der Wirtschaftsleistung

Nordrhein-Westfalen steht wohl vor einem Jahr mit minimalem Wachstum. Nach den aktuellen Berechnungen des RWI-Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung wird die Wirtschaftsleistung des Bundeslands im Jahr 2025 um gerade einmal 0,1 Prozent zulegen. Das heißt, die Konjunktur bleibt deutlich hinter Erwartungen zurück. Anfang des Jahres waren die Ökonomen nämlich noch von einem Zuwachs von 0,3 Prozent ausgegangen. Schon im Frühjahr wurde diese Einschätzung aber deutlich nach unten korrigiert.

Im gesamtdeutschen Vergleich fällt das Bild nur geringfügig besser aus. Das RWI geht etwa davon aus, dass das Wachstum der Bundesrepublik bei 0,2 Prozent liegen wird. Von einer spürbaren Erholung kann damit weder auf Landes- noch auf Bundesebene gesprochen werden.

Belastungsfaktoren aus dem Ausland

Ein wesentlicher Grund für die schwache Entwicklung liegt laut Einschätzung der Wirtschaftsforscher aber außerhalb Deutschlands. Zunehmender Protektionismus, verschärfte handelspolitische Spannungen sowie hohe Energiepreise setzen der exportorientierten Wirtschaft zu. Das größte Problem ist vor allem die Handelsbeziehung mit den USA.

„Die Ausfuhren nordrhein-westfälischer Unternehmen in die USA leiden unter der US Zollpolitik“, erklärte RWI-Konjunkturexperte Torsten Schmidt. Auch wenn der europäische Markt in der Lage ist, einen Teil dieser Verluste auffangen zu können, reicht das aber nicht aus, damit man die Belastungen vollständig kompensiert. Gleichzeitig bleibt die wirtschaftliche Situation auch im Inland schwierig. „Die jüngsten Indikatoren lassen keine schnelle wirtschaftliche Erholung erwarten, obwohl hohe öffentliche Ausgaben geplant sind“, so Schmidt weiter. Zu den zentralen strukturellen Schwächen gehören weiterhin hohe Produktionskosten sowie die nachlassende Wettbewerbsfähigkeit.

Auch sind Industrie- und Handelskammern zurückhaltend und wenig optimistisch gestimmt. Jörn Wahl-Schwentker von der IHK Nordrhein-Westfalen hat deutlich zu verstehen gegeben, dass die Hoffnung auf eine rasche Belebung bislang enttäuscht wurde. Die wirtschaftliche Lage sei weiterhin schwierig und der Tiefpunkt sei mitunter noch gar nicht erreicht worden. „Wir fürchten, dass der konjunkturelle Tiefpunkt für Nordrhein-Westfalen noch nicht erreicht ist.“

Geht es nach der aktuellen Einschätzung der IHK, so benötigt der Standort eine klare Neuausrichtung. Nordrhein-Westfalen braucht „eine entschlossene Wende hin zu einer wachstums- und zukunftsorientierten Wirtschaftspolitik“, um langfristig wieder stärker werden zu können.

Industrie besonders unter Druck

Laut einer aktuellen IHK-Umfrage ist die Situation besonders in der Industrie angespannt. Jedes vierte Industrieunternehmen geht davon aus, dass es zu einem weiteren Rückgang seiner Geschäftstätigkeit kommen wird. An der Erhebung haben rund 4500 Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen teilgenommen.

Diese pessimistische Erwartungshaltung wirkt sich natürlich unmittelbar auf unternehmerische Entscheidungen aus. Viele Betriebe haben sich dafür entschieden, Investitionen zu verschieben oder gänzlich auf neue Projekte zu verzichten. Auch im Bereich der Personalplanung überwiegt die Zurückhaltung. Besonders alarmierend ist dabei der Rückgang bei der Ausbildung: Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge ist spürbar gesunken, was auf lange Sicht den Fachkräftemangel weiter verschärfen könnte.

Trotz der eher sehr trüben Aussichten für das laufende Jahr sehen die Wirtschaftsforscher für das Jahr 2026 aber zumindest eine moderate Verbesserung. Nach der Prognose des RWI soll die Wirtschaftsleistung in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2026 um 1,1 Prozent wachsen. Ein ähnliches Plus wird auch für die Gesamtwirtschaft erwartet.

Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) hat sich bereits etwas optimistisch geäußert. Sie geht davon aus, dass umfangreiche staatliche Investitionen in Schulen, Verkehrswege und digitale Infrastruktur sehr wohl positive Impulse setzen werden.

Natürlich kann die Politik lenken und beeinflussen. Eine Möglichkeit wäre auch, dass man wieder dafür sorgt, dass mehr Geld ins Land kommt. Etwa durch die Anpassung des deutschen Glücksspielstaatsvertrages. Viele Spieler suchen über Anbieter ohne deutsche Lizenz, weil sie gerne ihr Glück im Live Casino testen und kein monatliches Einzahlungslimit beachten wollen. Somit fließt ein nicht außer Acht zu lassender Teil an Glücksspieleinnahmen ins Ausland.

Zurückhaltender Optimismus der Forscher

Von Seiten der Konjunkturexperten wird jedoch auf die Bremse getreten. RWI-Professor Torsten Schmidt hat auf den Ausblick für 2026 mit deutlicher Zurückhaltung reagiert. „Es tut sich schon ein bisschen was – aber das kann man nicht mit Optimismus beschreiben, das ist eine gewisse Aufwärtsbewegung, bei der ich noch nicht von einer konjunkturellen Erholung sprechen.“

Nach den aktuellen Berechnungen des Instituts ist ein erheblicher Teil des für 2025 erwarteten Wachstums auf staatliche Ausgaben zurückzuführen. Gerade einmal 0,5 Prozentpunkte des prognostizierten Zuwachses gehen auf höhere öffentliche Investitionen von Bund und Land zurück, die nur durch Programme in Milliardenhöhe ermöglicht werden.

Weitere 0,3 Prozentpunkte ergeben sich aus den privatwirtschaftlichen Impulsen, während ein zusätzlicher kalendarischer Effekt weitere 0,3 Prozentpunkte beiträgt. Denn 2026 gibt es eine höhere Zahl an Arbeitstagen, weil viele Feiertage auf ein Wochenende fallen.

Aus Sicht der Forscher ist dieser Beitrag der Privatwirtschaft jedoch noch kein Zeichen für eine echte Erholung. Ein Plus von 0,3 Prozent sei „keine Erholung, sondern eine gewisse Stabilisierung“, so Schmidt. Nordrhein-Westfalen befindet sich also noch immer in einer kritischen Phase, in der öffentliche Ausgaben zwar kurzfristig Entlastung schaffen, die grundlegenden Probleme aber nicht gelöst werden.

Stabilisierung ohne Durchbruch

Unterm Strich zeichnet sich für Nordrhein-Westfalen ein weiteres Jahr ohne nennenswerten Aufschwung ab. Durch staatliche Investitionen wird ein stärkerer Abschwung verhindert, jedoch fehlt es an privater Dynamik. Hohe Kosten, internationale Unsicherheiten und strukturelle Schwächen bremsen die Wirtschaft weiterhin aus.

Damit aus der Stabilisierung eine Erholung wird, müsste laut den Experten viel mehr passieren. „Da muss jetzt noch mehr kommen, um den Standort Deutschland zu stärken.“ Für Nordrhein-Westfalen bleibt 2025 somit ein Übergangsjahr mit viel Stillstand und nur vorsichtigen Hoffnungen auf Besserung.

Volksbank Bergisches Land
Anzeige
Vorheriger ArtikelKlinikum Solingen stellt neue Führungsstruktur vor
Nächster ArtikelSolingen: Ausstellung „Prints“ in der Galerie SK
Dieser Beitrag stammt von unserer Redaktion.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein