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Solinger Vogel- und Tierpark: Neues Zuhause für die Wildkatzen

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Die Europäischen Wildkatzen mussten vorübergehend in ein anderes Gehege umziehen. Ihre Anlage soll umfangreich renoviert werden. (Foto: © Martina Hörle)
Die Europäischen Wildkatzen mussten vorübergehend in ein anderes Gehege umziehen. Ihre Anlage soll umfangreich renoviert werden. (Foto: © Martina Hörle)

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SOLINGEN (mh) – Mit Beginn der Vorsaison herrscht im Solinger Vogel- und Tierpark rege Betriebsamkeit –nicht nur bei den Tieren. Zahlreiche Renovierungs- und Bauarbeiten stehen auf dem Programm. Den Auftakt macht die umfassende Neugestaltung der Anlage für die Europäischen Wildkatzen.

Bereits vor einer Woche begannen die Mitarbeiter damit, das Gehege zu renovieren und zu erweitern. Die Pläne dafür lagen schon länger bereit, doch erst jetzt war das benötigte Material vollständig verfügbar. Die neue Anlage wird den Tieren künftig rund 20 Quadratmeter mehr Platz bieten und zudem deutlich höher ausfallen. Das kommt den natürlichen Bedürfnissen der Wildkatzen entgegen – schließlich sind sie geschickte Kletterer und nutzen gern auch die Höhe ihres Lebensraums.

Mehr Platz für die Wildkatzen

Während der Bauarbeiten mussten die vier Wildkatzen vorübergehend umziehen. Besonders bedacht wurde dabei der älteste Bewohner der Gruppe: Kater Max, der mit seinen 17 Jahren als Senior gilt. Für ihn bedeuteten Lärm und Unruhe zu viel Stress, daher erhielt er ein ruhigeres Ausweichgehege.

Seine drei zehnjährigen Söhne wurden vorübergehend in einer benachbarten Anlage untergebracht. Sie gelten als deutlich stressresistenter und sollen möglichst bald wieder in ihre modernisierte Heimat zurückkehren.

Die bisherige Wildkatzenanlage wird um 20 m² größer und auch höher als die bisherige. (Foto: © Martina Hörle)
Die bisherige Wildkatzenanlage wird um 20 m² größer und auch höher als die bisherige. (Foto: © Martina Hörle)

Ermöglicht wird die Umgestaltung der Wildkatzenanlage von der Gerd-Kaimer-Bürgerstiftung, die das Projekt mit 30.000 Euro unterstützt. Ziel ist es, den Tieren bessere Rückzugsmöglichkeiten zu bieten und gleichzeitig den Besuchern weiterhin gute Einblicke zu ermöglichen.

Die Stiftung wurde 2018 von der Stadt Solingen gegründet. Sie fördert gemeinnützige Projekte unter anderem in den Bereichen Bildung, Kultur, Umwelt- und Naturschutz, Jugend- und Altenhilfe sowie Wissenschaft und Forschung (wir berichteten).

Unterstützung durch die Gerd-Kaimer-Stiftung

Besonders erfreulich: Das Projekt wird zu einer echten Gemeinschaftsleistung. Zwei Landschaftsgärtnerinnen, die sich im Rahmen einer Rettungsaktion vor Weihnachten gemeldet hatten, bringen nun ehrenamtlich ihre Fachkenntnisse ein. Gemeinsam mit den Pflegern gestalten sie die Anlage so, dass auch im schattigen Bereich der Voliere eine attraktive und naturnahe Bepflanzung gedeiht.

„Die Renovierung ist wirklich dringend notwendig“, sagt Janett Heinrich, leitende Tierpflegerin des Parks. Sie begleitet die Modernisierung der Anlage – und das mit reichlich Erfahrung: Seit 25 Jahren arbeitet sie im Vogelpark und hatte bei ihrem Eintritt bereits den Bau der ursprünglichen Anlage miterlebt.

Die Kängurus trifft man direkt hinter dem Eingang des Vogelparks. Bald werden sie neue Nachbarn bekommen. (Archivfoto: © Martina Hörle)
Die Kängurus trifft man direkt hinter dem Eingang des Vogelparks. Bald werden sie neue Nachbarn bekommen. (Archivfoto: © Martina Hörle)

Im Zuge der Arbeiten sollen langfristig mehrere ältere Holzgehege durch Metallkonstruktionen ersetzt werden. Zwar wirken Holzgehege optisch oft natürlicher, sie sind jedoch pflegeintensiver und können durch Risse und Poren Keime oder Pilze beherbergen, die sich nur schwer entfernen lassen.

Viele Bauarbeiten übernehmen die Mitarbeiter selbst. Für Aufgaben im Bereich der Metallbearbeitung werden jedoch weiterhin fachkundige Helfer gesucht.

Die Europäische Wildkatze – scheuer Waldbewohner

Früher wurden im Vogelpark Europäische Wildkatzen erfolgreich gezüchtet. Die Jungtiere kamen anschließend in ein Auswilderungsprojekt im Bayerischen Wald. Nachdem jedoch bei einem Muttertier ein genetischer Defekt festgestellt wurde, den sie an den Nachwuchs weitergegeben hatte, entschied man sich, das Zuchtprogramm zu beenden. Die männlichen Tiere wurden daraufhin kastriert.

Die Europäische Wildkatze unterscheidet sich deutlich von gewöhnlichen Hauskatzen. Sie ist kräftiger gebaut und besitzt ein dichtes Fell, dessen Farben von gelblich-braun bis silbergrau reichen. Typisch ist ein durchgehender schwarzer Rückenstreifen, der bis zur Schwanzwurzel verläuft, sowie die markante Ringelung des buschigen Schwanzes.

Die Lachenden Hänse werden in Kürze in die Nachbarschaft der Kängurus umziehen. (Archivfoto: © Martina Hörle)
Die Lachenden Hänse werden in Kürze in die Nachbarschaft der Kängurus umziehen. (Archivfoto: © Martina Hörle)

Wildkatzen leben vor allem in Wäldern, wo sie alte Baumhöhlen als sichere Verstecke und zur Aufzucht ihrer Jungen nutzen. Sie gelten als äußerst intelligent – ihr Gehirn ist sogar größer als das der Hauskatze. Mit ihren langen Krallen und kräftigen Zähnen jagen sie vor allem Kleinsäuger wie Wühlmäuse oder Ratten.

Die Arbeiten an der Wildkatzenanlage sind nur der Anfang. Auf der Prioritätenliste des Parks stehen weitere wichtige Projekte. Besonders dringend ist die Renovierung der Futterküche und des Kühlhauses. In die Futterküche dringt bereits Wasser ein, während das alte Kühlhaus als echter Energiefresser gilt.

Weitere Pläne im Vogelpark

Darüber hinaus planen die Verantwortlichen eine neu strukturierte Tierpräsentation nach Ländervertretern. So sollen etwa die Lachenden Hänse künftig bei den Kängurus nahe dem Eingang leben.

Auch im unteren Bereich des Parks ist Neues geplant: Dort soll eine Waldvoliere für europäische Vogelarten entstehen. „Viele Menschen kennen unsere heimischen Vögel gar nicht mehr“, erklärt Janett Heinrich.

Die Haltung der Steinkäuze soll optimiert werden. Bei erfolgreicher Zucht werden die Tiere später in ein Auswilderungsprojekt gegeben. (Archivfoto: © Martina Hörle)
Die Haltung der Steinkäuze soll optimiert werden. Bei erfolgreicher Zucht werden die Tiere später in ein Auswilderungsprojekt gegeben. (Archivfoto: © Martina Hörle)

Ein weiteres Ziel der Tierpfleger ist die Optimierung der Haltung der Steinkäuze. Sollte die Zucht gelingen, könnten die Jungtiere später ebenfalls in Auswilderungsprogramme aufgenommen werden.

Fest steht: Mit den zahlreichen Bau- und Naturschutzprojekten wird den Mitarbeitern im Solinger Vogelpark so schnell garantiert nicht langweilig und für die Besucher gibt es immer wieder Neues zu entdecken.

Öffnungszeiten
März: Montag bis Sonntag, 9.00 – 17.00 Uhr
April bis Oktober: Montag bis Sonntag, 9.00 – 18.00 Uhr
November: Montag bis Sonntag, 9.00 – 17.00 Uhr
Dezember bis Februar: Dienstag bis Sonntag, 9.00 – 16.00 Uhr

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Martina Hörle, geprüfte Betriebswirtin, ist freiberuflich als Text-/Fotojournalistin und Autorin tätig. Sie organisiert kulturelle Veranstaltungen und hat im Herbst 2014 die Solinger Autorenrunde ins Leben gerufen.

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