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Botanischer Garten: Kunst im Herbst begeistert Besucher

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Seifenbläserin Remy Matelot war eine der Attraktionen am vergangenen Wochenende im Botanischen Garten. Die Veranstaltung Kunst im Herbst bot eine beeindruckende Vielfalt an Kunsthandwerk und mehr. (Foto: © Martina Hörle)
Seifenbläserin Remy Matelot war eine der Attraktionen am vergangenen Wochenende im Botanischen Garten. Die Veranstaltung Kunst im Herbst bot eine beeindruckende Vielfalt an Kunsthandwerk und mehr. (Foto: © Martina Hörle)
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SOLINGEN (mh) – Am vergangenen Wochenende verwandelte sich der Botanische Garten in einen staunenswerten Ort der Kunst und Kreativität. Kunst im Herbst, früher bekannt als Kunst im Advent, präsentierte den Besuchern eine Vielfältigkeit an Kunsthandwerk, Literatur, Handarbeit, Malerei und Unterhaltung. Vor dem Eingang zu den Schauhäusern schwebten riesige schillernde Seifenblasen durch den Himmel. Remy Matelot, mit bürgerlichem Namen Sarah Schmitz, nutzte lange Holzstäbe mit Baumwollschnüren, um einen Riesenball nach dem nächsten aufsteigen zu lassen, sehr zur Freude der kleinen und großen Besucher. Während die Kinder eifrig versuchten, die Blasen zu fassen, zückten die Erwachsenen fast ausnahmslos ihre Handys, um das traumhafte Schauspiel im Bild einzufangen.

Kunst im Herbst begeistert mit Vielfalt

Unter der Hand eines Glaskünstlers entstanden unzählige bunte Perlen, die dann zu zauberhaften Schmucksachen verarbeitet wurden. Eine beachtliche Sammlung von Miniamphoren reihte sich nebeneinander. Sabine Schulz-Wolff, Vorstandsvorsitzende der Stiftung, saß, umrahmt von ihrer Bildersammlung, am Spinnrad und ließ die Spindel tanzen. Bunte Wolle verwandelte sich in farbenfrohes Garn.

Inmitten der Kakteen und Sukkulenten stießen die Besucher auf recht eigenartige Pflanzen. Mandala-Steine hatten sich zwischen die Botanik geschmuggelt, perfekt mit den Gewächsen kombiniert. Melina Bender gießt die Steine mit Alabastergips in speziellen Formen. Wenn sie nach etwa zehn Tagen durchgetrocknet sind, werden sie grundiert und bekommen ein leuchtendes Outfit. Während viele Steine wirklich wie Mandalas kreiert wurden, zeigten andere bezaubernde Libellen, Schmetterlinge, Elfen und noch viel mehr. Ganz besonders das große Schneckenhaus glitzerte farbenprächtig. In Kooperation mit Künstler Stefan Seeger zeigten zwei seiner Frösche ein prächtiges Äußeres.

Zwischen den Sukkulenten gab es vielerlei Motiv- und Mandala-Steine von Melina Bender zu bestaunen. Wirklich eindrucksvoll war diese Schnecke mit ihrem leuchtend bunten Haus. (Foto: © Martina Hörle)
Zwischen den Sukkulenten gab es vielerlei Motiv- und Mandala-Steine von Melina Bender zu bestaunen. Wirklich eindrucksvoll war diese Schnecke mit ihrem leuchtend bunten Haus. (Foto: © Martina Hörle)

Nadine Hulsens beschäftigt sich schon seit langem mit künstlerischen Themen. Als während der Coronakrise keine Möglichkeit zum Besuch kreativer Örtlichkeiten bestand, nahm sie ihre Kamera mit in den Wald und hielt die wunderbare Pflanzenwelt im Bild fast. Daraus entstanden pflanzliche Fotomodelle, behutsam akzentuiert und in Szene gesetzt. Aus Fundstücken entwarf Hulsens kleine anthropomorphe Wesen. Holz- und Rindenstücke bekamen aus Papier und Karton gestaltete menschliche Gliedmaßen. Auch diese recht ausgefallenen, aber doch faszinierenden Kunstwerke fügten sich wie selbstverständlich in die Vielfalt der Kakteen ein. Es war die erste Ausstellung für Nadine Hulsens, und sie freute sich sichtlich über die Begeisterung der Besucher.

Anthropomorphe Wesen im Kakteenbeet

Anneli Saure vom Vorstand ist schon seit einigen Jahren in der Malgruppe aktiv tätig. In diesem Jahr organisierte sie erstmals die Kunst-Veranstaltung. „Es war mir wichtig, ein breit gefächertes Angebot zusammenzustellen“, betonte sie. „Es ist keine Verkaufsveranstaltung. Deshalb gibt es auch keine Standgebühren. Unser vorrangiges Ziel ist es, Hobbykünstlern eine Ausstellungsfläche zu bieten.“ Sie selbst zeigte eine Auswahl ihrer reichhaltigen Serie „Klopapierbilder“. Rund 37 kleine Arbeiten, mal quadratisch, mal dreieckig, haben alle eins gemeinsam: Ein goldenes Blatt Klopapier. „Die Leute hatten sich ja während der ersten Pandemiewelle wie verrückt um Klopapier gestritten“, schmunzelte Anneli Saure. Das hatte sie zum Anlass für ihre kleinen Werke genommen. Außerdem wollte sie auf die Probleme von Künstlern in dieser schwierigen Zeit aufmerksam machen. Eines der Bilder bot eine interessante Zusammenstellung von Theatermasken, Malerei, Literatur und Musik. Die Noten stellten den Beginn der Komposition „Freude schöner Götterfunken“ dar.

Anneli Saure präsentierte Werke aus ihrer Reihe „Klopapierbilder“. Sie waren in Erinnerung an die ausufernden Szenen bei der ersten Pandemiewelle entstanden. (Foto: © Martina Hörle)
Anneli Saure präsentierte Werke aus ihrer Reihe „Klopapierbilder“. Sie waren in Erinnerung an die ausufernden Szenen bei der ersten Pandemiewelle entstanden. (Foto: © Martina Hörle)

Kuriose Lichtblicke gab es bei Uwe Schünke. Der Frührentner zaubert aus alten ausgedienten Gegenständen mit Fantasie und Kreativität originelle Lampen. Die Reaktion der Betrachter sprach für sich. Sie waren fasziniert von der Originalität. Viele der Gegenstände kannten sie selbst noch von früher. Ein massives Telefon aus Großmutters Zeiten, eine ausgediente Bohrmaschine, eine eiserne Trockenhaube und noch viel mehr hatten sich unter den Händen des einfallsreichen Bastlers in skurrile Beleuchtungen verwandelt. „Zuerst habe ich Schmuck aus alten Bestecken hergestellt, dann Figuren oder Möbel aus Metall“, berichtete der begeisterte Bastler. Mittlerweile ist er bei Lampen angekommen. Auslöser dazu war eine Deckenlampe für den Eigenbedarf. „Wir wollten keine Verlängerung mit einer Affenschaukel“, erzählte seine Frau. Aus Wasserrohren entstand das Gestell, an dem jetzt drei Lämpchen hängen. Um den Wasserrohren gerecht zu werden, schraubte Schünke an einem Ende noch einen Wasserkran an. „Es ist nicht leicht, meine Modelle abzugeben“, gestand er mit einem Lächeln. Doch wenn Leute die erstandenen Teile freudestrahlend mitnehmen, dann ist Ehepaar Schünke auch glücklich.

Skurrile Lampen – Kunst aus alten Gegenständen

Stefan Zahnsinger präsentierte seine beeindruckenden Meerwelten. Eine der neuesten Arbeiten zeigt Meerglas aus Helgoland. „Am 18. April 1945 sollte Helgoland gesprengt werden“, erwähnte er den geschichtlichen Aspekt und den Grund, warum in dem Meerglas schwarze Einschlüsse zu sehen waren. Sie umrahmten einen Taschenkrebs, ebenfalls aus Helgoland, allerdings um ein Vielfaches älter. Versteinerte Muscheln aus Cadzand wiesen eigenartige Strukturen auf. Diese sind auf Bohrschwämme zurückzuführen, die mit speziellen Ätzzellen Gestein zersetzen. Zahnsingers Exponate zeichneten sich durch eine unglaubliche Farbenpracht aus. Er sammelt schon seit Jahren, doch die Sammelleidenschaft ist ungebrochen und die Geschichten zu den Fundstücken und –orten unerschöpflich.

Uwe Schünke verwandelt ausgediente Gegenstände in neue originelle Lampen – nicht nur beeindruckend, sondern obendrein ein gutes Beispiel für Upcycling. (Foto: © Martina Hörle)
Uwe Schünke verwandelt ausgediente Gegenstände in neue originelle Lampen – nicht nur beeindruckend, sondern obendrein ein gutes Beispiel für Upcycling. (Foto: © Martina Hörle)

Altes Kunsthandwerk in neuem Kleid – so beschrieb Ursula Kurzrock ihre Arbeiten. Sie fühlt sich als Botschafterin für das alte Klöppel-Handwerk, zeigt, wie man mit altem Kunsthandwerk Neues herstellen kann. Begonnen hatte sie mit dem Motiv der Müngstener Brücke. Es folgten die Solinger Skyline, die Liewerfrau, der Schlieper und natürlich der Balkhauser Kotten. 2019 ergänzte der Walder Kirchturm die Sammlung. „Ich verknüpfe gerne die verschiedensten Techniken miteinander“, gab Kurzrock ihre Vorliebe preis. Verständlich, schließlich beherrscht sie das Schneidern, Sticken und Klöppeln.

Hedi Kloss hatte sich intensiv mit Papierarbeiten auseinandergesetzt. Unter ihren geschickten Händen waren Explosionsboxen und Bascetta-Sterne entstanden. Diese Sterne bestehen aus rund 30 Modulen, sind gefaltet und in einer bestimmten Reihenfolge zusammengesteckt. Kein Stück wird geklebt. Kloss bietet an den kommenden Adventswochenenden Bastel-Workshops im Botanischen Garten an. Martina Eiselein hatte sich ihre Anregung bei australischen Künstlern geholt. Aus bei der Schmuckverarbeitung angefallenen Reststücken entwarf sie bezaubernde Mobiles. Filigrane Formen pendelten an dünnen Drähten, alles asymmetrisch angeordnet. Diese Mobiles hingen nicht, sondern standen als Skulptur auf Steinsockeln. Die Steine waren ursprünglich Kopfsteinpflaster aus Düsseldorf.

Bastel-Workshops mit Hedi Kloss im Advent

Während die Besucher sich bei Kaffee und Kuchen stärken konnten, unterhielt Jeanette Baden-Jaber, Mitglied der Solinger Schreibwerkstatt, mit kleinen selbst verfassten Texten und Gedanken. Mit der Hobby-Schriftstellerei hat sie bereits vor elf Jahren begonnen. Beruflich schreibt sie bei der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk Bonn Reden und Grußworte.

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