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Kunst kann mehr: Silke Widenka verbindet Malerei und Therapie

Bastian Glumm
Silke Widenka in ihrem Atelier in den Solinger Güterhallen. In ihrer Arbeit verbindet sie Malerei mit kunsttherapeutischen und psychotherapeutischen Angeboten.

Silke Widenka in ihrem Atelier in den Solinger Güterhallen. In ihrer Arbeit verbindet sie Malerei mit kunsttherapeutischen und psychotherapeutischen Angeboten.

(Foto: © Silke Widenka)
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SOLINGEN (bgl) - Malen lernen, eigene Ideen auf die Leinwand bringen oder Kunst als einen anderen Zugang zu persönlichen Themen nutzen: Im Atelier von Silke Widenka in den Solinger Güterhallen kommen unterschiedliche Formen des kreativen Arbeitens zusammen. Widenka bietet dort Malkurse und ein offenes Malatelier an. Gleichzeitig arbeitet sie als Kunsttherapeutin und Heilpraktikerin für Psychotherapie. Wichtig ist ihr dabei, die verschiedenen Bereiche klar voneinander zu unterscheiden.

Denn nicht jeder, der zu ihr ins Atelier kommt, sucht dasselbe. Manche möchten eine bestimmte Maltechnik kennenlernen, andere an eigenen Bildern arbeiten und wieder andere nutzen das künstlerische Gestalten im Rahmen einer therapeutischen Begleitung. „Kunst kann mehr“ ist deshalb ein Gedanke, der gut zu Widenkas Arbeit passt – ohne dass damit aus einem Malkurs automatisch Kunsttherapie wird.

Seit 2017 in den Solinger Güterhallen

Silke Widenka bietet seit 2017 Malworkshops in ihrem Atelier in den Güterhallen an. Parallel dazu studierte sie Kunsttherapie und Sozialkunst an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft. 2018 schloss sie das Studium mit dem Bachelor ab. Später folgte die Zulassung als Heilpraktikerin für Psychotherapie. Seit 2022 arbeitet sie zudem als Kunsttherapeutin in einer psychiatrischen Tagesklinik.

Beim gemeinsamen Arbeiten im offenen Malatelier entstehen eigene Bilder und Projekte. Silke Widenka unterstützt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei Fragen zu Technik, Material und Umsetzung.

Beim gemeinsamen Arbeiten im offenen Malatelier entstehen eigene Bilder und Projekte. Silke Widenka unterstützt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei Fragen zu Technik, Material und Umsetzung.

(Foto: © Silke Widenka)

Ihr ursprünglicher beruflicher Weg sah noch ganz anders aus. Nach einer Ausbildung zur Kauffrau im Einzelhandel arbeitete Widenka viele Jahre im Handel, davon mehr als zwei Jahrzehnte als Einkäuferin für Taschen und Accessoires. Die Kunst entwickelte sich parallel dazu zu einem immer größeren Teil ihres beruflichen Lebens.

Heute bietet Widenka in ihrem Atelier an der Alexander-Coppel-Straße monatliche Malkurse, ein offenes Malatelier, Begleitetes Malen sowie kunsttherapeutische und psychotherapeutische Begleitung an.

Im Malkurs geht es zunächst einmal ums Malen

Die monatlichen Malkurse beschäftigen sich mit konkreten Themen, Techniken und künstlerischen Methoden. Dabei spielt es keine Rolle, ob jemand gerade erst mit dem Malen beginnt oder bereits Erfahrung mitbringt. Die Teilnehmer lernen unterschiedliche Möglichkeiten kennen und können sie direkt ausprobieren.

Noch mehr Freiraum gibt es im offenen Malatelier. Dort wird kein Thema vorgegeben. Die Teilnehmer arbeiten an ihren eigenen Ideen und Projekten. Widenka unterstützt bei Fragen zu Technik und Material ebenso wie beim Bildaufbau oder bei der konkreten Umsetzung. Hinzu kommt der Austausch mit den anderen Teilnehmern.

Davon unterscheidet sich die kunsttherapeutische Arbeit deutlich. Hier geht es nicht darum, eine bestimmte Technik zu beherrschen oder ein künstlerisch möglichst gutes Ergebnis zu erzielen. Das Bild wird anschließend auch nicht danach beurteilt, ob es gelungen oder schön ist.

Im Vordergrund steht vielmehr die Frage, was während des Gestaltens passiert. Farben, Formen und Bilder können dabei eine Möglichkeit sein, etwas auszudrücken, das sich mit Worten nur schwer beschreiben lässt. Künstlerische Vorkenntnisse sind dafür nicht erforderlich.

Farben, Formen und ihre Wirkung spielen in Silke Widenkas Arbeit eine zentrale Rolle – sowohl beim Malen als auch im kunsttherapeutischen Bereich.

Farben, Formen und ihre Wirkung spielen in Silke Widenkas Arbeit eine zentrale Rolle – sowohl beim Malen als auch im kunsttherapeutischen Bereich.

(Foto: © Silke Widenka)

Wenn Malen und Gespräch zusammengehören

In ihrer kunsttherapeutischen Arbeit verbindet Widenka das Gestalten mit psychotherapeutischen Gesprächen. Dabei kann beispielsweise beim Malen ein Thema auftauchen, über das anschließend gesprochen wird. Ebenso kann ein Gespräch den Anstoß geben, sich anschließend mit einem Thema über Farben und Formen auseinanderzusetzen.

Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Lösungsorientierte Maltherapie LOM®. Bei diesem Ansatz wird das Malen gezielt eingesetzt, um persönliche Anliegen zu bearbeiten und neue Zugänge dazu zu entwickeln. Widenka ist als LOM-Therapeutin qualifiziert und wird beim Deutschen Fachverband für Kunst- und Gestaltungstherapie geführt.

Die kunsttherapeutische und psychotherapeutische Begleitung in ihrem Atelier richtet sich vor allem an Erwachsene in belastenden Lebenssituationen. Dazu können Erschöpfung und depressive Stimmungen, Ängste und innere Unruhe oder Überforderung gehören. Auch Trauer und Verlust, persönliche Krisen sowie Veränderungen im privaten oder beruflichen Leben können Anlass sein, eine solche Begleitung in Anspruch zu nehmen.

Gerade für Menschen, denen es schwerfällt, bestimmte Gedanken oder Gefühle ausschließlich im Gespräch auszudrücken, kann das Gestalten eine zusätzliche Möglichkeit bieten. Dabei geht es nicht darum, das Gespräch zu ersetzen. Bild und Gespräch können sich vielmehr gegenseitig ergänzen.

Pinsel sind nicht immer nötig: Farben können beim Gestalten auch direkt mit den Händen aufgetragen und erlebt werden.

Pinsel sind nicht immer nötig: Farben können beim Gestalten auch direkt mit den Händen aufgetragen und erlebt werden.

(Foto: © Silke Widenka)

Offene Aktion zum European Day of Art Therapy

Wie unterschiedlich Menschen auf Farben reagieren, können Interessierte am Donnerstag, 24. September, selbst ausprobieren. Anlässlich des 5. European Day of Art Therapy lädt Silke Widenka von 15 bis 18 Uhr in ihr Atelier in den Güterhallen ein.

„Find Your True Colours“ lautet das Motto des diesjährigen Aktionstages. Die Besucher können selbst mit Farben experimentieren. Auch dabei geht es nicht darum, am Ende ein möglichst schönes Bild geschaffen zu haben. Vielmehr können sie ausprobieren, welche Farbe sie spontan anspricht und was passiert, wenn sie sich darauf einlassen.

Die Teilnahme ist kostenlos. Künstlerische Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

Kunst kann mehr als ein fertiges Bild sein

Der Satz „Kunst kann mehr“ verbindet für Silke Widenka die verschiedenen Bereiche ihrer Arbeit. Das kann ganz klassisch bedeuten, eine neue Technik zu lernen, mit Farben und Materialien zu experimentieren und sich malerisch weiterzuentwickeln. Das gemeinsame Arbeiten im Atelier kann aber auch Ausgleich und Begegnung bedeuten.

In der Kunsttherapie kommt eine weitere Ebene hinzu. Dort kann das Gestalten einen Zugang zu persönlichen Themen ermöglichen. Dass Kunst deshalb nicht alles lösen kann und auch nicht soll, gehört für Widenka ausdrücklich dazu. Aber sie kann eine Möglichkeit bieten, Dinge anders wahrzunehmen oder auszudrücken.

Damit bleibt die Trennung zwischen Malkurs und therapeutischer Arbeit bestehen. Gleichzeitig haben beide ihren Platz in Widenkas Atelier in den Güterhallen. Wer dort malen möchte, kann malen. Wer an eigenen künstlerischen Ideen arbeiten möchte, bekommt Unterstützung. Und wer das Gestalten im Rahmen einer therapeutischen Begleitung nutzen möchte, findet auch dafür ein entsprechendes Angebot.


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