Start Aktuelles Stillleben 2021 – virtuelle Ausstellung in der Galerie Dirk Balke im ART-ECK

Stillleben 2021 – virtuelle Ausstellung in der Galerie Dirk Balke im ART-ECK

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Dirk Balke (li.) präsentiert Stillleben 2021 als virtuelle Vernissage auf YouTube. Kunsthistoriker Dr. Achim Stanneck führt durch die Ausstellung. (Foto: © Martina Hörle)
Dirk Balke (li.) präsentiert Stillleben 2021 als virtuelle Vernissage auf YouTube. Kunsthistoriker Dr. Achim Stanneck führt durch die Ausstellung. (Foto: © Martina Hörle)
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SOLINGEN (mh) – Vier Künstler präsentieren mit jeweils acht Werken die Vielfalt des Stilllebens. Zum wiederholten Mal stellt Galerist Dirk Balke die Ausstellung als Alternative zu seinen üblichen Vernissagen kurzerhand ins Netz. In einem etwa 25-minütigen Film führt Restaurator und Auktionator Dr. Achim Stanneck durch die Ausstellung. „Er versteht es wie kaum ein anderer, eine Brücke von zeitgenössischen Stillleben zu traditionellen Stillleben und deren Geschichte zu schlagen. Ich freue mich, einen so exzellenten Redner für diese Ausstellung gewonnen zu haben“, strahlt Dirk Balke.

Folgende Künstler sind mit ihren Werken in der Ausstellung zu sehen: Dirk Balke aus Solingen, der Düsseldorfer Ioan Iacob sowie Theo de Feyter und Rudolf Valster aus Amsterdam.

Vier Künstler mit je acht Stillleben

Der Amsterdamer Theo de Feyter befasst sich in seinen Darstellungen mit der Zeit, die er gleichsam eingefroren hat. Immer das gleiche Größenformat, immer die gleiche Uhrzeit (17 Uhr) im Laufe der Jahreszeiten. Nur der Blickwinkel aus dem Atelier des Künstlers heraus ändert sich geringfügig. Der Kontrast zwischen der Zeitkonstanten und den variierenden Motiven erzeugt Spannung. „Feyter ist nicht nur Künstler, Maler und Zeichner, sondern ebenfalls Archäologe“, berichtet Achim Stanneck und vergleicht die Artefakte auf den Bildern mit Fundstücken bei archäologischer Grabung.

Im Vordergrund rechts sieht man Werke des Amsterdamer Künstlers Rudolf Valster. Er arbeitet häufig mit Motiven aus dem Lebensmittelbereich, die er dann im Großformat darstellt. Links sind Ioan Iacobs Darstellungen zu sehen. Mal sind Bücher als Einzelobjekt zu sehen, dann wieder zu Türmen aufgebaut. (Foto: © Martina Hörle)
Im Vordergrund rechts sieht man Werke des Amsterdamer Künstlers Rudolf Valster. Er arbeitet häufig mit Motiven aus dem Lebensmittelbereich, die er dann im Großformat darstellt. Links sind Ioan Iacobs Darstellungen zu sehen. Mal sind Bücher als Einzelobjekt zu sehen, dann wieder zu Türmen aufgebaut. (Foto: © Martina Hörle)

Die Bilder von Rudolf Valster erzählen vom Phänomen der Vereinzelung. Der Blick des Betrachters wird ganz nah, fast mikroskopisch, an die Kohlrabi, den Brokkoli oder die Süßkartoffel herangeführt. Das Einzelobjekt im Kleinformat groß in Szene gesetzt – ähnlich einer Fotografie mit Zoomfaktor. Einige Arbeiten sind mit Eitempera gemalt, einem Mittel, das im Gegensatz zu Ölfarbe matt trocknet. Doch Valster hat aus dieser matten Farbe einen glänzenden Effekt herausgearbeitet. Er dekliniert sein Thema Lebensmittel dutzendfach, variiert durch Blickwinkel und Position.

Stillleben wirken durch Phänomen der Vereinzelung

„Schon in der Malerei des 17. Jahrhundert finden sich diese Gegenstände bzw. Lebensmittel wieder“, erläutert Kunsthistoriker Achim Stanneck. „Zahlreiche Künstler inszenierten diese Objekte bildfüllend auf kleinstem Format.“ So machte der Maler aus dem Einfachen das Besondere – bildkünstlerische Würdigung eines Lebensmittels.

Die Werke Ioan Iacobs sind mit Abstand die größten in der Ausstellung. Er zeigt in warmen Tönen einzelne Folianten bis hin zu wolkenkratzerähnlich aufgetürmten Gebilden und versinnbildlicht somit das Wissen der Welt, das hier präsent gehalten wird. Die Kanten der Bücher scheinen sich aufzulösen, Konturen verschwimmen. Der aus Rumänien stammende, in Düsseldorf arbeitende Künstler studierte von 1977 bis 1984 an der Kunstakademie in Düsseldorf und war Meisterschüler bei Prof. Gotthard Graubner. Dieser vermittelte ihm auch die Affinität zu Farbe, dem wichtigsten Ausdrucksmittel Iacobs. Der Künstler malt ausschließlich in Öl auf Leinwand. Die Formate reichen von Kleinbildern (20 x 20 cm) bis hin zu Großformaten (280 x 200 cm).

Theo de Feyter hat in seinen Abbildungen die Zeit eingefroren. Gleich große Formate, täglich die gleiche Zeit (17 Uhr), leicht variierende Blickwinkel – eine interessante Kombination, die gewisse Kontraste erzeugt. Foto: © Martina Hörle)
Theo de Feyter hat in seinen Abbildungen die Zeit eingefroren. Gleich große Formate, täglich die gleiche Zeit (17 Uhr), leicht variierende Blickwinkel – eine interessante Kombination, die gewisse Kontraste erzeugt. Foto: © Martina Hörle)

Dirk Balke befasst sich seit einigen Jahren mit der Stillleben-Malerei. „Mich reizt es, herauszufinden, wie ich mit Ölfarbe Oberflächen darstellen kann“, beschreibt der Künstler seine Intention. „Wie kann ich die Pelzigkeit von Haaren zeigen und gleichzeitig die Kühle von Metall?“ Mit seiner Darstellung eines Rasierpinsels ist es ihm jedenfalls hervorragend gelungen. Beim Betrachter stellen sich umgehend Assoziationen zu bestimmten Materialien ein. Beeindruckend ist ebenso das Panoramabild – eine Schau der unterschiedlichsten Objekte auf einer langen Tafel aufgebaut. Gegensätzlich in ihrer Art und sich doch wechselseitig ergänzend.

Dazu meint Dr. Stanneck: „Wieder wird ein alltäglicher Gegenstand durch Vereinzelung als besonderes Objekt in Szene gesetzt. Letztlich ist es nichts anderes als Pigment, Farbe. Doch für den Betrachter ist unter dem buschigen Haar die schwarze Fassung eines auf Hochglanz polierten Kunststoffes auf einem metallischen Sockel zu erkennen. Mit minimalistischen Mitteln solche Effekte zu erzielen zeigt die Virtuosität des Künstlers. Das macht Malerei so besonders.“

Virtuosität des Künstlers

Schon seit Jugendtagen hat den Kunsthistoriker die Restaurierung fasziniert. Er versuchte, Maltechniken der alten Meister zu rekonstruieren und sich anzueignen. „Mich interessierte das Vorgehen eines schichtenweisen Bildaufbaus“, betont er. „Wie erzielt man ganz bestimmte Farbeffekte – Effekte, die nicht auf der Farbpalette durch Mischen entstehen, sondern dadurch, dass bestimmte transparente Lagen in einer bestimmten Reihenfolge übereinandergeschichtet werden.“ Seine ausdauernden Studien und Experimente in dieser Richtung machten es möglich, bei seinen Restaurationen entsprechend der originalen Farbsubstanzen im Bild ähnliche Materialien zu nutzen, kombiniert mit einer Technik, wie der Künstler selbst sie angewandt hat.

Doch Stanneck sieht sich selbst nicht als Künstler. „Bei meiner Tätigkeit geht es nicht um das Transportieren von Inhalt, Stimmung, Emotion – bei mir handelt es sich um die Rekonstruktion eines ehemals intakten Werkes, dem ich helfe, zu seinem Ausdruck zurückzufinden. An dem eigentlichen Schaffensprozess habe ich keinen Anteil.“ Dazu meint Dirk Balke lachend: „Es ist eine Kunst, Restaurator zu sein“,

Der Link zum Film ist ab Freitagmorgen um sechs Uhr auf der Internetseite der Galerie oder hier zu finden. Die Werke sind ebenfalls auf Facebook und Instagram zu besichtigen.

Vom 26. Februar bis 5. April sind Besucher herzlich willkommen, sich die Ausstellung live in der Galerie anzuschauen. Nach Möglichkeit bitte vorher einen Termin (0173 5149995) absprechen.

Öffnungszeiten:
vorzugsweise nach Vereinbarung und
freitags von 14 – 19 Uhr / samstags von 10 – 14 Uhr

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