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2. Kippa-Tag: Solinger stellen sich gegen Antisemitismus

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Rund 130 Menschen kamen am Montag zum 2. Solinger Kippa-Tag zum Rathaus. Kinder der Jüdischen Gemeinde sorgten für ein musikalisches Rahmenprogramm. (Foto: © Bastian Glumm)
Rund 130 Menschen kamen am Montag zum 2. Solinger Kippa-Tag zum Rathaus. Kinder der Jüdischen Gemeinde sorgten für ein musikalisches Rahmenprogramm. (Foto: © Bastian Glumm)

SOLINGEN (bgl) – Sich offen zu ihrer Religion zu bekennen wird für Menschen jüdischen Glaubens in Deutschland immer schwieriger. Verbale und teils sogar gewalttätige Übergriffe auf Jüdinnen und Juden, die öffentlich als solche zu erkennen sind, sind im Deutschland des Jahres 2019 keine Seltenheit mehr. Zuletzt sorgte zudem der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung Felix Klein für Kopfschütteln, als er Juden in Deutschland den Ratschlag gab, an einigen Orten aus Sicherheitsgründen auf das Tragen einer Kippa vorsichtshalber zu verzichten.

Jüdische Gemeinden sind verunsichert

Das führte bei den jüdischen Gemeinden in Deutschland zu weiterer Verunsicherung. „Diese Aussage hat uns sehr erschüttert. Aber was kommt als nächstes? Sollten wir aus Sicherheitsgründen lieber das Land verlassen?“, fragte am Montagnachmittag Leonid Goldberg, Vorsitzender Jüdischen Kultusgemeinde Wuppertal. Eine Antwort auf diese Frage blieb man auf dem Walter-Scheel-Platz schuldig, wo sich am Montag rund 130 Solingerinnen und Solinger zum 2. Kippa-Tag versammelt haben. Mit dem Tragen der Kippa, der Kopfbedeckung für gläubige männliche Juden, wollten sie ein Zeichen setzen.

Ein Zeichen gegen den stärker werdenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft. Und ein Zeichen für die Solidarität mit den Menschen jüdischen Glaubens auch in der Klingenstadt. „Kein Mensch sollte sein Kreuz, seinen Davidstern, seine Kippa oder ein Kopftuch verstecken müssen. Wir leben in einem freien Land und das wollen wir auch weiterhin“, machte Goldberg deutlich, der sich für das Erscheinen der Anwesenden und die damit gezeigte Unterstützung herzlich bedankte.

Antisemitismus: Straftaten um 20 Prozent gestiegen

Auch dem Oberbürgermeister sprach der Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde seinen Dank aus. Denn Tim Kurzbach sorgte dafür, dass der im vergangenen Jahr erstmals organisierte Kippa-Tag jetzt eine Neuauflage erfuhr. 2018 wurde die Solidaritätsaktion vom Freundeskreis Solingen-Ness Ziona gemeinsam mit der Stadt erstmals initiiert.

„Die Zahlen antisemitischer Straftaten sind in Deutschland erneut gestiegen, deshalb muss es sein, dass wir Bürgerinnen und Bürger auch in Solingen aufstehen und uns versammeln, um für unsere jüdischen Schwestern und Brüder einzustehen “, sagte Oberbürgermeister Tim Kurzbach. Demnach wurden im Jahr 2018 1.799 antisemitisch motivierte Straftaten in Deutschland gezählt, was eine Steigerung von 20 Prozent zum Vorjahr bedeutet.

Sprachen am Montag beim 2. Kippa-Tag vor dem Rathaus: v.li. Bernd Krebs, Vorsitzender des Freundeskreises Solingen-Ness Ziona, Oberbürgermeister Tim Kurzbach und Leonid Goldberg, Vorsitzender der Jüdischen Kultusgemeinde Wupertal, zu der auch Solingen gehört. (Foto: © Bastian Glumm)
Sprachen am Montag beim 2. Kippa-Tag vor dem Rathaus: v.li. Bernd Krebs, Vorsitzender des Freundeskreises Solingen-Ness Ziona, Oberbürgermeister Tim Kurzbach und Leonid Goldberg, Vorsitzender der Jüdischen Kultusgemeinde Wupertal, zu der auch Solingen gehört. (Foto: © Bastian Glumm)

Bernd Krebs: „Kippa-Tag ist bitter nötig“

Bernd Krebs, Vorsitzender des Freundeskreises Solingen-Ness Ziona, forderte eine noch stärkere Positionierung aus der Mitte der Gesellschaft gegen den wachsenden Antisemitismus: „Da ist noch sehr viel Luft nach oben. Wir bekommen sehr viel positive Resonanz, arbeiten aber daran, dass diese noch besser wird. Wir wollen diesen Kippa-Tag regelmäßig durchführen, was auch bitter nötig ist“, so Bernd Krebs.

Auch seitens des Freundeskreises beobachte man seit geraumer Zeit, dass antisemitische Strömungen nicht ausschließlich aus der rechten Ecke kämen. „Wir haben festgestellt, dass es in dieser Gesellschaft generell Vorbehalte gibt, die wir nicht nachvollziehen können, was uns sehr betroffen macht. Ich habe große Bedenken, wie sich diese Gesellschaft entwickelt“, befürchtete Krebs.

Israelische Fahne wehte vor dem Rathaus

Neben Ansprachen gab es am Montagnachmittag auf dem Walter-Scheel-Platz auch Musik, wofür der Kinderchor der Jüdischen Gemeinde sowie ein Damen-Trio sorgten. Vor dem Rathaus wehte zudem wieder die israelische Flagge neben der deutschen.

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