
SOLINGEN (bgl) – Wer in den vergangenen Wochen an der Linkgasse vorbeikam, wird es bemerkt haben: Die Tür des italienischen Supermarkts bleibt geschlossen. Die Regale im Ladenlokal sind leergeräumt. Ein Ort, der für viele mehr war als nur ein Geschäft. Ein Stück italienischer Alltag und auch italienische Kultur im Herzen der gebeutelten Innenstadt, ist seit Ende März verschwunden.
Kaum Laufkundschaft und schwierige Lage
Für die Betreiber ist diese Entscheidung keine kurzfristige gewesen, sondern das Ergebnis einer Entwicklung, die sich über Monate abgezeichnet hat. „Keine Laufkundschaft, die Situation in der Innenstadt, die Kunden werden immer weniger“, fasst Betreiberin Diega Zito die Lage zusammen. Aus ihrer Sicht habe die Innenstadt zunehmend an Attraktivität verloren. „Alle Geschäfte sind zu. Es kommt nichts Neues rein.“
Hinzu komme eine wachsende Verunsicherung. Zito verweist dabei auf Ereignisse, die das Sicherheitsgefühl vieler Menschen nachhaltig erschüttert hätten. Besonders der Terroranschlag im Sommer 2024 auf dem Fronhof mit drei Todesopfern habe Spuren hinterlassen. Seitdem sei die Kundenfrequenz spürbar zurückgegangen, es seien immer weniger Menschen in die Innenstadt gekommen. Der Fronhof liegt nur wenige Meter vom Supermarkt entfernt.
„Unsere Kundschaft war wie eine Familie“
Auch der Supermarkt selbst sei von Vorfällen betroffen gewesen. So sei zweimal in das Geschäft eingebrochen worden. Zudem habe es Situationen gegeben, in denen Personen mit gezücktem Messer im Laden gestanden hätten. Erlebnisse wie diese hätten die ohnehin schwierige Lage zusätzlich verschärft.
Dabei hatten die Betreiber viel Geld in den kleinen Supermarkt gesteckt, um den Standort zu beleben. „Wir haben sehr viel Geld investiert. Wir haben so viel investiert und vor allem Liebe“, macht Diega Zito deutlich. Der Supermarkt sei nie einfach nur ein Geschäft gewesen: „Wir haben unsere Kundschaft als Familie gesehen und nicht als Fremde.“ Viele Stammkunden hätten dem Supermarkt bis zuletzt die Treue gehalten.
Konzept wurde um gastronomisches Element erweitert
Über zweieinhalb Jahre führten sie und ihr Ehemann Ignazio Zito den Laden, den sie vom Vater übernommen hatten. In dieser Zeit wurde das Konzept immer wieder erweitert und angepasst: mit Cafébereich, einer deutlich erweiterten Küche, Kooperationen und zusätzlichen Angeboten. „Alles, alles, alles! Mit Kochen, mit Pizza backen, mit Mittagstisch, mit allem“, fasst Diega Zito zusammen. Doch trotz aller Bemühungen habe es am Ende nicht gereicht.

Rückblickend beschreibt sie die Entwicklung deutlich: „Es hat sich hier am Standort alles zum Schlechten entwickelt.“ Vor allem die sinkende Frequenz in der Innenstadt habe sich bemerkbar gemacht. „Die Leute sind einfach nicht da. Es ist egal, was du bringst.“
Viele Stammkunden nahmen Abschied
Besonders schwer fällt den Betreibern der Abschied von ihrer Stammkundschaft. Die Reaktionen seien emotional gewesen. „Wir haben Kunden gehabt, die haben geweint, dass wir schließen. Die haben uns umarmt.“ Viele hätten ihnen gesagt: „Ihr seid der Grund, warum wir noch in die Innenstadt kommen.“
Bis heute melden sich ehemalige Kundinnen und Kunden und fragen nach, wie es weitergeht. „Viele Menschen fragen uns, wie es uns geht und dass sie uns vermissen“, sagt Zito.
Die äußeren Umstände waren entscheidend
Für die Betreiber selbst bleibt vor allem das Gefühl, bis zuletzt nichts unversucht gelassen zu zu haben. So seien alle denkbaren Möglichkeiten ausgelotet worden. „Wir sind zwei Menschen, die alles versucht haben, bis zum Schluss.“ Gleichzeitig sei klar, dass die äußeren Umstände entscheidend gewesen seien. „Die ganze Umgebung ist einfach nicht dafür da.“
Eine weitere schlechte Nachricht für die an guten Nachrichten arme Innenstadt. Mit dem Italienischen Supermarkt verliert die City einen weiteren kleinen Ankerpunkt und ein Stück italienische Kultur.

































