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Epilepsie – wenn das Gehirn zu aktiv ist

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Prof. Dr. Marcel Dihné ist Chefarzt der Neurologie an der St. Lukas Klinik und Experte in Sachen Epilepsie und deren Behandlung. (Archivfoto: © Bastian Glumm)
Prof. Dr. Marcel Dihné ist Chefarzt der Neurologie an der St. Lukas Klinik und Experte in Sachen Epilepsie und deren Behandlung. (Archivfoto: © Bastian Glumm)
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SOLINGEN (red) – Der 5. Oktober ist der Tag der Epilepsie – seit 25 Jahren wird er jährlich in Deutschland begangen. Prof. Dr. Marcel Dihné, Chefarzt der Neurologie an der St. Lukas Klinik, spricht über die Erkrankung, die so viele Gesichter hat und die mit so vielen Missverständnissen und Vorurteilen verbunden ist.

Herr Prof. Dihné, was versteht man unter Epilepsie?

Prof. Dr. Marcel Dihné: Epilepsien sind chronische Erkrankungen des zentralen Nervensystems. Das gesamte Gehirn oder einzelne Bereiche sind übermäßig aktiv und geben zu viele elektrische Signale ab. Das löst bei den Betroffenen akute Episoden, also epileptische Anfälle aus, die in der Regel nur wenige Minuten dauern und aus dem Nichts kommen. Dabei verstehen wir unter epileptischen Anfällen körperliche Missempfindungen, Bewusstseinsaussetzer, Verhaltensauffälligkeiten, Zuckungen einzelner Muskeln und in der schlimmsten Form Stürze und Ganzkörperzuckungen. Epilepsie hat viele Gesichter, bleibt aber auch oft lange unentdeckt, etwa wenn die Anfälle nachts auftreten.

Wie kann eine sichere Diagnose gestellt werden?

Prof. Dr. Marcel Dihné: Wir schauen uns das Gehirn und seine elektrische Aktivität an. Dazu werden im MRT Schichtbilder des Gehirns dargestellt, um Narben oder Strukturveränderung zu erkennen. Mit einem EEG, dem Elektroenzephalogramm, können wir die Hirnströme messen und damit überaktive Bereiche erkennen. In der Klinik besteht die Möglichkeit einer Langzeit-EEG-Diagnostik kontinuierlich über 24 Stunden – auch während des Schlafes. So können wir die Epilepsie genauer einordnen und noch sensitiver prüfen, ob überhaupt eine Epilepsie vorliegt oder ob es andere Ursachen für die Episoden gibt, wie z.B. Durchblutungsstörungen oder seelische Probleme.

Und das hilft dann bei der Behandlung?

Prof. Dr. Marcel Dihné: Richtig. In den meisten Fällen sind Epilepsien mit Medikamenten heute gut zu kontrollieren: Bis zu 70 Prozent der Betroffen können bei entsprechender Medikation anfallsfrei leben. Vor 40, 50 Jahren gab es nur wenige Wirkstoffe, da sind wir heute einen großen Schritt weiter. Trotzdem gibt es noch eine Menge zu tun

Was heißt das konkret?

Prof. Dr. Marcel Dihné: Epilepsie Patienten kämpfen nicht nur gegen ihre Erkrankung: Die Zahl der Arbeitslosen und die Zahl der Frührentner liegt bei Patientinnen und Patienten mit Epilepsie deutlich höher als bei Menschen mit anderen anerkannten Schwerbehinderungen – obwohl die Krankheit bei sicherer Diagnose sehr gut behandelbar ist. Wir müssen nicht nur Vorurteile und Missverständnisse abbauen, wir müssen es auch schaffen, dass mehr Menschen eine kompetente Behandlung nach neusten Erkenntnissen erhalten. Die Medizin hat in den letzten Jahren so viel gelernt und kann inzwischen so viel leisten. Davon müssen die Menschen profitieren.

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