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Friedrichstadt: Stadt der Toleranz

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Friedrichstadt im Kreis Nordfriesland in Schleswig-Holstein besticht durch seine niederländischen Häuser, seine Grachten und eine ganz besondere Atmosphäre. (Foto © S. Grünwald)
Friedrichstadt im Kreis Nordfriesland in Schleswig-Holstein besticht durch seine niederländischen Häuser, seine Grachten und eine ganz besondere Atmosphäre. (Foto © S. Grünwald)

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Das kleine nordfriesische Städtchen Friedrichstadt wurde während des Dreißigjährigen Krieges als Handelsstadt überwiegend von Niederländern erbaut. Es galt als Stadt der Toleranz.

Friedrich III. gründete Friedrichstadt

Gerade mal 19 Jahre war Friedrich III. alt, als er Herzog von Schleswig-Gottorf wurde. Ein großes Problem für den jungen Mann war, dass er durch den Handel mit Hamburg, Dänemark und anderen Nachbarländern viele Zölle zahlen musste und deshalb finanzielle Schwierigkeiten bekam. Die Idee, eine eigene Handelsstadt zu gründen, erwies sich als gut. Er nutzte dazu das von seinem Vater Adolph bereits vorbereitete Gebiet zwischen den Flüssen Treene und Eider. Um eifrige Leute zu finden, die die Stadt aufbauen sollten, griff Friedrich zu ungewöhnlichen Maßnahmen. Er akquirierte die niederländischen Remonstranten, versprach ihnen Religionsfreiheit und die Freiheit, die Häuser in ihrer niederländischen Weise zu errichten.

In dem schmucken roten Backsteingebäude lebten lange Zeit die Remonstranten-Pastoren, heute wird es von einem Künstler bewohnt. (Foto © S. Grünwald)
In dem schmucken roten Backsteingebäude lebten lange Zeit die Remonstranten-Pastoren, heute wird es von einem Künstler bewohnt. (Foto © S. Grünwald)

Der Fluss Treene wurde durchdämmt und ein Verbindungssiel zur Eider geschaffen, damit die Handelsschiffe über die Treene zur Eider und von dort in die Nordsee fahren konnten. Außerdem wurden Grachten angelegt, so dass Friedrichstadt auf einer Art Insel errichtet wurde. Das Stadtwappen symbolisiert diese besondere Lage. Es zeigt das Nesselblatt des Hauses Schleswig-Holstein-Gottorf, das zwischen den beiden Flüssen liegt. Gegründet wurde Friedrichstadt 1621. Während im Dreißigjährigen Krieg überall Zerstörung herrschte, baute Friedrich III. eine neue Stadt. Heute ist sie ein Kulturdenkmal.

In diesem schmucken Gebäude war einst ein Kaufhaus zu finden, in dem alle Friedrichstädter Bürger eingekauft haben. (Foto © S. Grünwald)
In diesem schmucken Gebäude war einst ein Kaufhaus zu finden, in dem alle Friedrichstädter Bürger eingekauft haben. (Foto © S. Grünwald)

Stadt der Toleranz

Nicht nur die verfolgte Glaubensgemeinschaft der Remonstranten bauten fleißig ihre Häuser in Friedrichstadt. Die Religionsfreiheit zog auch andere Glaubensgemeinschaften das Städtchen. So gab es insgesamt sieben unterschiedliche Glaubensgruppen in Friedrichstadt. Juden, Mennoniten, Quäker, Katholiken, Dänische Lutheraner und Deutsche Lutheraner sowie die Remonstranten lebten in Friedrichstadt friedlich neben- und miteinander. Es wurde gemeinsam gefeiert, man kaufte im selben Kaufhaus ein. So wurde Friedrichstadt bald die „Stadt der Toleranz“ genannt.

Während der Naziherrschaft sollte die Synagoge der Juden niedergebrannt werden, was jedoch von beherzten Bürgern verhindert wurde. Ob sie nun für die Juden einstanden oder vielmehr Angst um ihre eigenen Häuser hatten, da es in Friedrichstadt keine Zwischenräume zwischen den einzelnen Häusern gab, bleibt dahingestellt. Heute gibt es keine Jüdische Gemeinde mehr in Friedrichstadt, mehr als vierzig Stolpersteine wurden inzwischen bereits verlegt. Die Gemeinde der Quäker wurde aufgrund schwindender Mitgliederzahlen bereits 1727 wieder aufgelöst.

Die alte jüdische Synagoge ist heute eine Gedenkstätte und bietet Raum für kulturelle Veranstaltungen, wie Konzerte, Vorträge, Lesungen. (Foto © S. Grünwald)
Die alte jüdische Synagoge ist heute eine Gedenkstätte und bietet Raum für kulturelle Veranstaltungen, wie Konzerte, Vorträge, Lesungen. (Foto © S. Grünwald)

Niederländischer Baustil

Da ein Großteil der Gebäude in Friedrichstadt noch erhalten ist, kann man in den Häuserzeilen viele alte Häuser im Stil der niederländischen Backsteinrenaissance bewundern. Besonders schön die Häuser mit Stufendach am Marktplatz. Was allen gemeinsam ist, sind die Mauerhalter aus Metall, die für die Statik wichtig sind. Friedrichstadt steht auf einem weichen Untergrund. Auch deshalb – und wegen des hohen Grundwasserspiegels – gibt es keine Keller in der Stadt. Wegen des begrenzten Platzes, wurde tatsächlich Haus an Haus – ohne Zwischenraum – gesetzt. Die Häuser sind alle sehr schmal, dafür lang.

Ebenfalls ein niederländisches Element, sind die Hausmarken, die von den Hausbesitzern meist über die Eingangstür in die Wand eingelassen wurden. Diese Tradition hat bis heute Bestand. Da es keine Regeln für die Hausmarken gibt, sind die Hausbesitzer völlig frei, was das Motiv angeht. Früher wurden meist Symbole für den Beruf benutzt. So gibt es beispielsweise eine Hausmarke mit einer Mühle an einem Haus, in dem eine Müllersfamilie lebte.

Eine der typischen Hausmarken, die in Friedrichstadt nahezu an jedem Gebäude zu finden sind. (Foto © S. Grünwald)
Eine der typischen Hausmarken, die in Friedrichstadt nahezu an jedem Gebäude zu finden sind. (Foto © S. Grünwald)

Kulturdenkmal Friedrichstadt

Die kleine „Holländerstadt“ hat gerade mal 2.500 Einwohner und lebt heute vom Tourismus. Ihre Gassen und Sträßchen haben oft einen Kopfsteinpflaster-Belag, die Häuser sind häufig noch mit den Jahresangaben der Erbauung versehen. Eine Tragödie erfuhr die Stadt der Toleranz im eigentlich bereits beendeten Schleswig-Holsteinischen Krieg. Die schleswig-holsteinischen Truppen versuchten vom 29. September bis zum 4. Oktober 1850 in einem verzweifelten letzten Bombardement die Stadt mit ihrer dänischen Besatzung zu erobern. Dabei fielen nicht nur Bürger und Soldaten, auch 285 Häuser wurden zerstört, darunter das Rathaus und die Remonstrantenkirche. Beide wurden neu errichtet, das Rathaus wurde naturgetreu wiederaufgebaut.

Die Grachten können bei einer Grachtenrundfahrt, aber auch im Tret- oder Paddelboot auf eigene Faust erkundet werden. (Foto © S. Grünwald)
Die Grachten können bei einer Grachtenrundfahrt, aber auch im Tret- oder Paddelboot auf eigene Faust erkundet werden. (Foto © S. Grünwald)

Ein Gang durch die Stadt, entlang der Grachten und über die kleinen Brücken hinweg, versetzt einem in eine andere Zeit. Empfehlenswert ist eine Stadtführung, bei der man viel Interessantes, zuweilen auch Lustiges über die einzelnen Bauwerke erfahren kann. Eine Grachtenfahrt ist ebenfalls lohnenswert, da man dabei die Stadt auch „von hinten“ kennenlernen kann. Die Einflüsse der verschiedenen Kulturen sind heute noch spürbar. So sind viele Inschriften auf Niederländisch verfasst worden. In den Cafés ist dänisches Softeis zu haben. Es gibt eine dänische Schule. Aber auch viele Künstler haben Ateliers und Läden in der Stadt.

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