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Galerie SK: Holger Marx zeigt „Entropie“

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Fotograf Holger Marx zeigt derzeit in der Galerie SK seine Ausstellung „Entropie“. In seinen Arbeiten macht er Ordnung und Unordnung erfahrbar. (Foto: © Martina Hörle)
Fotograf Holger Marx zeigt derzeit in der Galerie SK seine Ausstellung „Entropie“. In seinen Arbeiten macht er Ordnung und Unordnung erfahrbar. (Foto: © Martina Hörle)

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SOLINGEN (mh) – In der Galerie SK im Südpark widmet sich der Fotograf Holger Marx einem Thema, das ebenso wissenschaftlich wie zutiefst menschlich ist. Unter dem Titel „Entropie“ präsentiert Marx eine eindrucksvolle Ausstellung, die den Zustand zwischen Ordnung und Unordnung visuell erfahrbar macht – und dabei weit über die reine Fotografie hinausgeht.

„Ich fotografiere gerne, was andere vielleicht übersehen“, sagt Marx über seine künstlerische Herangehensweise. Dieser Blick für das Verborgene, das Unscheinbare und das scheinbar Nebensächliche zieht sich wie ein roter Faden durch seine Arbeiten. Seine Fotografien sind geprägt von klarer geometrischer Struktur, bewusster Perspektive und einem feinen Gespür für Komposition. Doch hinter der formalen Strenge verbirgt sich ein tiefgründiges Nachdenken über Zeit, Wandel und Vergänglichkeit.

Entropie als künstlerisches Leitmotiv

Der Begriff Entropie stammt ursprünglich aus der Physik und beschreibt den Übergang von Ordnung zu Unordnung. Marx überträgt dieses Konzept in seine fotografische Arbeit und versteht Entropie als Metapher für Veränderung, Zerfall und die Unvorhersehbarkeit des Lebens. Seine Bilder zeigen keine spektakulären Ereignisse, sondern leise Prozesse: Orte im Verfall, Übergänge im Wandel, Momente zwischen Vergangenheit und Zukunft.

Was einst klar strukturiert und funktional war, erscheint in seinen Fotografien brüchig, fragmentiert oder dem Vergessen nahe. Gerade in dieser stillen Auflösung entdeckt Marx eine eigene Ästhetik – eine Schönheit, die sich erst beim genauen Hinsehen erschließt.

Einige der Aufnahmen betreffen das ehemalige Areal der Firma Gebrüder Rasspe. (Foto: © Martina Hörle)
Einige der Aufnahmen betreffen das ehemalige Areal der Firma Gebrüder Rasspe. (Foto: © Martina Hörle)

Ein Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf Motiven aus der Region. So dokumentiert Holger Marx unter anderem das Gelände der ehemaligen Firma Gebrüder Rasspe. Einst ein bedeutender Produktionsstandort für Maschinen und technische Komponenten, steht das Areal heute exemplarisch für den Strukturwandel der Industrie. Stillgelegte Anlagen, verlassene Räume und Spuren vergangener Nutzung erzählen von einer Zeit, die unwiederbringlich vergangen ist.

Ergänzt werden diese Aufnahmen durch Bilder einer ehemaligen amerikanischen Siedlung in Bitburg, die einst zur Bitburg Air Base gehörte. Auch hier zeigt sich das Spannungsfeld zwischen früherer Funktion und heutiger Ungewissheit. Teile des Geländes werden neu genutzt, andere sind dem Verfall preisgegeben – ein Nebeneinander von Aufbruch und Stillstand.

Orte im Wandel: Industrie, Freizeit und Erinnerung

Auf der gegenüberliegenden Seite der Galerie richtet Marx den Blick auf das ehemalige Birker Bad, das über Jahrzehnte ein zentraler Freizeitort war. Nach Jahren des Leerstands wurde es inzwischen einer neuen Nutzung zugeführt. Marx hält diesen Übergang fest – nicht als dokumentarische Bestandsaufnahme, sondern als poetische Momentaufnahme zwischen Vergangenheit und Zukunft.

In der oberen Etage schließlich begegnen die Besucher den Überresten des Freizeitbades in der Ohligser Heide. Auch hier thematisiert Marx den Wechsel zwischen Belebung und Stillstand. Vertraute Orte erscheinen in ungewohntem Zustand und fordern den Betrachter heraus, seine eigene Wahrnehmung zu hinterfragen.

Mit den Aufnahmen des Birker Bades zeigt Marx Momente der Vergangenheit. (Foto: © Martina Hörle)
Mit den Aufnahmen des Birker Bades zeigt Marx Momente der Vergangenheit. (Foto: © Martina Hörle)

Zwischen den Aufnahmen verlassener Orte finden sich immer wieder Fotografien von Menschen. Es sind scheinbar beiläufige Szenen des Alltags. Doch gerade in ihrer Unscheinbarkeit entfalten sie eine besondere Wirkung. Die dargestellten Personen bleiben anonym, ihre Geschichten offen. Der Betrachter beginnt unweigerlich, eigene Deutungen zu entwickeln, ohne jemals Gewissheit zu erlangen.

Marx zeigt den Menschen als Teil eines Systems, das von Unsicherheit geprägt ist. Lebenswege verlaufen selten geradlinig, vielmehr sind sie geprägt von Brüchen, Umwegen und unerwarteten Wendungen. Diese Offenheit überträgt sich auch auf die Rezeption der Bilder: Was ist Inszenierung, was Realität? Und wie viel Wahrheit liegt in unserem eigenen Blick?

Der Mensch im System der Ungewissheit

Seit über 40 Jahren beschäftigt sich Holger Marx mit der Fotografie. Seine Entwicklung spiegelt auch den technischen Wandel des Mediums wider: von den Anfängen mit der Kleinbildkamera bis hin zur digitalen Bildbearbeitung. Gerade die Möglichkeiten der digitalen Nachbearbeitung nutzt er gezielt, um Stimmungen zu verstärken und seine Bildaussagen zu präzisieren.

„Diese Technik eröffnete mir neue Möglichkeiten der Bildbearbeitung und -gestaltung“, erklärt Marx. Dennoch bleibt für ihn die Grundlage jeder Aufnahme unverändert: das Spiel mit Formen, Farben und dem richtigen Bildausschnitt. Die geometrische Ausrichtung seiner Motive ist dabei kein Selbstzweck, sondern ein Mittel, um Ordnung sichtbar zu machen und ihren Zerfall umso eindrucksvoller zu inszenieren.

Zwischen den verlassenen Orten finden sich Aufnahmen von Menschen. Auch wenn der Betrachter hier etwas in das Bild interpretiert, weiß doch niemand, ob es der Realität entspricht. (Foto: © Martina Hörle)
Zwischen den verlassenen Orten finden sich Aufnahmen von Menschen. Auch wenn der Betrachter hier etwas in das Bild interpretiert, weiß doch niemand, ob es der Realität entspricht. (Foto: © Martina Hörle)

„Entropie“ ist mehr als eine fotografische Ausstellung. Sie ist eine Einladung, genauer hinzusehen: auf Orte, die wir zu kennen glauben, und auf Momente, die wir im Alltag oft übersehen. Marx gelingt es, das Flüchtige sichtbar zu machen und dem Vergänglichen eine eigene Würde zu verleihen.

Die Ausstellung läuft vom 5. April bis zum 10. Mai 2026 in der Galerie SK im Südpark. Geöffnet ist sie mittwochs und donnerstags von 17 bis 19 Uhr sowie sonntags von 11 bis 17 Uhr. Weitere Termine können individuell vereinbart werden.

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Martina Hörle, geprüfte Betriebswirtin, ist freiberuflich als Text-/Fotojournalistin und Autorin tätig. Sie organisiert kulturelle Veranstaltungen und hat im Herbst 2014 die Solinger Autorenrunde ins Leben gerufen.

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