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Solingen verneigt sich vor Gerd Kaimer

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In der Dorper Kirche nahmen viele Solingerinnen und Solinger am Dienstagabend Abschied von ihrem langjährigen Oberbürgermeister Gerd Kaimer, der am 11. Dezember im Alter von 90 Jahren verstarb. (Foto: B. Glumm)
In der Dorper Kirche nahmen viele Solingerinnen und Solinger am Dienstagabend Abschied von ihrem langjährigen Oberbürgermeister Gerd Kaimer, der am 11. Dezember im Alter von 90 Jahren verstarb. (Foto: B. Glumm)

SOLINGEN (bgl) – Als Tim Kurzbach zum Ende seiner bewegenden Ansprache kam, stockte ihm die Stimme – auch der Oberbürgermeister wurde kurz von seinen Emotionen übermannt. Als er dann die versammelte Trauergemeinde in der Dorper Kirche zu einer Gedenkminute aufrief, hätte man die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören können. Die Stadt Solingen vollzog am Dienstagabend eine tiefe Verneigung vor ihrem langjährigen Oberbürgermeister Gerd Kaimer, der am 11. Dezember im Alter von 90 Jahren verstarb. Anlässlich seines Todes lud die Stadtverwaltung zur Gedenkfeier in die evangelische Kirche an der Ritterstraße ein. Zahlreiche Solingerinnen und Solinger kamen. „Wir wollen miteinander einem Menschen gedenken, dem wir alle hier in irgendeiner Form verbunden waren“, sagte Pfarrer Joachim Römelt in seiner Begrüßung. Kaimer war von 1984 bis 1997 Oberbürgermeister der Stadt Solingen und „das Gesicht dieser Stadt“, so Römelt weiter.

Berliner Anschlag überschattet das Gedenken

Uwe Dahlhaus zitierte aus der Biografie Gerd Kaimers und ließ noch einmal jene schicksalshaften Tage gegen Ende des Zweiten Weltkrieges Revue passieren. Der junge Kaimer erlebte diese als Soldat – gemeinsam mit seinem Vater – und schrieb nieder, wie er das Ende der nationalsozialistischen Terrorherrschaft überstanden hatte. Die Gedenkveranstaltung stand unter dem Eindruck des Terroranschlages von Berlin, der mindestens zwölf Menschen das Leben kostete. „Wir können kaum etwas tun, ohne dass dieser Schatten auf uns fällt“, stellte Pfarrer Joachim Römel fest. Zwischen den Redebeiträgen trugen die Bergischen Symphoniker und die Chorakademie Bergisch-Land klassische Musikstücke zu Ehren des Verstorbenen vor.

Viele politische Weggefährten Kaimers kamen in die die Dorper Kirche zur Gedenkfeier. Oberbürgermeister Tim Kurzbach hielt eine bewegende Ansprache. (Foto: B. Glumm)
Viele politische Weggefährten und Freunde Kaimers kamen in die Dorper Kirche zur Gedenkfeier. Oberbürgermeister Tim Kurzbach hielt eine bewegende Ansprache. (Foto: B. Glumm)

Zwei historische Auftritte mit dem Megafon in der Hand

Oberbürgermeister Tim Kurzbach erinnerte in seiner Ansprache an jenen 3. Juli dieses Jahres, als man im Kunstmuseum Kaimers 90. Geburtstag mit einem großen Empfang feierte. „Im Juli steckte noch so viel Leben in ihm“, sagte ein sichtlich ergriffener Tim Kurzbach. Zwei historische Auftritte des ehemaligen Lehrers Gerd Kaimer waren es, die ihm nicht nur viel Respekt einbrachten, sondern ihn für viele Zeitgenossen unvergesslich machten. „Und das vor Volksmengen mit dem Megafon in der Hand“, machte Tim Kurzbach deutlich.

Vor fast 27 Jahren, im Februar 1990, auf einer Montagsdemonstration in Aue in Sachsen, als Kaimer von einem Streifenwagen der Volkspolizei aus eine mitreißende Ansprache an die versammelten Menschen richtete. Und natürlich waren da jene dunklen Tage im Mai 1993, als beim Brandanschlag auf das Haus der Familie Genç fünf Menschen ums Leben kamen. Gerd Kaimer war es, der mit einem Megafon mitten auf dem Schlagbaum mit seiner Ansprache eine wütende Menschenmenge beruhigte.

Auch der Verwaltungsvorstand der Stadt Solingen gedahcte Gerd Kaimer: v.li Stadtdirektor Hartmut Hoferichter, Schuldezernentin Dagmar Becker, Ordnungsdezernent Jan Welzel und Kämmerer Ralf Weeke. (Foto: B. Glumm)
Auch der Verwaltungsvorstand der Stadt Solingen gedachte Gerd Kaimer: v.li Stadtdirektor Hartmut Hoferichter, Schuldezernentin Dagmar Becker, Ordnungsdezernent Jan Welzel und Kämmerer Ralf Weeke. (Foto: B. Glumm)

 „Er war in der Lage, Vertrauen und Zuversicht zu vermitteln“

„Er war in der Lage, Vertrauen und Zuversicht zu vermitteln“, so Tim Kurzbach, der versprach, den humanistischen Gedanken Gerd Kaimers in Solingen stets lebendig zu halten. „Für mich ist er ein Vorbild dieser Zeit. Die Gerd-Kaimer-Bürgerstiftung soll die stärken, die bereit sind, etwas für diese Stadt mit ihren Bewohnerinnen und Bewohnern zu leisten. Die Stiftung soll helfen, Antworten zu finden, die in seinem Sinne sind“, erklärte der OB, der diese Stiftung in kürze ins Leben rufen möchte. Die Beisetzung Gerd Kaimers fand im engsten Familienkreise statt.

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