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Ein Sommernachtstraum – Kinderstück vom Solinger Stadtensemble

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Bei der Probe des Solinger Stadtensembles für den Sommernachtstraum - Athener Handwerker treffen sich im Zauberwald. (v. li.) Manfred Bremmer als Blasebalgflicker Flaut. Jürgen Nippel in der Rolle des Webers Zettel, und Ernst Seilheimer spielt den Schneider Schlucker. (Foto: © Martina Hörle)
Bei der Probe des Solinger Stadtensembles für den Sommernachtstraum - Athener Handwerker treffen sich im Zauberwald. (v. li.) Manfred Bremmer als Blasebalgflicker Flaut. Jürgen Nippel in der Rolle des Webers Zettel, und Ernst Seilheimer spielt den Schneider Schlucker. (Foto: © Martina Hörle)
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SOLINGEN (mh) – Treibt ein frecher Kobold im Zauberwald seinen Schabernack, geht es meist drunter und drüber. So auch im Sommernachtstraum, den das Solinger Stadtensemble gerade im Theater einstudiert. Uwe Dahlhaus vom Ensemble Profan hat das Kinderstück nach Motiven von William Shakespeare geschrieben. Vor der märchenhaften Kulisse im Pina-Bausch-Saal (Bühnenbild: Michael Tesch und Martin Witte) laufen die Proben auf Hochtouren.

Sommernachtstraum als Kinderstück

Renate Kemperdick spielt den Puck in diesem Stück. „Der Puck ist eine tolle Rolle“, strahlt die quirlige Darstellerin. „Er ist so witzig. Die Kinder müssen ihn einfach lieben.“ „Und die Kinder lieben Renate“, ergänzt Regisseur Michael Tesch. Jürgen Nippel spielt den „Zettel“ in dem Stück. Er arbeitet bereits seit 13 Jahren mit Tesch zusammen.  „Er hat für mich immer genau die richtige Rolle ausgesucht“, sagt Nippel. Und er erinnert sich gerne an die erste Aufführung „Galgenrecht“, geschrieben von Heidi Theunissen, aufgeführt 2004 in der alten Zollhalle im Südpark.

Insgesamt sind es rund 20 Schauspieler, die dieses Stück zum Leben erwecken. Regisseur Tesch ist sehr angetan vom Engagement seiner Darsteller. „Wir suchen immer klassische Stücke aus, aber solche, die den Kindern nicht bekannt sind. Also nicht das, was sie im Fernsehen oder Kino schon gesehen haben. Sie sollen deutlich den Unterschied zwischen Film und Theater erleben. Die Stücke werden von uns neu und kindgerecht bearbeitet, auch für Solingen passend lokalisiert. Wir haben Glück, dass Uwe Dahlhaus alle Darsteller gut kennt und ihnen als Autor ihre Figuren zuzusagen auf den Leib schreiben kann.“

Renate Kemperdick spielt die Rolle des frechen Koboldes Puck, der mit seiner Zauberei große Verwirrung stiftet. Links neben ihr Luzie Berkenkopf, die bereits in der ersten Aufführung vor zehn Jahren eine Elfe spielte und jetzt wieder dabei ist. Rechts die Elfe Bohnenblüte, gespielt von Leonie Cronauge. (Foto: © Martina Hörle)
Renate Kemperdick spielt die Rolle des frechen Koboldes Puck, der mit seiner Zauberei große Verwirrung stiftet. Links neben ihr Luzie Berkenkopf, die bereits in der ersten Aufführung vor zehn Jahren eine Elfe spielte und jetzt wieder dabei ist. Rechts die Elfe Bohnenblüte, gespielt von Leonie Cronauge. (Foto: © Martina Hörle)

Kurz zum Inhalt:

Zwischen Traum und Wirklichkeit dreht sich der Shakespeare-Klassiker um Liebe und Macht. Das Stück spielt im antiken Athen und in einem an die Stadt angrenzenden verzauberten Wald. Durch diesen Wald irren vier unglücklich Verliebte in einer Mittsommernacht. Sie ahnen nicht, dass sie sich im Zauberreich des mächtigen Elfenkönigs Oberon und seiner stolzen und schönen Königin Titania befinden.

Hier leben Feen, Elfen, Naturgeister und der freche Kobold Puck. Auch sechs Athener Handwerker treffen sich im Zauberwald, um ein Theaterstück vorzubereiten, das sie zur Hochzeit des Herzogs von Athen aufführen wollen.

Puck, der die Liebenden und die Handwerker im Wald entdeckt, sorgt mit Zaubereien dafür, dass die lange Sommernacht für alle turbulenter und zauberhafter als gedacht verläuft.

Bestehende Tradition verändert

Das Stadtensemble hat sich im Jahr 2004 aus den Bühnenspielen Höhscheid, der Theatergesellschaft Wohlgemuth und dem Ensemble Profan entwickelt. Jeweils im Dezember eines Jahres bringt das Ensemble im Auftrag des Kulturbüros ein Theaterstück für Kinder. Seit 2007 stellt die Gruppe unter der künstlerischen Leitung von Michael Tesch ihre Eigeninszenierungen auf die Beine. „Etwa ¾ der Urbesetzung ist immer noch mit dabei“, berichtet der Regisseur. „Luzie Berkenkopf hat vor zehn Jahren im Alter von 5 Jahren bei der Aufführung vom Sommernachtstraum 2007 mitgespielt. Jetzt, zehn Jahre später, ist sie wieder dabei. Unsere Mitwirkenden sind im Alter von 15 bis 78 Jahren.“

„Wir haben eine bestehende Tradition verändert“, betont Hans Knopper, Leiter des Kulturmanagements. „Die früheren Eigeninszenierungen der Kinderstücke lagen in den Händen von Siegfried Grote.“ Als ein Nachfolger gebraucht wurde, suchten Hans Knopper und Michael Tesch Kontakt zu anderen Kulturschaffenden. Auf Betreiben des früheren OB Franz Haug traf man sich am runden Tisch. Da entstand die Idee, aus Interessierten das Stadtensemble zu bilden. „Es ist quasi ein Projektensemble“, so Knopper. „Hier treffen viele unterschiedliche Erfahrungen zusammen. Das hat sich sehr bewährt.“

(v. li.) Manuela Hoor und Hans Knopper vom Kultur-Management freuen sich schon sehr auf das neue Stück. Die künstlerische Leitung liegt in den bewährten Händen von Michael Tesch. Uwe Dahlhaus hat das Kinderstück nach Motiven von Shakespeare verfasst. (Foto: © Martina Hörle)
(v. li.) Manuela Hoor und Hans Knopper vom Kultur-Management freuen sich schon sehr auf das neue Stück. Die künstlerische Leitung liegt in den bewährten Händen von Michael Tesch. Uwe Dahlhaus hat das Kinderstück nach Motiven von Shakespeare verfasst. (Foto: © Martina Hörle)

„Die Mitwirkenden gehen in die Schulen, sprechen mit Kindern und Lehrern und beantworten gerne ihre Fragen. Nur so können wir konkret mit unserer Zielgruppe arbeiten“, fährt Tesch fort. „Denn wir möchten den Kindern den Unterschied zwischen Theater und Film bzw. Kino nahebringen. Theater ist live. Wenn etwas passiert, dann passiert es eben. Eine Wiederholung ist nicht möglich. Das Schöne ist die Reaktion der Kinder. Sie sollen verstehen, dass allein durch das Vorstellen etwas wirklich scheinen kann. Das bestätigt sich immer wieder. Die Kinder gehen voll mit. Rufen „Achtung“ oder „pass auf“. Sie spüren, dass sie selbst als Publikum mitwirken, wollen in die Handlung eingreifen.“

Im Sommernachtstraum treten vier Musiker live auf. Ralf Mutz, der musikalische Leiter, komponiert die Melodien extra für die ausgewählten Schauspiele. Bei der Aufführung übernimmt er E-Gitarre und E-Bass, Philip Mancarella sitzt an Klavier und Keyboard, Peter van der Heusen spielt Saxophon, Flöte und Klarinette. Nico Stallmann findet man an seinem Schlagzeug. Manuela Hoor vom Kulturmanagement setzt hinzu: „Die Kinder sind immer fasziniert, wenn die Musiker hereinkommen und sich an ihre Instrumente setzen. Da wird nichts über den CD-Player gespielt. Die Live-Musik bereichert das Stück.“

Vier Musiker spielen live

Ganz begeistert ist Knopper auch von den immer weiter fortschreitenden technischen Möglichkeiten. Das Licht wird heute per Fernsteuerung geregelt. Caspar Wolfertz, Tontechniker, überwacht die Funkmikrofone mit Hilfe eines Tablets. „Dadurch kann ich sofort feststellen, ob beispielsweise ein Mikro ausgefallen ist.“

Regisseur Tesch ist jedes Jahr wieder überwältigt von der enormen Kartennachfrage. „Es ist ein großes Vertrauen, dass uns die Lehrer entgegenbringen. Wenn Solinger Schulen mal aussetzen, nehmen andere Schulen aus dem Umland sofort die Gelegenheit wahr, zu uns zu kommen. Unsere Aufführungen sind extra schulgerecht um 9 und um 12 Uhr.“

Ein Tag ist als Familientag gedacht. Diesmal ist es der 17. Dezember, ein Sonntag. An diesem Tag wird die Vorstellung auf 15 Uhr gesetzt, damit die ganze Familie gemeinsam kommen kann. Im Innenhof des Theaters gibt es einen kleinen Wintermarkt mit Ständen, an denen man sich in der Pause mit Glühwein, süßen Waffeln oder herzhaften Würstchen stärken kann. Kinder bekommen leckeren Kinderpunsch oder heißen Kakao.

Sonntag Vorstellung für die Familie

„Kinder sind das anspruchsvollste Publikum. Von ihnen kommt eine sofortige Reaktion. Häufig bringen wir sie zum ersten Mal in Kontakt zum Theater. Vorher fragen sie oft, wie lange denn der Film dauert. Doch durch unser Spiel erleben sie etwas, was sie staunen macht. Sie bekommen etwas geboten – und sie geben es zurück. Im Idealfall sagen sie: „Da will ich nochmal hin.“ Mittlerweile wissen wir natürlich durch unsere Schulbesuche und unseren Austausch, was die Kinder mögen und was nicht.“

Liebesszenen gehören zu dem, was sie nicht mögen“, betont der Regisseur. Und darauf nimmt er Rücksicht. Wer möchte schon aus 800 Kehlen „Iiii“ hören.

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