Start Aktuelles Ex-Agent aus Israel in Solingen: Er drehte den „Grünen Prinzen“ um

Ex-Agent aus Israel in Solingen: Er drehte den „Grünen Prinzen“ um

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Der Freundeskreis Solingen/Ness Ziona erzählte am Donnerstagabend in der Cobra ein spannendes Stück Nahost-Konflikt mit gutem Ausgang: v.li: Michael Sandmöller vom Freundeskreis Solingen/Ness Ziona, Ronit und Gonen Ben Yitzhak aus Solingens Partnerstadt in Israel und Bernd Krebs, Vorsitzender des Freundeskreises Solingen/Ness Ziona. (Foto: B. Glumm)
Der Freundeskreis Solingen/Ness Ziona erzählte am Donnerstagabend in der Cobra ein spannendes Stück Nahost-Konflikt mit gutem Ausgang: v.li: Michael Sandmöller vom Freundeskreis Solingen/Ness Ziona, Ronit und Gonen Ben Yitzhak aus Solingens Partnerstadt in Israel und Bernd Krebs, Vorsitzender des Freundeskreises Solingen/Ness Ziona. (Foto: B. Glumm)
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SOLINGEN (bgl) – Es ist eine Geschichte, die locker für einen Blockbuster aus Hollywood taugen würde. Hier der junge Palästinenser, Sohn eines der Gründer der Terrororganisation Hamas. Von ihm wird erwartet, den Weg des mörderischen Kampfes gegen Israel zu gehen und in die Fußstapfen des Vaters zu treten. Dort der Agent des israelischen Inlandsgeheimdienstes Shin Bet, der es schafft, den jungen Palästinenser anzuwerben – und umzudrehen. Der Führungsoffizier und der Spion. Aus den Gegnern, die sich in Extremsituationen kennenlernen, werden Freunde. Diese Geschichte ist wahr. Und einer der beiden Protagonisten ist derzeit in Solingen zu Besuch. In der Cobra erzählte der ehemalige Geheimdienst-Mitarbeiter Gonen Ben Yitzhak am Donnerstagabend die Geschichte seines Lebens. Und die Geschichte des Lebens seines Gegenparts und Schicksals: Mosab Hassan Yousef. Er trug damals den Decknamen „The Green Prince“ („Der grüne Prinz“).

Kontakt kam über Partnerschule in Ness Ziona zustande

So heißt auch der preisgekrönte Dokumentarfilm rund um die beiden außergewöhnlichen Männer, den der Freundeskreis Solingen/Ness Ziona am Donnerstag in der Cobra zeigte. Mit dabei waren Gonen Ben Yitzhak und seine Mutter Ronit, die beide aus Solingens Partnerstadt in Israel Ness Ziona kommen. „Ronit war Austauschlehrerin in unserer Partnerschule. Ich war mehrmals bei ihr zu Besuch“, erinnerte sich Michael Sandmöller vom Freundeskreis Solingen/Ness Ziona, der Lehrer an der Alexander-Coppel-Gesamtschule ist und dort die Schüleraustausche mit Ness Ziona mitorganisiert. Über Mutter Ronit kam der Kontakt schließlich zu Sohn Gonen. „Nach weiteren Besuchen habe ich Gonen schließlich gefragt, ob er nicht einmal Interesse hätte, uns hier in Solingen zu besuchen“, sagte Michael Sandmöller. Eine knappe Woche sind Mutter und Sohn zu Gast in der Klingenstadt.

Gonen Ben Yitzhak war zehn Jahre lang Mitarbeiter des israelischen Geheimdienstes Shin Bet. Er kommt aus Solingens Partnerstadt Ness Ziona und ist gemeinsam mit seiner Mutter Ronit zu Gast in der Klingenstadt. (Foto: B. Glumm)
Gonen Ben Yitzhak war zehn Jahre lang Mitarbeiter des israelischen Geheimdienstes Shin Bet. Er kommt aus Solingens Partnerstadt Ness Ziona und ist gemeinsam mit seiner Mutter Ronit zu Gast in der Klingenstadt. (Foto: B. Glumm)

Von 1996 bis 2006 in Diensten des Inlandsgeheimdienstes Shin Bet

Gonen Ben Yitzhak war von 1996 bis 2006 in Diensten des israelischen Inlandsgeheimdienstes Shin Bet. Während dieser Zeit kam er in Kontakt mit Mosab Hassan Yousef. Dieser war zwar Sohn eines der Gründer der Hamas, selbst aber zunächst kein Mitglied der Terrororganisation. Bei einer Aktion wurde er dennoch verhaftet und wurde im Gefängnis vom Geheimdienst angeworben. Die Geschichte, die sich zwischen den beiden Männern in den darauffolgenden Jahren entspann, ist ebenso unglaublich wie faszinierend. Gonen Ben Yitzhak wurde der Führungsoffizier von Mosab Hassan Yousef.

Mosab Hassan Yousef schrieb seine GEschichte auf und veröffentlichte diese im Buch "Sohn der hamas". Heute lebt er in den USA. (Archivfoto: B. Glumm)Mosab Hassan Yousef schrieb seine GEschichte auf und veröffentlichte diese im Buch "Sohn der hamas". Heute lebt er in den USA. (Archivfoto: B. Glumm)
Mosab Hassan Yousef – der „Grüne Prinz“ –  schrieb seine Geschichte auf und veröffentlichte diese im Buch „Sohn der Hamas“. Heute lebt er in den USA. (Archivfoto: B. Glumm)

Eine enge Freundschaft zwischen Führungsoffizier und Informant

Aufgrund der Zusammenarbeit der beiden Männer konnten zahlreiche Terroranschläge vereitelt werden, zumal Hassan Yousef immer mehr Zugang zum Führungskreis rund um seinen Vater bekam, der ein hoher Hamas-Funktionär war. Yousef verließ schließlich das Westjordanland in Richtung USA und dort drohte ihm letztlich die Ausweisung, was für einen „Verräter“, der er in den Augen der Palästinenser nunmal war und auch noch ist, drastische Konsequenzen gehabt hätte. Der Führungsoffizier des Shin Bet kümmerte sich um seinen ehemaligen Schützling. So konnte er in den USA bleiben, wo er noch immer lebt. Die Freundschaft hält bis heute. Die beiden telefonieren wöchentlich.

Gonen Ben Yitzhak engagiert sich heute für den Umweltschutz

In Solingen haben Ronit und Gonen Ben Yitzhak ein strammes Programm. Ein Besuch des Gräfrather Marktplatzes und des Zentrums für verfolgte Künste im Kunstmuseum standen ebenso auf der Tagesordnung, wie die Teilnahme an der Gedenkveranstaltung anlässlich der Reichpogromnacht am 9. November und eine Stippvisite bei Oberbürgermeister Tim Kurzbach im Rathaus. Und selbstverständlich wurde auch der Werksverkauf von Zwilling und Haribo aufgesucht. Übrigens: 2006 wurde Gonen Ben Yitzhak aus dem Shin Bet entlassen. Anschließend besuchte er wieder die Uni, studierte unter anderem Jura und engagiert sich seitdem stark für den Umweltschutz in seiner Heimat Israel.

Freundeskreis Solingen / Ness Ziona e.V. im Internet

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1 KOMMENTAR

  1. Fabelhaft.

    Ich habe das Buch das er geschrieben hatte verschlungen.
    Und endlich bekomme ich auch die dazugehörigen Gesichter des Shin Bet geliefert und auch sehr gutes Hintergrundmaterial dazu gut recherchiert wiedergegeben.

    Da es ja auch eine wahre Geschichte ist,wird einem klarer wie wichtig auch der Austausch zwischen den Völkern und die Hoffnung auf Frieden ist,wenn auch dies schwierig sein mag.

    Schade das ich nicht dabei dein konnte.

    Peter Thorsten Meier

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