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Galerie Kirschey: Vielfalt der Drucktechnik begeistert Besucher

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Viele Besucher waren zur Vernissage der Projektgruppe Druckgrafik Bergisch Land in die Galerie Kirschey gekommen. Die vielfältigen Werke der Druckkunst stießen auf reges Interesse. In kleinen Gruppen fand ein reger Informationsaustausch statt. (Foto: © Martina Hörle)
Viele Besucher waren zur Vernissage der Projektgruppe Druckgrafik Bergisch Land in die Galerie Kirschey gekommen. Die vielfältigen Werke der Druckkunst stießen auf reges Interesse. In kleinen Gruppen fand ein reger Informationsaustausch statt. (Foto: © Martina Hörle)
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SOLINGEN (mh) – „Was da ist – eine interessante Dreierkonstellation, die je nach Betonung ganz schnell ihren Sinn verändert“, stellte Gisela Schmoeckel fest und definierte dann: „Eine Druckwerkstatt stellt Drucksachen her.“

So begann die Kulturjournalistin und Kunsthistorikerin am Sonntag ihre Eröffnungsrede bei der Vernissage der Projektgruppe Druckgrafik Bergisch Land in der Galerie Kirschey. Die 15 Künstlerinnen und Künstler präsentierten neben einem Querschnitt ihrer Exponate ihren nun schon siebten Druckkalender. „Ich habe die bisherigen Kalender immer mit Spannung verfolgt“, gestand Gisela Schmoeckel. „Es gehört schon eine gewisse Experimentierfreudigkeit zur Drucktechnik. Ein Holzbrett oder eine Linolplatte reagieren anders als eine Metallplatte. Bei keinem Abdruck weiß man so ganz genau, was dabei herauskommt.“

Zur Drucktechnik gehört Experimentierfreudigkeit

Die Kunsthistorikerin gab dem zahlreich erschienenen Publikum einen Überblick über die Inhalte der Ausstellung: „Die Bezeichnung Druckwerkstatt steht hier nicht für eine Ausstellung von massenhaft bedruckten Papiersachen, sondern von Werken, die mit historischen Druckpressen gestaltet wurden, und das in einer Zeit, in der jeder von uns seinen digitalen Drucker direkt auf dem Schreibtisch stehen hat.“ Die Radierung beispielsweise gibt es bereits seit dem 15. Jahrhundert. Sie entstand als Sonderform des Kupferstichs. Die Ergebnisse erwecken den Eindruck einer Zeichnung, nicht eines Drucks. Schon Dürer wendete das grafische Tiefdruckverfahren an. Und auch Rembrandt schätzte diesen typischen Effekt.

In ihrem Wegweiser nimmt Künstlerin Carmen Meiswinkel mit dem Hinweis auf das Grundgesetz Stellung zu den Flüchtlingsströmen auf der Suche nach einer besseren Welt. (Foto: © Martina Hörle)
In ihrem Wegweiser nimmt Künstlerin Carmen Meiswinkel mit dem Hinweis auf das Grundgesetz Stellung zu den Flüchtlingsströmen auf der Suche nach einer besseren Welt. (Foto: © Martina Hörle)

Im Unterschied zum Zeichnen oder Malen muss für das Drucken ein Zwischenträger – eine Druckform – gestaltet werden. Über diesen Zwischenträger gelangt die Farbe aufs Papier. Trotz sorgfältigster Planung ist das Resultat oft überraschend. „Genau das macht den Reiz der Drucktechnik aus“, war Schmoeckel überzeugt.

Die Ausstellung bot eine außerordentlich vielseitige und abwechslungsreiche Mischung der verschiedensten Drucktechniken. Originalgrafiken wechselten sich ab mit Holz- und Linolschnitten. Gleich neben Metall- und Schablonendrucken hingen Radierungen und Lithografien. Ulla Schenkel hatte in ihrer Darstellung aus Scherenschnitt, Malerei und Grafik eine faszinierende Komposition geschaffen. Petra Mohr zeigte in ihrem großformatigen Pressholzpapierschnitt ein Kindergesicht, was von Schnitt zu Schnitt immer intensiver von lebendigen Ornamentschichten umgeben wurde, in die ein Phönix eingebettet war.

Vielfalt der Drucktechnik begeistern Besucher

Boris von Reibnitz verfolgte in seinem Holzschnitt auf fast spielerische Weise den Weg von der Skizze zum Vierfarbdruck. Die Farbgebung ermöglichte einen Übergang vom Statischen ins Dynamische. Im Gegensatz dazu spiegelte das Gesicht des Drachenmanns von Alvar Siefert in harten Schwarz-Weiß-Linien den Ausdruck des unter Kontrolle Stehenden. Maria Pienkowski demonstrierte in der Käfigform mit der dunklen Vogelsilhouette symbolhaft das Leiden des Gefangenseins.

Bei Carmen Meiswinkel reihten sich reliefartig Figurenbilder an den Seiten eines Pfeilers aneinander. Der Wegweiser in seiner Mitte offenbarte die eingeschnittenen Worte „Die Würde des Menschen ist unantastbar – in Ewigkeit“. Darüber hängende Röhren aus Papier versinnbildlichten Menschen auf der Suche nach einem besseren Leben. Damit nimmt die Künstlerin Stellung zu den Flüchtlingsströmen damals wie heute.

Im Exponat von Stephan Preuß schwimmt ein Kopf zwischen leeren Booten. Das Gesicht entspricht Michelangelos David von Florenz. (Foto: © Martina Hörle)
Im Exponat von Stephan Preuß schwimmt ein Kopf zwischen leeren Booten. Das Gesicht entspricht Michelangelos David von Florenz. (Foto: © Martina Hörle)

Barbara Held bediente sich bei ihrem Bildmotiv einer Fotografie von Paola Diva. Ihr Zweiplattendruck stellt ein Eselchen im Boot dar. Der lasierende Abdruck der gemaserten Platte weckt Assoziationen zu Wasser. Der Rabe taxiert den Betrachter intensiv mit seinen klugen Augen. Marlene Mintert nennt diese Radierung „Der Aufpasser“. Die Farbradierung „Alles im Griff“ von AnneLi Schröder ist eine scharfe satirische Entlarvung menschlicher Überheblichkeit und gibt zu erkennen, dass wir eben nicht alles im Griff haben.

Das Titelbild des Kalenders wurde von Ulla Riedel entworfen. In ihren Arbeiten, die derzeit hauptsächlich im Bereich des Schablonendrucks zu finden sind, bezieht sich Riedel auf organische, makroskopische Strukturen, aus denen unentwegt neue Formationen von Mustern entstehen. Fast skizzenhaft hatte Sarah Doerr die Pferdekörper angelegt. Die Leichtigkeit und der Schwung des Zeichnens entsprechen dem natürlichen Bewegungsablauf der Körper. Mit Blättern mexikanischer Pflanzen auf recycelten Papiertüten verdeutlichte Tatiana Stroganova den Kreislauf von Technik und Natur.

Neuer Druckkalender findet regen Absatz

Teresa Wojciechowska hatte für ihre Bilder Schablonen aus dünnen Metallfolien entworfen. In ihren Werken spiegelt sich die Vereinsamung des Menschen, der sich in der Isolation ständig mit seinem eigenen „Ich“ konfrontiert sieht. Bei Stephan Preuß tauchte der Kopf eines Ertrinkenden inmitten von leeren Booten aus dem Wasser. Das Gesicht ist das Ebenbild des von Michelangelo geschaffenen David von Florenz.

Die zahlreichen Besucher waren an der Drucktechnik überaus interessiert und stellten den Künstlern manche Frage. In vielen kleinen Gruppen fand ein reger Informationsaustausch statt. Auch der neue Kalender weckte großes Interesse. So manches Exemplar fand schnell ein neues Zuhause.

Bis zum 18. Oktober sind die Arbeiten in der Galerie Kirschey, Alexander-Coppel-Straße 22, jeden Donnerstag und Sonntag von 14 – 18 Uhr und nach Vereinbarung zu besichtigen.

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