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Historisches Ferienspiel im Klingenmuseum

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Beim historischen Ferienspiel schlüpfen alle Teilnehmer in historische Gewänder. Diesmal geht es ins Jahr 1851. In der alten Schmiede wird unermüdlich gearbeitet. (Foto: © Martina Hörle)
Beim historischen Ferienspiel schlüpfen alle Teilnehmer in historische Gewänder. Diesmal geht es ins Jahr 1851. In der alten Schmiede wird unermüdlich gearbeitet. (Foto: © Martina Hörle)

SOLINGEN (mh) – Im Klosterhof des Deutschen Klingenmuseums können Kinder diese Woche eintauchen in das Jahr 1851. Das ist die Zeit des berühmten Gräfrather Augenarztes Friedrich Hermann de Leuw. Er ist auf dem Weg nach London zur ersten Weltausstellung. Gräfrath darf im Salon des Zollvereins im Kristallpalast Erzeugnisse präsentieren. Jedes Haus hat etwas hergestellt. Doch nur zwei Objekte der Gräfrather Handwerkskunst können ausgestellt werden. Welche werden es sein?

Weltausstellung im Kristallpalast in London

„Die Künstlerin hat ein großes Gemälde in einer neuen Stilrichtung, dem Impressionismus, entworfen. Das Bild zeigt die große Buche vor dem Haus. Der Telegrafeningenieur Schöffe hat den ersten Telegrafen gebaut, der in Echtzeit schreibt. In der Schenke wurde ein dunkles Bier gebraut und vor allem eine Substanz entwickelt, die einen Kater verhindert. Die Schmiede hat aus einer alten Fahrradkette ein Armband geschweißt. Das Spektakulärste aber ist in der Apotheke passiert. Hier haben sich die Apotheker daran gemacht, für die aufkommende Industrialisierung Klone herzustellen – mit Erfolg. Die Apothekerin ging allein in den Kasten hinein und zu zweit kamen sie heraus.“

Museumspädagoge Olaf Fabian-Knopges, Leiter der Ferienveranstaltung, verkörpert den Schmied Heinrich Küller. (Foto: © Martina Hörle)
Museumspädagoge Olaf Fabian-Knöpges, Leiter der Ferienveranstaltung, verkörpert den Schmied Heinrich Küller. (Foto: © Martina Hörle)

So erzählt Schmied Heinrich Küller, während er an seiner Pfeife zieht. Verkörpert wird er durch Olaf Fabian-Knöpges, den Leiter der Ferienveranstaltung.

„Die Ferienveranstaltung des Museums ist immer ein historisches Spiel, bei dem sich die Teilnehmer in eine Rolle begeben. Dabei versuchen sie, mit eigenen Händen Dinge zu schaffen, die einer alten Zeit und damit auch einer alten Technologie entspringen“, erläutert Fabian-Knöpges. Das Thema und die Rahmenhandlung stammen von ihm selbst. Dieses Projekt entsteht in Zusammenarbeit mit der Uni Düsseldorf. Außer Fabian-Knöpges sind alle Teammitglieder dort Studenten im Studiengang Geschichte. Sie nutzen mit dieser Veranstaltung die Möglichkeit eines Praktikums.

Historische Gewänder und neue Namen

Drei Hütten sind im Hof des Klosters aufgebaut. Hier findet das Leben wie damals statt. Das Team besteht aus acht Personen. Das Ferienspiel ist auf 30 Kinder ausgelegt, findet aber genauso gut mit weniger oder auch mehr Kindern statt. Manche Teilnehmer, die in der vorigen Woche dabei waren, hatten so viel Spaß, dass sie sich für diese Woche erneut angemeldet haben. Auch Kinder aus den vergangenen Jahren kommen immer wieder gerne.

Gertrude kocht in der Schänke das Essen und schreibt die Rechnung dafür. Die Schänke selbst gehört Hannelore Schale und ihrem Bruder. Hannelore hat mit einem Gehilfen Maische angesetzt und will nun Papier schöpfen. Die Geschichtsschreiberin hält eine Geschichte über das Dorf fest. Friedrich Kunze baut derzeit aus den verschiedenen Holzarten Messergriffe, die später in der Schmiede angepasst werden. Da lodert hell das Feuer in der Esse. Währenddessen bearbeitet der Schmied mit seinen Gehilfen gerade verschiedene Werkstücke. Frau Konstanze, die Künstlerin, porträtiert vor ihrer Kunstwerkstatt den berühmten Augenarzt Friedrich Hermann de Leuw.

Augenarzt Friedrich Hermann de Leuw lässt sich von der Künstlerin Frau Konstanze porträtieren. (Foto: © Martina Hörle)
Augenarzt Friedrich Hermann de Leuw lässt sich von der Künstlerin Frau Konstanze porträtieren. (Foto: © Martina Hörle)

Tagelöhner suchen Arbeit und finden sie meist in der Schmiede. Für einen Silberpfennig müssen sie einen Tag lang arbeiten. Dieser Silberpfennig ist ein 360stel Taler. Er reicht aus, um einen Menschen mit allem zu versorgen, was er für einen Tag braucht.

„Was man hier erfährt, lernt man in der Form nicht aus Büchern“, bekräftigt Fabian-Knöpges. Der Museumspädagoge wendet diese Methode seit etwa 20 Jahren an und hält sie nach wie vor für die beste. „Es ist ein völlig anderer Zugang zu Geschichte. Auf diese Weise kann man Menschen an sich selbst heranführen. Jeder trägt ein Kostüm, hat einen anderen Namen, ist eine andere Person. Das hat einen entscheidenden Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung. Das soziale Leben der älteren Epoche wird ebenfalls verwirklicht. Die Gruppe macht vieles zusammen, sei es nun das gemeinsame Essen oder das Arbeiten an Werkstücken. In der heutigen arbeitsteiligen Welt wird das immer seltener“, ist Fabian-Knöpges überzeugt.

Ein Silberpfennig für einen Tag Arbeit

Auch für ihn selbst stellt das Historienspiel eine Herausforderung dar. Er spielt seine Rolle, ist gleichzeitig Betreuer und sorgt für den gemeinschaftlichen Aspekt. Nicht einfach, aber „total spannend“, wie er begeistert sagt.

Das Ferienspiel dauert noch bis zum Freitag. Eine Teilnahme für einzelne Tage ist kurzfristig möglich. Anmeldung unter 0212 2583610

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