
SOLINGEN (mh) – Was mit einem Bollerwagen und der Idee zweier Familien begann, hat sich innerhalb weniger Jahre zu einer festen Größe im Ohligser Stadtleben entwickelt. Der „Kleinste Zoch von Ohligs“ begeistert inzwischen rund 1.000 Jecken und war zugleich die Keimzelle für den neu gegründeten „Kleinsten Verein von Ohligs e.V.“. Hinter dem ungewöhnlichen Namen verbirgt sich ein engagiertes Team, das weit mehr bewegen möchte als nur Karneval.
„Wir sind der Kleinste Verein von Ohligs und engagieren uns für Kinder, Jugendliche, Kultur, Teilhabe und ein lebendiges Miteinander in Ohligs“, beschreiben die beiden Vorsitzenden Christiane Backendorf und Danica Stock das Ziel ihres Vereins. Ihre Veranstaltungen seien bewusst niedrigschwellig, kreativ und offen für alle Generationen. Ob Mitmachaktionen, kleine Feste oder kulturelle Angebote – der Verein möchte Begegnungen schaffen und Menschen zusammenbringen.
Vom kleinen Karnevalszug zur großen Idee
Die Geschichte des „Kleinsten Zochs“ begann bereits 2015. Damals wollten zwei Familien mit ihren kleinen Kindern Karneval feiern, ohne zum großen Solinger Rosenmontagszug fahren zu müssen. Stattdessen planten sie, mit einem Bollerwagen durch die Ohligser Fußgängerzone zu ziehen. Doch schnell zeigte sich, dass sie mit ihrer Idee nicht allein waren. Bereits 2016 rollte der erste „Kleinste Zoch von Ohligs“ durch den Stadtteil. Was damals noch überschaubar begann, entwickelte sich Jahr für Jahr weiter.
„Was 2016 als kleine Initiative begann, hat sich inzwischen zu einer festen Größe im Ohligser Karneval entwickelt“, berichtet die erste Vorsitzende Christiane Backendorf. „Als unsere Kinder noch zu klein für einen großen Zug waren, wollten wir Karneval trotzdem auf der Straße feiern.“
Heute zählt der Zug rund 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Familien, Kinder und Nachbarn ziehen gemeinsam mit Bollerwagen, Musik und selbst mitgebrachten Kamelle durch die Straßen. Trotz des starken Wachstums soll der familiäre Charakter erhalten bleiben. „Der Zoch ist bewusst als Mitmachveranstaltung gedacht. Jeder kann mitmachen und Teil des närrischen Treibens werden“, ergänzt Danica Stock.
Doppelter Grund zur Freude
2026 war für die Organisatoren ein besonderes Jahr. Am 14. Februar feierte der „Kleinste Zoch von Ohligs“ sein zehnjähriges Bestehen. Gleichzeitig wurde aus der bisherigen Initiative ein eingetragener gemeinnütziger Verein.
Bereits Ende 2025 war der „Kleinste Verein von Ohligs e.V.“ offiziell gegründet worden. Am 20. Januar 2026 fiel schließlich der Startschuss für die Vereinsarbeit.
Mit der Vereinsgründung entstanden neue Möglichkeiten. „Unsere Vorhaben und Pläne lassen sich als Verein viel leichter umsetzen“, erklärt Danica Stock. „Als gemeinnütziger und ehrenamtlicher Verein können wir Förderanträge stellen und dadurch Projekte finanzieren, die vorher kaum möglich gewesen wären.“
Kultur und Teilhabe künftig im Mittelpunkt
Der Karneval bleibt zwar ein Herzstück des Vereins, doch längst reichen die Pläne weit darüber hinaus. Die Verantwortlichen möchten insbesondere Kultur, Brauchtum sowie die Kinder- und Jugendhilfe fördern.
So entwickelt Vereinsmitglied Jens Rohleder digitale Rallyes für Kinder. Bereits verfügbar ist die Rallye „Norbert“, die per App im Solinger Vogel- und Tierpark gespielt werden kann. Die Teilnahme erfolgt gegen eine Spende, die vollständig dem Tierpark zugutekommt.
Weitere Projekte befinden sich bereits in der Planung. Dazu gehört unter anderem eine Ohligser Abenteuer-App, mit der Kinder ihren Stadtteil spielerisch entdecken können. Auch die Geschichte der Stolpersteine soll altersgerecht vermittelt werden. Darüber hinaus laufen Gespräche mit Anja Stock von der Cobra über ein Kuscheldecken-Kino. Weitere Vereinsmitglieder arbeiten an musikalischen Angeboten, die Menschen verschiedener Generationen zusammenbringen sollen.
Buttons werden zum Erfolgsmodell
Großen Anklang findet auch das sogenannte Button-Business des Vereins. „Ursprünglich hatten wir die Buttons für das Dürpelfest gemacht“, erzählt Christiane Backendorf. Inzwischen wurden sie unter anderem beim Pfingstfest im Vogel- und Tierpark angeboten. „Die Buttons sind uns förmlich aus den Händen gerissen worden.“
Die Motive gibt es als Schlüsselanhänger, Flaschenöffner oder klassische Anstecker. Sie werden gegen eine freiwillige Spende abgegeben. Allein durch diese Aktion konnten kürzlich 600 Euro an den Solinger Vogel- und Tierpark übergeben werden.

Der harte Kern des Vereins besteht aus rund 20 Mitgliedern. Fast alle engagieren sich zusätzlich mit Tierpatenschaften im Solinger Vogel- und Tierpark. Größer soll der Verein bewusst nicht werden. „In dieser Größenordnung können wir schnell Entscheidungen treffen und flexibel reagieren“, betonen Christiane Backendorf und Danica Stock.
Wer die Arbeit dennoch unterstützen möchte, kann sich über den eigens gegründeten Förderverein beteiligen. Da sämtliche Projekte ausschließlich ehrenamtlich organisiert werden und der Verein keine wirtschaftlichen Interessen verfolgt, ist er auf Spenden sowie die Unterstützung der Solinger Stadtgesellschaft und örtlicher Unternehmen angewiesen.
Gemeinsam mehr für Ohligs bewegen
Dass aus einer kleinen Karnevalsidee einmal ein gemeinnütziger Verein entstehen würde, hätte bei der ersten Bollerwagen-Tour wohl niemand erwartet. Heute steht der „Kleinste Verein von Ohligs“ für weit mehr als Karneval. Er versteht sich als Plattform für Begegnung, Kreativität und bürgerschaftliches Engagement – mit dem Ziel, das Leben im Stadtteil aktiv mitzugestalten.
Getreu seinem Motto zeigt der Verein, dass manchmal gerade die kleinsten Ideen die größte Wirkung entfalten können.
































