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Pogromnacht: Solinger gedenken auf vielfältige Weise

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Bereits am Donnerstagabend wurde auf dem Schulhof des Gymnasiums Schwertstraße der 1938 zerstörten Synagoge im Rahmen einer Kunstaktion gedacht. (Foto: © Bastian Glumm)
Bereits am Donnerstagabend wurde auf dem Schulhof des Gymnasiums Schwertstraße der 1938 zerstörten Synagoge im Rahmen einer Kunstaktion gedacht. (Foto: © Bastian Glumm)

SOLINGEN (bgl) – Solingens Synagoge an der Malteserstraße wurde 1872 errichtet. Das majestätische Gebäude stand dort 66 Jahre. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Synagoge von Nationalsozialisten angezündet. In ganz Deutschland brannten in jener schicksalhaften Nacht, der so genannten „Reichskristallnacht“, die Synagogen. Auch in Solingen hatte die Feuerwehr die Anweisung bekommen, das Gebäude nicht zu löschen. So brannte die Synagoge komplett aus, die Reste des Gotteshauses wurden bereits am 10. November 1938 abgerissen. Zumindest für einen Abend wurde der von den Nazis am ehemaligen Platz der Synagoge errichtete Hochbunker wieder ein kleines Stück in die alte Synagoge verwandelt.

Diw Solinger Synagoge sichtbar gemacht

Dafür sorgten am Donnerstagabend Studentinnen und Studenten der Kunsthochschule für Medien Köln (KHM) in Zusammenarbeit mit dem Solinger Kunstverein um Ideengeber Andreas Schäfer mit ihrem Projekt „(Un)sichtbar“. Rund 150 Menschen kamen am Abend zusammen, um die audiovisuelle Auseinandersetzung der Künstler mit der Solinger Synagoge und ihrer Zerstörung zu sehen. Eigens aus Israel angereist kam Elly Feist. Sie ist die Enkelin des letzten Synagogenvorstehers in Solingen.

Elly Feist reiste eigens aus Israel nach Solingen, um am Gedenken anlässlich der Opfer der Reichspogromnacht teilzunehmen. Sie ist die Enkelin des letzten Solinger Synagogenvorstehers und hält hier den Schlüssel zur Synagoge. (Foto: © Bastian Glumm)

„Es ist ein großartiges Zeichen, dass Elly Feist heute hier bei uns in Solingen ist. Den Nazis ist es nicht gelungen, jüdisches Leben in unserer Stadt unsichtbar zu machen. Jüdinnen und Juden, sie gehören zu Solingen. Damals und heute und in alle Zukunft“, sagte Oberbürgermeister Tim Kurzbach in seiner Ansprache.

Am frühen Freitagnachmittag fand an gleicher Stelle das offizielle Gedenken für die Opfer von Nazi-Terror und Holocaust statt. Rund 250 Menschen, darunter zahlreiche Schülerinnen und Schüler, kamen zusammen. „Auch die Schicksale einzelner Juden hier aus Solingen sollen nicht untergehen in einer Zahl von Millionen. Dafür stehen die Stolpersteine“, sagte Pastor Edgar Daub von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Solingen (ACK). Er lobte die Arbeit der Schülerinnen und Schüler, die sich immer wieder auf den Weg machen, um die Stolpersteine in Solingen zu pflegen und zu putzen.

Antisemitismus ist nach wie vor ein Problem

„Mir ist es ein Anliegen, dass wir jungen Menschen beispielhaft vorangehen. Für uns ist das Leben mit vielen Nationalitäten längst selbstverständlich geworden und viel selbstverständlicher, als noch für andere Altersgenerationen“, erklärte Finn Grimsehl-Schmitz, Vorsitzender des Solinger Jugendstadtrates. Leonid Goldberg, Vorsitzender der Jüdischen Kultusgemeinde Wuppertal, erinnerte daran, dass sich Menschen jüdischen Glaubens auch heute viel zu oft – und sogar in zunehmendem Maße – antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt sehen.

Leonid Goldberg (li.) ist Vorsitzender der Jüdischen Kultusgemeinde Wuppertal, zu der auch Solingen gehört. Rabbi David Vinitz (mi.) sprach am Freitag am Ort der ehemaligen Solinger Synagoge ein Gebet. (Foto: © Bastian Glumm)
Leonid Goldberg (li.) ist Vorsitzender der Jüdischen Kultusgemeinde Wuppertal, zu der auch Solingen gehört. Rabbi David Vinitz (mi.) sprach am Freitag am Ort der ehemaligen Solinger Synagoge ein Gebet. (Foto: © Bastian Glumm)

In vielen Gemeinden würden zahlreiche Mitglieder laut über die Auswanderung nach Israel nachdenken. „Damals hatten die deutsche Juden noch Glück, wenn man überhaupt von Glück sprechen kann. Sie hatten noch die Möglichkeit auszuwandern. Viele andere Juden, wie in Polen, der Tschechoslowakei und auch der Sowjetunion, konnten das nicht. Die Länder wurden überfallen und sie kamen sofort ins KZ“, erinnerte Goldberg.

Demonstrationszug des Jugendstadtrates

Rabbi David Vinitz sprach zum Abschluss des Gedenkens ein Gebet. In einem Demonstrationszug zogen nach der Gedenkveranstaltung auf Einladung des Jugendstadtrates zahlreiche Schülerinnen und Schüler von der Malteserstraße zum Theater und Konzerthaus. Dabei trugen sie Schilder mit Namen von Opfern der Nazis. Im Theater und Konzerthaus wurde das Gedenken der Reichspogromnacht mit weiteren Aktionen für Jugendliche zum Abschluss gebracht. Am späten Nachmittag wurden zudem an den verlegten Stolpersteinen in der ganzen Stadt im Rahmen der Aktion „Ein Licht für Stolpersteine“ Kerzen aufgestellt.

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