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Solinger gedenken der Opfer des Brandanschlags

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Rund 300 Solingerinnen und Solinger kamen gestern am Mahnmal am Mildred-Scheel-Berufskolleg zusammen, um der Opfer des Brandanschlags von vor 24 Jahren zu gedenken. (Foto: © B. Glumm)
Rund 300 Solingerinnen und Solinger kamen gestern am Mahnmal am Mildred-Scheel-Berufskolleg zusammen, um der Opfer des Brandanschlags von vor 24 Jahren zu gedenken. (Foto: © B. Glumm)
Stadtwerke Solingen

SOLINGEN (bgl) – 24 Jahre ist es her, als an jenem frühen Morgen des 29. Mai 1993 vier junge Männer an der Unteren Wernerstraße zuschlugen und das Haus der Familie Genc in Brand setzten. Für fünf Mädchen und Frauen kam jede Hilfe zu spät. „Das ist lebendig in unseren Seelen. Wir sehen die Bilder von damals und fühlen wie damals“, sagte gestern Oberbürgermeister Tim Kurzbach in seiner Gedenkrede am Mahnmal an der Mildred-Scheel-Schule. Dort versammelten sich rund 300 Solingerinnen und Solinger, um der Opfer des Mordanschlages vom Mai 1993 zu gedenken. Und um zu mahnen. „Wer sich nicht erinnern will, der kann die Zukunft nicht gestalten“, betonte Kurzbach.

Erinnerungskultur in Solingen lebendig halten

An der Gedenkstunde nahm auch die türkische Generalkonsulin Sule Gürel teil. Zudem kam Mustafa Yeneroglu, Abgeordneter der Erdogan-Partei AKP, zum Mahnmal an der Mildred-Scheel-Schule. „Solange der 29. Mai 1993 in der Erinnerung der meisten Solingerinnen und Solinger noch so lebendig ist wie selbst bei mir als damals sehr jungem Menschen, mache ich mir um die Erinnerungskultur in unserer Stadt keine Sorgen“, sagte der OB. Nach einer Gedenkminute wurden Koranverse rezitiert.

In der Woche nach dem Brandanschlag erlebte Solingen Tage der Gewalt. Ein wütender Mob, darunter zahllose Randalierer aus dem gesamten Bundesgebiet, verwüstete ganze Straßenzüge. Die Polizei war mit noch nie dagewesener Personalstärke in der Klingenstadt im Dauereinsatz. Zudem nutzten politische Kräfte von türkischen links- wie rechtsgerichteten Gruppierungen die Trauer für ihre Zwecke. Für viele Solinger bleibt auch jene Woche der Verwüstung und der Angst unvergessen.

Oberbürgermeister Tim Kurzbach (li.) überreichte Urkunde und den "Silbernen Schuh" an Frank Knoche (mi.) und Norbert Schmelzer vom Solinger Appell. (Foto: © B. Glumm)
Oberbürgermeister Tim Kurzbach (li.) überreichte Urkunde und den „Silbernen Schuh“ an Frank Knoche (mi.) und Norbert Schmelzer vom Solinger Appell. (Foto: © B. Glumm)

Solinger Appell erhielt den „Silbernen Schuh“

Mevlüde Genc war es, die bereits kurz nach dem Brandanschlag dazu aufforderte, aufeinander zuzugehen und in Freundschaft gemeinsam in dieser Stadtgesellschaft zu leben. Sie verlor beim Solinger Mordanschlag zwei Töchter, zwei Enkelinnen und eine Nichte. Stets war sie das starke Symbol für Toleranz und Dialog. Der Dialog war auch immer eines der Ziele des Solinger Appells, der sich unter dem Eindruck des Brandanschlages 1993 gründete.

Gestern Abend wurde ihm im Mildred-Scheel-Berufskolleg vom Bündnis für Toleranz und Zivilcourage der „Silberne Schuh“ 2017 verliehen. „Der Solinger Appell wurde als Netzwerk gegründet, um das Erschrecken in Handeln umzuwandeln“, lobte Oberbürgermeister Kurzbach. Der Solinger Appell organisierte Demonstrationen, Kongresse, Workshops und Podiumsdiskussionen gegen Rassismus und Neofaschismus und brachte eine eigene Zeitung heraus. Der „Silberne Schuh“ wird seit 2004 vergeben und ehrt Einzelpersonen oder Gruppen für mutige Aktionen oder andauerndes Engagement.

Volksbank Bergisches Land

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