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Stadtbibliothek Solingen: Stephan Dönhoff – in Gesichtern lesen

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Stephan Dönhoff, Fachmann für Gesichtlesen, zeigte bei seinem Vortrag überraschende Parallelen zwischen Charaktereigenschaften und Gesichtsmerkmalen auf. Die Kunst des Gesichtslesens hat ihren Anfang bereits in der Antike. (Foto: © Martina Hörle)
Stephan Dönhoff, Fachmann für Gesichtlesen, zeigte bei seinem Vortrag überraschende Parallelen zwischen Charaktereigenschaften und Gesichtsmerkmalen auf. Die Kunst des Gesichtslesens hat ihren Anfang bereits in der Antike. (Foto: © Martina Hörle)

SOLINGEN (mh) – „Es steht dir im Gesicht geschrieben.“ Diese und ähnliche Redewendungen hat man schon oft gehört. Besucher der Stadtbibliothek konnten sich am Donnerstagabend im Gesichtlesen üben.

Im Gesichtlesen üben

Stephan Dönhoff, langjähriger Eventmanager mit den Schwerpunkten Teambuilding und Kommunikation, beschäftigt sich seit etwa fünf Jahren intensiv mit der Lehre der Physiognomik, dem Lesen in Gesichtern. Diese über 2.000 Jahre alte Kunst hat ihren Namen aus einer Zusammensetzung von „Physis“ (Körper) und „Gnoma“ (Kennzeichen). Bereits in der Antike versuchte man sich in dieser Lesart.

„Das Gesicht verändert sich im Lauf der Zeit“, erklärte Dönhoff. „Je mehr wir erlebt haben, desto mehr Spuren sind zu finden. Durch bedeutende Prägungen in der Kindheit, im persönlichen Umfeld und in der Gesellschaft bekommt unser Gesicht Ecken und Kanten.“ „Das Gesicht ist ein Lebenswerk“, fuhr er fort, „und erzählt seine ganz individuelle Geschichte.“ Bei dieser Veranstaltung galt es nun, die jeweilige Geschichte in anderen Gesichtern zu finden. Stephan Dönhoff führte die 60 Besucher auf spielerische Weise an das Thema heran. Anhand eines Fragebogens sollte jeder Teilnehmer einen anderen einschätzen. „Wichtig ist heute der Mensch, der hinter Ihnen sitzt“, erläuterte der Eventmanager die weitere Vorgehensweise und erklärte auch gleich, warum. „Bekannte sitzen meist nebeneinander. Es geht aber darum, aus einem fremden Gesicht zu lesen.“

Mit Freude und Begeisterung übten sich die Teilnehmer des Abends an dem Lesen in fremden Gesichtern. Es galt, 14 Fragen aus den unterschiedlichsten Bereichen zu beantworten. (Foto: © Martina Hörle)
Mit Freude und Begeisterung übten sich die Teilnehmer des Abends an dem Lesen in fremden Gesichtern. Es galt, 14 Fragen aus den unterschiedlichsten Bereichen zu beantworten. (Foto: © Martina Hörle)

Die Teilnehmer, neugierig geworden, waren gerne dazu bereit. In Minutenschnelle entwickelten sich lebhafte Unterhaltungen. Jeder fragte sich natürlich, wie er denn wohl eingeschätzt würde und wie gut er das selbst vermochte. So manche Überraschung kam heraus. Besonders freuten sich die Partner mit hoher Punktzahl: Der eine, weil er so treffend gedeutet hatte, der andere, weil man in seinem Gesicht wie in einem Buch lesen konnte.

Ursprung vieler Redensarten

Die jeweiligen Fragen wurden anschließend an Beispielen analysiert. Damit hatte Dönhoff absichtlich bis nach dem Test gewartet. Die Mitmachenden sollten ja mit Intuition und Bauchgefühl an die Fragen herangehen, Auch hier wieder zahlreiche Redewendungen, die man zwar kennt, aber nicht unbedingt in diesem Zusammenhang hinterfragt hat. „Immer der Nase nach, nicht so engstirnig sein, jemandem die Stirn bieten.“ Bei der Analyse ging es unter anderem um Persönlichkeit, Temperament, Wahrnehmung, Kommunikation und Arbeitsleben. Überrascht erfuhren die Teilnehmer, dass das Temperament an den Augenbrauen zu erkennen ist, die Rationalität dagegen an der Stirn. „Haare reagieren auf unser Wesen. Je dünner die Haare, umso empfindsamer der Mensch. Falten sind gelebte Emotionen.“ Nur einige der vielen faszinierenden Erläuterungen des Fachmanns, die er zur Verdeutlichung durch Bilder darstellte.

Die Fotos zeigen beide Stephan Dönhoff. Durch Fotomontage ist auf dem linken Bild die linke Gesichtshälfte gespiegelt, auf dem rechten Bild die rechte Gesichtshälfte. Ein starker Kontrast zwischen der persönlichen Seite und der sozialen Maske. (Foto: © Martina Hörle)
Die Fotos zeigen beide Stephan Dönhoff. Durch Fotomontage ist auf dem linken Bild die linke Gesichtshälfte gespiegelt, auf dem rechten Bild die rechte Gesichtshälfte. Ein starker Kontrast zwischen der persönlichen Seite und der sozialen Maske. (Foto: © Martina Hörle)

Der Gesichtleser gab klar zu verstehen, wie wichtig es sei, nicht nur aus einem einzigen Aspekt heraus seine Schlüsse zu ziehen. „Der Mensch ist ein Puzzle“, betonte Dönhoff. „Er setzt sich aus vielen verschiedenen Facetten zusammen. Ganz wichtig: Gesichtlesen hat nichts mit Schubladendenken zu tun.“ Er führte den Zuhörern klar vor Augen, dass alle tagtäglich in den Gesichtern von anderen lesen. Und ein kleiner Tipp: Man sollte immer auf das Prägnanteste in einem Gesicht achten.

Abschließend zeigte der Redner das Ergebnis eines Selbstexperimentes. Das eigene Gesicht, zwei Mal als Frontalfoto nebeneinander. Mit Hilfe von Fotomontage stellte das eine Bild beidseits nur die linke Gesichtshälfte dar, das andere Foto nur die rechte Seite. Völlig unterschiedliche Gesichter ein und derselben Person.

Fotomontage mit verblüffendem Ergebnis

Während Kenntnisse über die Körpersprache inklusive Mimik und Gestik weit verbreitet sind, ist beim Gesichtlesen noch viel Pionierarbeit zu leisten. „Es ist ein sehr komplexes Thema. Die meisten Fachbücher sind bisher in Englisch geschrieben“, stellte Dönhoff fest. An diesem Abend hatte er jedenfalls bei vielen das Interesse geweckt. Noch viele Fragen musste Dönhoff im Anschluss beantworten. Eine aufschlussreiche und spannende Veranstaltung, die großen Anklang fand. So mancher wird sich überlegen, wie er die Erkenntnisse über das Lesen in Gesichtern in den beruflichen oder/und privaten Alltag integrieren kann.

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