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Stadtkirche am Fronhof: Solinger Künstler stellen aus

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Neben vielen Veranstaltungen und Aktionen findet im Rahmen der Kulturwoche auch eine Ausstellung statt. Vier Solinger Künstlerinnen und Künstler präsentieren einen kleinen Querschnitt durch ihre Werke. Hier zeigt die Fotografin Maryam Sabri ihre Türen-Reihe. Diese farbenprächtigen Türen hat sie vor einiger Zeit in Djerba aufgenommen. (Foto: © Martina Hörle)
Neben vielen Veranstaltungen und Aktionen findet im Rahmen der Kulturwoche auch eine Ausstellung statt. Vier Solinger Künstlerinnen und Künstler präsentieren einen kleinen Querschnitt durch ihre Werke. Hier zeigt die Fotografin Maryam Sabri ihre Türen-Reihe. Diese farbenprächtigen Türen hat sie vor einiger Zeit in Djerba aufgenommen. (Foto: © Martina Hörle)
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SOLINGEN (mh) – Seit letztem Samstag gibt es im Rahmen der Kulturwoche in der Stadtkirche am Fronhof täglich ein interessantes und fröhliches Veranstaltungsprogramm aus Lesungen, Musik, Tanz und mehr. Komplettiert werden die Aktionen durch ein Kunst-Rahmenprogramm. Vier Solinger Künstlerinnen und Künstler zeigen eine kleine Auswahl ihrer vielseitigen Arbeiten.

Neben Aktionen auch Kunst-Rahmenprogramm

Rotraut Quarch malt schon seit rund 30 Jahren. „Angefangen habe ich mit einem VHS-Kurs bei Anita Herzog-Graf“, erinnert sie heute noch gern zurück. 15 Jahre lang hat sie deren Kurse besucht. Später malte sie daheim in ihrem kleinen Atelier weiter. Zwei Mal konnte sie ihre Werke in der Galerie ART-ECK, damals noch bei Ruth Boomers, ausstellen. „Eigentlich nahm Frau Boomers keine Hobbykünstler in ihre Galerie. Doch bei mir machte sie eine Ausnahme.“ Darauf ist Quarch heute noch ein bisschen stolz.

Die künstlerische Ader hat sie von ihren Eltern mitbekommen. Die Mutter war in der Malerei zuhause, der Vater in Musik und Theater. Neben ihrer Malerei hat Rotraut Quarch fast 20 Jahre in einem Laientheater gespielt und ist damit in der Piccolomödie in Wuppertal aufgetreten, bis sich niemand mehr fand, der die Gruppe leiten wollte.

Rotraut Quarch malt schon seit dreißig Jahren. Ihre Werke reichen von gegenständlich bis abstrakt. Gerne probiert sie Neues aus. (Foto: © Martina Hörle)
Rotraut Quarch malt schon seit dreißig Jahren. Ihre Werke reichen von gegenständlich bis abstrakt. Gerne probiert sie Neues aus. (Foto: © Martina Hörle)

Zu ihrer Malerei sagt die Künstlerin: „Meine Bilder werden häufig nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich probiere gerne aus und mache immer wieder etwas anderes.“ Acht Bilder hat sie für die Ausstellung mitgebracht, darunter zwei interessante Strukturbilder aus Limonadenflaschendeckeln, zerschnittenen Klopapierrollen, Seidenpapier und Acrylfarbe. Ein anderes Werk ist mit mehreren Schichten Marmormehl entstanden, auf die Akzente mit Acrylfarbe gesetzt wurden.

„Ich male gerne monochrom oder mit Erdtönen, aber genauso gerne farbig und leuchtend.“ Ihre Werke reichen von gegenständlich bis abstrakt und tragen ausnahmslos keine Titel. Rotraut Quarch möchte es den Betrachtern selbst überlassen, was sie sehen.

Verborgene Schätze dieser Welt

Maryam Sabri, in Kabul geboren und seit einigen Jahren in Solingen ansässig, hat schon immer gerne besondere Momente fotografisch festgehalten. Sie möchte mit ihren Fotografien auf die verborgenen Schätze dieser Welt aufmerksam machen. Ihre erste Ausstellung hatte sie vor zwei Jahren im Atelier KünstlerPack im Südpark.

„Ich bin schon als Kind immer mit einer kleinen Kamera in der Hand herumgelaufen“, lacht sie und erinnert sich an Aufnahmen von Familienfeiern. Vor etwa zehn Jahren kaufte sie sich ihre erste professionelle Kamera. „Ich reise sehr gerne. Da entdeckt man viele verborgene Orte.“ Mit einem Bild kann man so vieles ausdrücken, das mit Worten gar nicht möglich ist, findet die Fotografin. Sie zeigt in der Ausstellung eine Türen-Serie. Auf neun Bildern sieht der Besucher einzigartige Türen, alle in Form, Farbe und Ausstattung völlig unterschiedlich gestaltet. Manche zeigen Verzierungen, andere sind mit Schriftzügen versehen. „Diese Türen habe ich vor kurzem in Djerba aufgenommen. Die Vielseitigkeit hat mich unglaublich fasziniert“, schildert Sabri ihre Eindrücke. „Ich frage mich dann immer, wie alt die Tür wohl ist, aus welchem Material sie besteht und wer dahinter lebt.“

Frank Voß beschäftigt sich intensiv mit Computergrafik. Viele seiner Objekte existieren gar nicht in der realen Welt. Er erschafft Objekte am Rechner. (Foto: © Martina Hörle)
Frank Voß beschäftigt sich intensiv mit Computergrafik. Viele seiner Objekte existieren gar nicht in der realen Welt. Er erschafft Objekte am Rechner. (Foto: © Martina Hörle)

Ihre zweite mitgebrachte Serie zeigt drei Bilder einer Wasseroberfläche, die durch unzählige kleine grüne Blätter fast völlig verdeckt wird. Hier hat Sabri mit unterschiedlich starkem Zoom die Ansichten verändert. Ihre Aufnahmen lässt sie mal auf Papier oder MDF-Platten, mal direkt auf Leinwand drucken. Auch ihre Werke tragen keinen Namen. „Der Betrachter soll sich selbst ein Bild davon machen, was er sieht“, liefert sie schmunzelnd ein kleines Wortspiel.

„Ich habe mich schon als Kind für Fotografie interessiert“, sagt der Solinger Frank Voß und denkt dabei an die AGFA Box, die er zu seiner Konfirmation geschenkt bekam. Später während des Studiums widmete er der Fotografie sehr viel Zeit. Derzeit beschäftigt er sich viel mit der Thematik der Wahrhaftigkeit und Aussagekomprimierung von Bildern. „Werbung, Fotografie, Film, Fernsehen haben unsere Sehgewohnheiten geprägt“, sagt er.

Objekte am Rechner erstellen

„Einerseits fotografiere ich und andererseits erschaffe ich selbst Objekte am Rechner“, erklärt Voß und überlegt, ob diese Beschäftigung, der er extrem viel Zeit widmet, noch als Hobby gilt. Er hat vier großformatige Bilder (80 x 120 cm) mitgebracht, von denen nur eins auf der Grundlage eines Fotos entstanden ist. „Die anderen drei Objekte existieren in der realen Welt gar nicht“, erläutert er seine Arbeiten. „Sie entstehen ohne Vorlagen am Computer.“ Sein Lieblingsbild wird erst bei starkem Lichteinfall sichtbar. Es erinnert an das Kunstwerk „Die Kerze“ von Gerhard Richter.

Mittlerweile beschäftigt sich der Ingenieur ausgiebig mit Computergrafik. Auf einem Bild zieht ein Spirograf goldene Fäden vor einem schwarzen Hintergrund. „Es dauert mitunter ziemlich lang, bis ich das Ergebnis habe, das ich möchte“, gibt Voß unumwunden zu. „Und manchmal kommt etwas völlig anderes dabei heraus.“ Derzeit arbeitet er an einem neuen Projekt. „Mit dem Thema „Tanzen“ nähere ich mich wieder der realen Welt. Trotzdem werden die Menschen am Rechner erstellt.“

Künstler Peter Amann setzt Fundstücke zu neuen Objekten zusammen. Seine Werke bieten häufig Anlass zu philosophischen Betrachtungen. Amann macht Kunst, um daraus zu lernen. (Archivfoto: © Martina Hörle)
Künstler Peter Amann setzt Fundstücke zu neuen Objekten zusammen. Seine Werke bieten häufig Anlass zu philosophischen Betrachtungen. Amann macht Kunst, um daraus zu lernen. (Archivfoto: © Martina Hörle)

Künstler Peter Amann vom Atelier Pest-Projekt hat für die Ausstellung ganz besondere Skulpturen ausgewählt. Seine Werke bestehen meist aus Holz und Stahl. Er setzt Fundstücke zusammen und verbindet Kunst mit Handwerk.

„Die in meinen Objekten verwendeten Fundstücke erzählen ihre Geschichten, kommen zusammen und werden zu einer neuen. Kunst und gutes Handwerk verbinden sich“, erklärt Amann. So wie beispielsweise sein Nilschiff. Die Grundform ist aus einem Kumt (oder Kummet) gemacht, das früher dazu benutzt wurde, Zugtiere einzuspannen. Das Teil besteht aus Leder und einem gebogenen Stück Holz. Komplettiert hat Peter Amann das Schiff mit mehreren Fundstücken Holz. „Das Schiff ist so gebaut, dass man, um alles zu sehen, ganz herum gehen muss“, erklärt Amann. Der Betrachter kann nicht das ganze Teil auf einmal erfassen. Wer genau hinsieht, entdeckt als kleinen Gag in der Takelage des Schiffes eine kleine Biene. Es ist Willy, der Freund von Biene Maja.

Objekte aus Fundstücken erzählen Geschichten

Der Turm ist einem Bild der Englischen Nationalbibliothek nachempfunden. Es zeigt einen ähnlichen Bau, der vor mehreren hundert Jahren im Golf von Venedig zu finden war. „Ich fand diese Form so beeindruckend“, sagt Peter Amann. Am Fuße des Turms schwimmt ein kleines rotes Boot. „Man weiß nicht, ob es gerade ankommt oder abfährt“, stellt Amann fest und zieht Parallelen zu seiner derzeitigen Lebenssituation.

Provokant wirkt eine Jesusfigur auf einem Mensch ärgere Dich nicht Spielbrett. Den Titel „Gott würfelt nicht“ hat der Künstler von Einstein übernommen, der überzeugter Atheist war. Hier verknüpft der Künstler unabänderliche Naturgesetze der Physik mit der Entscheidungsmöglichkeit des Menschen. Der Weg auf dem Spielbrett ist der Weg des Menschen zu einem Ziel. „Die Menschen wandern durchs Leben, haben den Gral vor Augen. Sie suchen nach dem Glück und vergessen, dass man es nur finden kann, wenn man nicht danach sucht.“ Amann beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Zen-Buddhismus und hat dadurch im Leben eine große Zufriedenheit gefunden. „Ich will mit meiner Kunst nicht provozieren“, betont er. „Ich mache Kunst, um daraus zu lernen.“

Kunst machen, um zu lernen

Ein Wind- und Klangspiel, eine kleine Schatulle und ein Objekt mit vielen kleinen Spiegeln (Titel: „Erkenne dich selbst“) komplettieren die Sammlung Peter Amanns.

Die Ausstellung ist bis zum Ende der Kulturwoche am kommenden Freitag zu besichtigen. Hier noch einmal das vollständige Programm der Kulturwoche.

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