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„Etwas Neues – etwas Altes – etwas Fremdes“ – Wollaquarelle von Anna Engel

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(v. li. Dr. Heinz-Werner Würzler, Silke Koppetsch, Anna Engel) Freuen sich über die Kooperation und die gelungene Ausstellung (Foto: © Martina Hörle)
(v. li. Dr. Heinz-Werner Würzler, Silke Koppetsch, Anna Engel) Freuen sich über die Kooperation und die gelungene Ausstellung (Foto: © Martina Hörle)
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SOLINGEN (mh) – An den Wänden im Lichtraum der Stadtbibliothek Solingen hängen 17 Aquarelle, entstanden ohne Pinsel und Farbe. In einer aparten Technik hat die russische Künstlerin Anna Engel (*1976 in St. Petersburg) zauberhafte, stimmungsvolle Werke geschaffen. Sie verwendet Wolle statt Farbe sowie Schere und Pinzette statt Pinsel.

„Diese Technik habe ich in Russland kennengelernt und mich sofort darin verliebt“, lächelt sie und verrät auch gleich, warum. „Es ist eine saubere und entspannende Form der Arbeit. Man verwendet wunderbares Material, das den Darstellungen zu einer warmen und stimmungsvollen Atmosphäre verhilft und außergewöhnliche Farbkompositionen erzeugt.“

Wolle, Schere und Pinzette

Die Wollaquarell-Technik ist eine unkonventionelle und kreative Art von dekorativer Kunst. Die Darstellungen weisen keine scharfen Linien auf, sondern weiche Farbübergänge und gelungene Schattierungen, wie man sie meist auf Aquarellzeichnungen findet. Seit sieben Jahren widmet sich Engel intensiv dieser Kunstform. Auf einer vorbereiteten Grundlage, meist Baumwollstoff, entwirft sie mit Kohle zunächst eine Skizze. Danach wird gefärbte Wolle gezupft, geformt, geschnitten. Das komplette Werk entsteht aus unzähligen Wollstückchen, die dem Werk eine ausgeprägte Dichte geben. Zum Schluss wird das Objekt mit Glas geschlossen und eingerahmt. Manche der Arbeiten erhalten zusätzlich ein Passepartout.

Die Aquarelle sind nur aus Wolle gefertigt. 17 Exponate stellt die Künstlerin in der Stadtbibliothek aus. (Foto: © Martina Hörle)
Die Aquarelle sind nur aus Wolle gefertigt. 17 Exponate stellt die Künstlerin in der Stadtbibliothek aus. (Foto: © Martina Hörle)

„Bei der Hängung der Bilder konnten wir kaum glauben, dass alles mit Wolle entstanden ist“, staunt Silke Koppetsch von der Stadtbibliothek. Sie findet die Arbeiten einfach unglaublich und ist, genau wie ihre Kolleginnen und Kollegen, begeistert. „Kunst und Bibliothek passen gut zusammen“, bekräftigt Koppetsch.

Technik im VHS-Kurs erlernbar

Die Ausstellung ist eine Kooperation zwischen der Bergischen VHS und der Stadtbibliothek. Dr. Heinz-Werner Würzler ist ebenfalls zur Vernissage gekommen. „Es ist wirklich toll, welche Anfragen an die VHS gerichtet werden. Frau Engel hat bei uns einen Deutschkurs besucht und bei der Gelegenheit von ihren Wollaquarellen erzählt.“ Dr. Würzler gesteht, dass ihm diese Technik gänzlich unbekannt war. Doch jetzt ist er sehr beeindruckt von den Gemälden. „Ich freue mich, dass die Kooperation mit der Stadtbibliothek möglich war und wir jetzt gemeinsam diese Exponate präsentieren können.“ Dann weist er darauf hin, dass die Künstlerin ihre Technik im Rahmen eines VHS-Kurses, der am 5. September startet, Interessierten gerne weitergibt.

Anna Engel (re.) erzählt den Besuchern, dass die Wollaquarelltechnik ursprünglich aus Deutschland kommt. (Foto: © Martina Hörle)
Anna Engel (re.) erzählt den Besuchern, dass die Wollaquarelltechnik ursprünglich aus Deutschland kommt. (Foto: © Martina Hörle)

„Diese Technik ist für jeden leicht erlernbar. So können auch diejenigen Bilder entwerfen, die von sich selbst glauben, nicht malen zu können“, erklärt Anna Engel. Wichtig ist die Micronzahl der Wolle. Sie gibt Aufschluss über die Qualität der Fasern. Ein Micron entspricht einem tausendstel Millimeter. Die Künstlerin verwendet ausschließlich Wolle mit 16 – 19 Micron.

Auf den ersten Blick erscheint die Wollaquarell-Technik als neu und fremdartig, entspricht somit dem Titel der Ausstellung. Aber wieso alt? Zu ihrer Verblüffung hören die Besucher, dass die Technik ursprünglich aus Deutschland kommt, nur im Laufe der Zeit in Vergessenheit geraten ist. Um 1920 herum fand sie erstmals in einer Waldorf-Schule Anwendung. Als die Waldorf-Schulen später nach Russland kamen, wurde diese Technik als besondere Kunstart weiterentwickelt. Jetzt bringt Anna Engel sie zurück in die Heimat.

Zurück in der Heimat

Bis zum 7. September 2019 ist die Ausstellung im 1. Obergeschoss der Stadtbibliothek während der Öffnungszeiten zu besichtigen.

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