Start Aktuelles Klinikum Solingen: Der Spagat zwischen Ethik und Ökonomie

Klinikum Solingen: Der Spagat zwischen Ethik und Ökonomie

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten, 4 Sekunden
1
TEILEN
Freuten sich über einen regen Austausch im Klinikum: v.li. Dr. Hans-Joachim Müller-Stöver, Vorsitzender Aufsichtsrat Klinikum, Simone Grimm-Heimbrodt, Vorsitzende Klinisches Ethik Komitee im Klinikum, Prof. Dr. Giovanni Maio, Prof. Dr. med. Peter Heering, Chefarzt der Nephrologie und Allgemeinen Inneren Medizin im Klinikum und Kai Sturmfels, stellv. Vorsitzender Aufsichtsrat Klinikum. (Foto: B. Glumm)
Freuten sich über einen regen Austausch im Klinikum: v.li. Dr. Hans-Joachim Müller-Stöver, Vorsitzender Aufsichtsrat Klinikum, Simone Grimm-Heimbrodt, Vorsitzende Klinisches Ethik Komitee im Klinikum, Prof. Dr. Giovanni Maio, Prof. Dr. med. Peter Heering, Chefarzt der Nephrologie und Allgemeinen Inneren Medizin im Klinikum und Kai Sturmfels, stellv. Vorsitzender Aufsichtsrat Klinikum. (Foto: B. Glumm)

SOLINGEN (bgl) – Giovanni Maio ist studierter Philosoph und Doktor der Medizin. Eine Kombination, die eher selten ist. Gleichzeitig vereint der Universitätsprofessor nicht nur Kenntnisse aus beiden Bereichen. Er versucht den Brückenschlag zwischen der klinischen Medizin und der Ethik. Und zwar ganz praktisch vor Ort. Am Dienstag war der bekannte Ethikforscher zu Gast im Klinikum. Im Gespräch mit dem medizinischen Personal, Mitgliedern des Klinischen Ethik Komitees und des Aufsichtsrates wurden Wege erörtert, wie Ökonomie und Ethik in einem kommunal getragenen Krankenhaus unter ein Dach gebracht werden können.

„Es gibt da ein Spannungsfeld. Einerseits muss die schwarze Null stehen. Und auf der anderen Seite bleibt die Zuwendung zum Patienten etwas auf der Strecke“, gibt Kai Sturmfels vom Aufsichtsrat des Klinikums zu. Zwar würde das System der dualen Finanzierung mit seinen Fallquoten kostendeckend sein. „Das allerdings leider nur theoretisch“, so Sturmfels weiter. Insofern werde man auch im Klinikum jeden Tag aufs Neue mit der Herausforderung konfrontiert, einerseits Geld verdienen zu müssen und andererseits den Patienten fürsorglich und menschlich zu behandeln.

Prof. Dr. Giovanni Maio stezt sich dafür ein, dass bei der Patientenbehandlung wieder der Mensch und nicht die Rendite im Mittelpunkt steht. (Foto: B. Glumm)
Prof. Dr. Giovanni Maio setzt sich dafür ein, dass bei der Patientenbehandlung wieder der Mensch und nicht die Rendite im Mittelpunkt steht. (Foto: B. Glumm)

„Ökonomie dient dazu, die Medizin zu ermöglichen“

„Es führt kein Weg darum, den Heilberufen das zu ermöglichen, wofür sie angetreten sind“, fordert Prof. Dr. Giovanni Maio. Und das sei die Behandlung von Menschen. „Ökonomie dient dazu, die Medizin zu ermöglichen“, macht der Ethiker deutlich. Seiner festen Überzeugung nach sei es aber nicht die Aufgabe eines Arztes, für das Krankenhaus Gewinne zu erwirtschaften. Gleichwohl ist sich auch Ethikmediziner Giovanni Maio sehr wohl bewusst, dass viele Krankenhäuser in Deutschland hier einen echten Spagat vollbringen müssen, damit das Eine nicht wegen des Anderen auf der Strecke bleibt.

„Eine menschliche Medizin ist nicht unmöglich, aber sie wird sehr erschwert“, erklärt Maio mit Blick auf die vielen bürokratischen Hürden, die tagtäglich von den Medizinern genommen werden müssen. Für ihn sei sogar ein „Kampf gegen die Strukturen“ im Gange. Ganz so drastisch äußerte sich Prof. Dr. Peter Heering, Chefarzt der Nephrologie und Inneren Medizin im Klinikum, zwar nicht, doch betonte er, dass „wir dieses Spannungsfeld Tag für Tag erleben. Aber das ist ja nicht nur ein Solinger Problem“, so der Mediziner.

Im Klinikum sei ein sehr fruchtbarer Diskurs zwischen Medizinern, Ökonomen und dem Ethik Komitee schon immer ein wichtiger Teil der Arbeit. Denn das sei auch wichtig, um vor allem die jungen Mediziner bei der Stange zu halten. „Das sind nunmal keine Betriebswirte. Da gibt es viele Gutmenschen im eigentlichen Wortsinne, die wollen helfen“, erklärt Heering. Wer dann einmal zu viel mit dem Taschenrechner um die Ecke komme, der bräuchte sich nicht zu wundern, wenn die jungen Ärzte sich eine andere Anstellung suchen würden. „Wir müssen uns immer wieder auf unsere Werte besinnen. Und die sind nicht monetär, die sind menschlich“, fordert auch Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Hans-Joachim Müller-Stöver.

Klinikum im Internet: www.klinikum-solingen.de

Volksbank Bergisches Land

1 KOMMENTAR

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here