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Stadt sieht „Generationenaufgabe“ Integration auf gutem Weg

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Oberbürgermeister Tim Kurzbach (li.) schaute sich am Dienstag bei den Technischen Betrieben (TBS) in Wald um. Dort wird der junge Syrer Mohammed Ammar Dahrouj (2.v.li.) im kommenden Jahr eine Ausbildung beginnen. Mit dabei: TBS-Ausbildungsleiter Christoph Dorenbeck (2.v.re.) und TBS-Abteilungsleiter Herbert Schulz. (Foto: © Bastian Glumm)
Oberbürgermeister Tim Kurzbach (li.) schaute sich am Dienstag bei den Technischen Betrieben (TBS) in Wald um. Dort wird der junge Syrer Mohammed Ammar Dahrouj (2.v.li.) im kommenden Jahr eine Ausbildung beginnen. Mit dabei: TBS-Ausbildungsleiter Christoph Dorenbeck (2.v.re.) und TBS-Abteilungsleiter Herbert Schulz. (Foto: © Bastian Glumm)

SOLINGEN (bgl) – Als die Flüchtlingskrise vor rund zweieinhalb Jahren auf ihrem Höhepunkt war, traf diese die Klingenstadt ebenso unvorbereitet, wie den Rest des ganzen Landes. „Deutschland war vorbereitet auf 40.000 Flüchtlinge. Gekommen sind mehr als eine Millionen Menschen“, erinnerte Oberbürgermeister Tim Kurzbach. Am Dienstag ludt die Verwaltung zu einer Pressekonferenz in die Dependance der Technischen Betriebe (TBS) an der Gottlieb-Heinrich-Straße in Wald ein.

Dort wurde bilanziert: Insgesamt kamen seit 2015 2.842 Menschen aus 56 Ländern in die Klingenstadt. Der Großteil der Geflüchteten, 1.203 Menschen, kam aus dem kriegsgebeutelten Syrien nach Solingen. Im laufenden Jahr 2017 ist die Zahl der Flüchtlinge dann drastisch zurückgegangen. Nur noch 116 Menschen kamen in Solingen an.

767 geflüchtete Kinder ins Schulsystem integriert

„Man kann gar nicht oft genug Danke sagen, was unzählige Solingerinnen und Solinger seitdem geleistet haben. Das Projekt der Integration ist aber nicht abgeschlossen, es wird eine Generationenaufgabe“, machte Kurzbach deutlich. Während in der akuten frühen Phase der Flüchtlingskrise vor allem eine menschenwürdige Unterkunft und die Versorgung der Flüchtlinge auf der Prioritätenliste ganz weit oben standen, traten nach und nach die Sprachförderung und nicht zuletzt die Integration in den Arbeitsmarkt in den Vordergrund.

So konnten von den 767 geflüchteten Kindern und Jugendlichen ausnahmslos alle in das Solinger Schulsystem integriert werden. Rund 400 Flüchtlinge besuchen derzeit Sprachkurse, erklärte Mike Häusgen, Leiter des kommunalen Jobcenters. Der ausgesetzte Familiennachzug würde diese Arbeit nicht leichter machen: „Die Teilnehmer in unseren Sprachkursen haben deshalb oft den Kopf nicht frei“, bedauerte Häusgen.

Ab Sommer Ausbildung zum Elektrotechniker

Ein rundum gelungenes Beispiel dafür, wie auf Flucht und Sprachförderung die berufliche Integration folgen kann, präsentierte die Stadt mit dem 21-jährige Mohammed Ammar Dahrouj. Der junge Mann flüchtete 2015 aus Syrien, als er damals in die Armee eingezogen werden sollte. Über viele Etappen, die er teils zu Fuß zurücklegte, gelangte er schließlich nach Solingen. Erfolgreich durchlief er Sprachkurse und kann sich heute ganz hervorragend auf Deutsch verständigen.

Der 21-jährige Mohammed Ammar Dahrouj kam vor zwei Jahren aus Syrien nach Solingen. Im Sommer 2018 wird er bei den Technischen Betrieben eine Ausbildung zum Elektrotechniker beginnen. (Foto: © Bastian Glumm)
Der 21-jährige Mohammed Ammar Dahrouj kam vor zwei Jahren aus Syrien nach Solingen. Im Sommer 2018 wird er bei den Technischen Betrieben eine Ausbildung zum Elektrotechniker beginnen. (Foto: © Bastian Glumm)

„Ich bin ganz alleine nach Solingen gekommen, habe hier aber inzwischen Freunde gefunden“, erzählte der 21-Jährige. Bei den Technischen Betrieben soll er im Sommer kommenden Jahres eine Ausbildung zum Elektrotechniker machen. Seine Vorbildung kommt ihm dabei zu Gute: In seiner Heimatstadt Damaskus hat der junge Mann das Fachabitur mit dem Schwerpunkt Elektrotechnik abgelegt. Derzeit durchläuft er eine entsprechende Einstiegsqualifizierung.

Positive Integrationsstatistik beim kommunalen Jobcenter

Die Integrationsstatistik für 2017 fällt für das Jobcenter außerordentlich positiv aus. Mohammed Ammar Dahrouj trägt mit seiner Geschichte dazu bei. So ist es der Behörde in den vergangenen zwölf Monaten gelungen, mehr als doppelt so viele Menschen in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse zu vermitteln wie es die Vorgabe des Landes Nordrhein-Westfalen verlangt. Ende Oktober waren es 137 erfolgreiche Integrationen. Das Soll lag jedoch für das laufende Jahr nur bei 73. Weitere 16 Geflüchtete konnten in diesem Jahr zudem in ein Ausbildungsverhältnis gebracht werden.

Mohammed Ammar Dahrouj freut sich auf die neue Herausforderung, die im kommenden Sommer auf ihn zukommen wird. Und Pläne hat er für die Zukunft auch schon: „Eine Familie gründen“, sagte der 21-Jährige. Vorher natürlich eine erfolgreich absolvierte Ausbildung und anschließend im Job Fuß fassen. Übrigens: Seine Familie konnte nach ihrer Flucht in den Niederlanden eine neue Heimat finden. Rund drei Stunden müsse der junge Mann fahren, um sie besuchen zu können. Eine Rückkehr nach Syrien spielt in den Plänen des künftigen Azubis momentan keine Rolle.

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