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Verkauf von „Hochwasser-Wein“ zugunsten der Solinger Flutopfer

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Die Winzerfamilie Lingen vor zwei Gitterboxen mit verschlammten Weinflaschen. Von links: Tanja, Peter, Niklas und Jan Lingen. (Foto: © Familie Lingen)
Die Winzerfamilie Lingen vor zwei Gitterboxen mit verschlammten Weinflaschen. Von links: Tanja, Peter, Niklas und Jan Lingen. (Foto: © Familie Lingen)

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SOLINGEN (red) – Hier und da ist noch ein Krümel Schlamm unter dem Glasboden der sonst blitzblanken Flasche zu sehen, doch im Inneren gluckert das wohlschmeckende Ergebnis Jahrhunderte alter Weinmacherei. Spätburgunder- und Blanc de Noir-Weine sind es, die ab kommenden Samstag zugunsten der Solinger verkauft werden, die an der Wupper und ihrer Nebenbäche Opfer des schlimmen Jahrhunderthochwassers wurden.

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Christian Busch kaufte spontan 960 Flaschen

Unternehmer Christian Busch kaufte 960 Flaschen spontan an der Ahr, um so auch einer alten Freundin zu helfen. Denn alles, wirklich alles, was in den tiefen Kellern des Weingutes Peter Lingen lagerte, ist kaputt oder voller Schlamm. Vinothek, Verkaufsraum und Lager standen 2,20 Meter unter Wasser. „Vier Autos sind weggeschwommen, gottlob sind uns die Traktoren geblieben“, sagt Tanja Lingen, aus Solingen stammende Winzerin und eines der vielen Flutopfer an der Ahr.

Der Liebe wegen zog die Solingerin, die ihre Jugend an der Krahenhöhe verbrachte und zur August-Dicke-Schule ging, vor über 20 Jahren nach Bad Neuenahr. Tanja Griep heiratete Peter Lingen und zog damit in eines der ältesten Weingüter der Region. „Seit dem 16. Jahrhundert wird in unserer Familie Weinbau betrieben“, sagt die ehemalige Solinger Hockeyspielerin. Die Weinmacherei sei eine Berufung, der auch die beiden Söhne Niklas (17) und Jan (19) folgen wollen. „Der Jüngere will Winzer werden, der Ältere Weinwirtschaft studieren“, sagt die Mutter stolz und begründet damit, warum die Lingens auch nach dieser Katastrophe nicht ans Aufgeben denken.

Große Hilfsbereitschaft an der Ahr

Wohl aber auch, weil alle hier an der Ahr eine unglaubliche Hilfsbereitschaft erfahren haben. Wildfremde boten Hilfe an. Und wenige Stunden nach der Flut standen acht Wehrmänner der befreundeten Feuerwehr aus Nußdorf am Bodensee vor der Tür und begannen mit Schmutzwasserpumpen die Keller der Lingens leer zu pumpen. Mehr noch:

Ein junger Winzer aus dem verschonten Hochheim half erst auf dem Hof der Lingens, schnappte sich dann die zwei Gitterboxen des für Solingen bestimmten Weines und spülte die 960 Flaschen durch und etikettierte sie. Das Foto auf der Flasche zeigt die Winzerfamilie vor fast 1000 völlig verschlammten Weinflaschen. Auf der Rückseite danken die Lingens für den Kauf dieses Hochwasser-Weines. Mit dem Erwerb könne man allmählich die Schäden der Flut bewältigen.

Für jeweils zehn Euro kann der "Hochwasser-Wein" am Samstag gekauft werden. (Foto: © Familie Lingen)
Für jeweils zehn Euro kann der „Hochwasser-Wein“ am Samstag gekauft werden. (Foto: © Familie Lingen)

Verkauf für zehn Euro pro Flasche

Helfen will jetzt noch einmal Walbusch-Chef Christian Busch. Der hatte zu Beginn der Katastrophe schon spontan in die Gerd-Kaimer-Bürgerstiftung eingezahlt. Jetzt fasst er erneut an – auf seine Art. „Durch dieses Hochwasser ist es zu vielen menschlichen Katastrophen gekommen, wir sehen aber zum Glück, wie durch die Solidarität an vielen Stellen geholfen wird.“ „Mit dem Kauf und Spenden des Weines kann ich gleich doppelt helfen“, sagt der Unternehmer, „einmal dem Weingut der Familie Lingen und den Solingern durch die Spende an die Gerd-Kaimer-Stiftung.“

Bürgerpreisträger Uli Preuss und Christian Busch selbst wollen den Wein am Samstagmittag verkaufen. Die Flasche wird zehn Euro kosten und nur im Sechserkarton abgegeben. Und Busch verdoppelt den Einsatz. Für jede verkaufte Flasche legt er zehn weitere Euro drauf.

Rund 20.000 Euro könnten so zusammenkommen

So könnten, zusammen mit dem Inhalt eines „Spendenschweins“, rund 20.000 Euro für die Solinger Flutopfer zusammenkommen. Damit wieder aufgebaut werden kann, was das Wasser kaputt gemacht hat. So, wie an der Ahr bei der Winzerfamilie Lingen. Wie sie nass auf dem Balkon standen, nachdem im Nachbarhaus eine Frau im Keller ertrunken und ihr Mann vom Wasser weggerissen worden war, daran erinnert sich Tanja Lingen wohl ihr Leben lang. „Und an dieses Rauschen, doch als dann gegen drei Uhr morgens das Wasser nicht mehr stieg, blieb immer noch diese Angst“, sagt die Solinger Winzerin.

Weinverkauf am Samstag, 31. Juli, 11 bis 15 Uhr

Dycker Feld 53, auf dem Hof
42653 Solingen

Anlieferung (in Ausnahmefällen in der kommenden Woche) über Uli Preuss Tel. 01632991510 oder seniorenkrawalle@aol.com

Spender und Käufer werden gebeten, FFP2-Masken zu tragen und auf Abstände zu achten.

+++UPDATE+++

Die Aktion wird am Samstag fortgesetzt. Infos dazu hier:

„Hochwasser-Wein“ binnen kürzester Zeit ausverkauft – Aktion wird fortgesetzt

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Dieser Beitrag stammt von unserer Redaktion.

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