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Wunder der Natur – der Schlehdorn

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Aus den Beeren der Schlehe lässt sich köstliche Marmelade, Saft oder Likör herstellen. Die Früchte brauchen unbedingt einen ersten Frost, um ihre intensive Säure zu mildern. (Foto: © Martina Hörle)
Aus den Beeren der Schlehe lässt sich köstliche Marmelade, Saft oder Likör herstellen. Die Früchte brauchen unbedingt einen ersten Frost, um ihre intensive Säure zu mildern. (Foto: © Martina Hörle)
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SOLINGEN (mh) – Der Botaniker und Naturforscher Carl von Linné beschrieb als erster im Jahr 1753 den Schlehdorn. Im Frühjahr ist die Pflanze mit unzähligen weißen Blüten besetzt, fast wie in eine weiße Wolke gehüllt. Die Blüten verströmen einen leicht süßlichen Duft.

Der Schlehdorn gehört zu den Rosengewächsen und ist einer der wichtigsten Wildsträucher für die Tierwelt. Im Frühjahr dient die Schlehe den Schmetterlingen als Nektarquelle. Von ihren Früchten ernähren sich zahlreiche Vogelarten. Der dornenreiche Strauch ist für viele kleine Tiere ein schützender Rückzugsort. Für den Menschen gilt die heimische Wildpflanze als Wildobst für die Zubereitung von Marmeladen oder köstlichem Likör – wie das bekannte Schlehenfeuer.

Schlehdorn Rückzugsort und Futterquelle

Die Früchte brauchen einen ersten Frost, um ihre intensive Säure zu mildern. Durch die Kälte baut sich ein Teil der herben Gerbsäuren ab. Wer nicht so lange warten will, erntet die Früchte bereits im September und imitiert den Frost mit Hilfe der Tiefkühltruhe. Überaus beliebt ist der Strauch zum Schneiden von Barbarazweigen.

Als Heilpflanze wirkt die Schlehe vor allem adstringierend und entzündungshemmend. Die Blüten schützen mit ihren Wirkstoffen vor Erkältungskrankheiten. Die Beeren enthalten neben Bitterstoffen reichlich Vitamin C. Die blutreinigenden und harntreibenden Wirkstoffe werden häufig bei Hautleiden und rheumatischen Beschwerden eingesetzt. Der Schlehdorn reinigt und entschlackt.

Als Heilpflanze vielseitig einsetzbar

Schon Sebastian Kneipp wusste, dass ein Tee aus Schlehenblüten ein wunderbar wirkendes und zugleich harmloses Abführmittel ist. Hildegard von Bingen schätzte die Pflanze als Mittel gegen Gicht und Magenbeschwerden. In der anthroposophischen Medizin kommen die Wirkstoffe der Schlehe bei der Behandlung von Erschöpfungszuständen und überreizten Nerven zur Geltung. In der Homöopathie wird sie gegen Gürtelrose und andere infektiöse Erkrankungen eingesetzt.

Die Schlehe, auch Schwarzdorn genannt, dient den Schmetterlingen als Nektarquelle und stellt für viele kleine Tiere einen schützenden Rückzugsort dar. (Foto: © Martina Hörle)
Die Schlehe, auch Schwarzdorn genannt, dient den Schmetterlingen als Nektarquelle und stellt für viele kleine Tiere einen schützenden Rückzugsort dar. (Foto: © Martina Hörle)

In der keltischen Mythologie galt die Schlehe, auch Schwarzdorn genannt, als Wohnstätte der Feen und es hieß, wer sich an dem Baum vergreife, dem sei die Rache der Feen sicher. Zugleich war sie auch der Baum der schwarzen Göttin Cailleach, der Todesgöttin. Bei den Iren nannte man sie „Mutter der Wälder“ oder „alte dunkle Frau der Wälder“. Die dunklen Äste stehen für die dunkle Göttin, die weißen Blüten im Frühjahr dagegen als Symbol für die weiße Frühlingsgöttin. Cailleach, die Göttin des Winters, wird noch heute oft mit Schlehenzweigen dargestellt.

Wohnstätte der Feen

Eine Legende erzählt, der Kreuzdorn habe der Schlehe vorgeworfen, dass sie ihre Zweige für die Dornenkrone Jesu gegeben hätte. Zum Beweis ihrer Unschuld überschüttete Gott sie in der Nacht über und über mit weißen Blüten

Und noch weitere Besonderheiten findet man bei diesem außergewöhnlichen Gehölz. Aus der Rinde lässt sich Tinte gewinnen. Diese so genannte Dornrindentinte wurde im Mittelalter in den Skriptorien verwendet, ist aber mittlerweile in Vergessenheit geraten. Die Blätter dienten als Ersatz für Tabak.

Gedicht von Karl May über den Schlehdorn

Die Schlehe ist zwar sehr robust, hat aber trotz allem mit Schädlingen, wie beispielsweise Schlehenspinner, Schlehenfrostspanner und Schlehenfedergeistchen zu kämpfen. Bei der Grauschimmelfäule müssen die befallenen Blätter schnellstens entfernt werden, um die Infektion einzudämmen.

Für den Neuntöter ist die Pflanze von entscheidender Bedeutung. Der seltene Vogel spießt auf den kurzen Dornen seine Beute auf – eine spezielle Art der Vorratshaltung. Die langen Dornen dagegen nutzt das Gewächs als Eigenschutz vor diversen Pflanzenfressern.

Sogar der große Karl May (1842 – 1912) schrieb einst ein Gedicht über die Schlehe.

Segen
Der Schlehdorn steht in Blüten,
nun da ich scheiden muß.
Die Schwalbe aus dem Süden
bringt mir den Abschiedsgruß.

Der Schlehdorn steht in Blüten;
so blühst, mein Kind, auch du.
Brich sie für mich, den Müden,
deck mich mit ihnen zu.

Der Schlehdorn steht in Blüten;
welch eine süße Last.
Mag dich der Herr behüten,
wenn du mich nicht mehr hast!
(© Karl May)

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