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Wunder der Natur – die Eberesche

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Die Eberesche, auch Vogelbeere genannt, bietet derzeit mit vielen leuchtend orangen bis roten Beeren einen wirklich prachtvollen Anblick. (Foto: © Martina Hörle)
Die Eberesche, auch Vogelbeere genannt, bietet derzeit mit vielen leuchtend orangen bis roten Beeren einen wirklich prachtvollen Anblick. (Foto: © Martina Hörle)
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SOLINGEN (mh) – Die Eberesche oder Vogelbeere gehört zur Familie der Rosengewächse. Mit ihren weißen Doldenrispen im Frühsommer und ihren leuchtend orangen bis roten Beeren im Spätsommer, die sie derzeit fast schon verschwenderisch trägt, ist sie immer wieder ein wunderschöner, weithin sichtbarer Anblick.

Eberesche, im Volksmund auch Vogelbeere genannt

Im Volksmund nennt man sie auch Amselbeere, Drosselbeere, Quitsche, Mostbeere, Moosesche, Stinkesche oder Krametsbeere. In dieser vielfältigen Namensgebung zeigt sich die Nutzung durch den Menschen. Die Vogelbeere ist sowohl Nahrungsmittel als auch Heilmittel. Ihre Blätter ähneln denen der Esche. Doch zwischen den beiden Bäumen besteht keinerlei Verwandtschaft. Die Rinde der Eberesche ist relativ glatt und hat einen gräulichen Farbton. Das interessant gemusterte Kernholz eignet sich hervorragend für Drechslerarbeiten.

Ihre weißen Blüten hängen in Rispen zusammen. Jede Einzelblüte besteht aus fünf weißen Kronblättern mit etwa zehn Millimeter Durchmesser. Der unangenehme Geruch der Blüten hat dem Baum auch den Namen Stinkesche eingetragen.

Die Weiße Strauch-Eberesche ist mit ihren weißen Früchten außerordentlich attraktiv und die Beeren bei der heimischen Vogelwelt überaus beliebt. (Foto: © Martina Hörle)
Die Weiße Strauch-Eberesche ist mit ihren weißen Früchten außerordentlich attraktiv und die Beeren bei der heimischen Vogelwelt überaus beliebt. (Foto: © Martina Hörle)

Mit ihren Inhaltsstoffen Vitamin C, Gerbstoffe, Sorbitansäure, Weinsteinsäure, Bitterstoffe, ätherische Öle und mehr bietet sie reichliche Verwendungsmöglichkeiten. Aus den erbsengroßen Früchten kann man leckere Marmelade, Chutney oder Saft herstellen. Der etwas herbe Geschmack der Beeren verliert sich beim Kochen. Vor allem die Sorte „Mährische Vogelbeere“ als Kulturform der Eberesche ist besonders geeignet, ebenso die Sorten „Rosina“ und „Konzentra“ Die Wildsorten dagegen sind außerordentlich bitter.

Ihre Heilwirkung hat sich durch ihre Bitterstoffe gerade bei Verdauungsbeschwerden, Durchfall und Gallenblasenentzündung bewährt. Getrocknete Früchte regen die Nierenfunktion an, das reichlich enthaltene Vitamin C steigert das Immunsystem. Deshalb wird sie häufig gegen Bronchitis und Lungenleiden eingesetzt, am besten in Form von frisch gepresstem Saft mit Honig. Man kann mit Recht behaupten, die Früchte seien regelrechte Vitaminbomben. Gerne werden sie auch zur Gewinnung von Most genutzt. In Kräuterlikör und Magenbitter haben die Vogelbeeren ebenfalls ihren Platz gefunden.

Vogelbeeren sind nicht giftig

Direkt giftig ist die Pflanze nicht. Jedoch treten beim Verzehr größerer Mengen der rohen Beeren durch die darin enthaltene Parasorbinsäure tatsächlich leichte Vergiftungserscheinungen wie Erbrechen und Durchfall auf. Allerdings wird wohl kaum jemand größeren Wert auf die überaus sauren und bitten Früchte legen. Gekocht sind sie dagegen wirklich schmackhaft. Daher lohnt es sich auf jeden Fall, eine Eberesche in den Garten zu pflanzen. So hat man die Apotheke direkt vor der Tür, von dem prachtvollen Anblick ganz zu schweigen.

Die Eberesche ist sehr anspruchslos und wächst auch unter schlechten Bedingungen. Sie ist in fast ganz Europa verbreitet. Man erkennt sie an ihrem schlanken Wuchs und ihrer kugeligen bis strauchartigen Krone. Aus ökologischer Sicht stellt die Pflanze ein wertvolles Vogelschutzgehölz dar. Nach einer Studie an der Universität Freiburg bekommt die Eberesche Besuch von etwa 63 unterschiedlichen Vogelarten, die hier reichhaltige Nahrung finden. Durch ihre Ausscheidungen verbreiten sie den Samen des Gewächses. Auch zahlreiche kleine Nager, wie Siebenschläfer, Hasel- und Feldmaus sehen in dem Baum eine willkommene Futterquelle. Im Frühjahr gilt sie als Bienenweide. Ihr botanischer Name „Sorbus aucuparia“ ist eine Zusammensetzung aus „avis“ (Vogel) und „capere“ (fangen). Tatsächlich hat man in früheren Zeiten die roten Beeren dazu benutzt, um Vögel einzufangen.

In der griechischen Mythologie steht das Rot der Beeren für das Blut, dass der Adler, der um ein Trinkgefäß von Zeus gegen Dämonen kämpfte, verlor. Die Blätter zeigen die Schwingen des Vogels. (Foto: © Martina Hörle)
In der griechischen Mythologie steht das Rot der Beeren für das Blut, dass der Adler, der um ein Trinkgefäß von Zeus gegen Dämonen kämpfte, verlor. Die Blätter zeigen die Schwingen des Vogels. (Foto: © Martina Hörle)

Insgesamt kennt man rund 100 verschiedene Arten. Neben großbeerigen Fruchtsorten gibt es verschiedene Zierformen mit ungewöhnlichen Fruchtfarben, wie die Chinesische Vogelbeere. Die Weiße Strauch-Eberesche ist mit ihren perligen weißen Früchten außerordentlich attraktiv. Auch diese Beeren sind bei der heimischen Vogelwelt überaus beliebt.

Die keltischen Druiden glaubten, die Kraft der Eberesche könne Fluch und Unglück bannen und umpflanzten ihre Opfersteine und Kultstätten mit Vogelbeerbäumen. Die Germanen widmeten den heiligen Baum ihrem Gott Thor, dem Schützer von Midgard. Es heißt, dass Thor in einen reißenden Fluss stürzte und sich nur retten konnte, weil eine Eberesche ihm ihre Zweige reichte. Deshalb nennt man sie in Norwegen Thorsbjörg (Thors Bergung). Im Angelsächsischen trägt sie den Namen „The Witch“. Die Finnen weihten sie der Gottheit Pihljatar.

Heiliger Baum der Kelten und Germanen

Der Glaube an die Kraft der Eberesche reicht bis weit in die heutige Zeit. Am Abend der Walpurgisnacht wurden Vogelbeerzweige in die Stalltüren gesteckt, um böse Geister abzuwehren. In Böhmen besteckte man Dächer und Fenster mit Beerenzweigen zum Schutz vor Blitzeinschlag. Das aparte Gehölz symbolisiert das Wachstum und den Rückzug des Winters. Die griechische Mythologie weiß von einem Adler zu berichten, der um ein Trinkgefäß von Zeus gegen Dämonen kämpfte. Ein Tropfen seines Blutes fiel auf die Erde und eine Eberesche wuchs heraus. Das Rot des Blutes findet man in ihren Beeren wieder und die gefiederten Blätter erinnern an die Schwingen des Adlers.

Der Dichter Hermann Löns (1866 – 1914) schrieb in seinen Naturschilderungen „Mein buntes Buch“ über die Eberesche. Und auch Gottfried Benn (1886 – 1956) verfasste zwei Jahre vor seinem Tod ein Gedicht über das aparte Gehölz.

Trotz ihrer Widerstandsfähigkeit ist die Eberesche nicht vor Schädlingen gefeit. Obstbaumkrebs, Bleiglanz und die Rotpustelkrankheit können den Baum großen Schaden zufügen. Die betroffenen Stellen müssen großflächig herausgeschnitten werden. Das so Entfernte sollte man am besten restlos verbrennen und das verwendete Werkzeug sterilisieren.

 

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