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Coronavirus: Solinger Krankenhäuser verdoppeln Intensiv-Kapazitäten

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In Solingen erwartet man den vorläufigen Höhepunkt der Corona-Krise im Mai. (Symbolfoto: © Bastian Glumm)
In Solingen erwartet man den vorläufigen Höhepunkt der Corona-Krise im Mai. (Symbolfoto: © Bastian Glumm)

SOLINGEN (bgl/red) – Die Stadt Solingen und die Krankenhäuser erwarten in der Corona-Krise einen deutlichen Anstieg an Patientinnen und Patienten und erhöhen deshalb ihre Kapazitäten. Darüber informierten die Medien jetzt alle Beteiligten in Form einer Video-Pressekonferenz. „Wir bereiten uns in Solingen weiter auf die Corona-Krise vor. Wir merken, wie die Ausmaße größer werden“, sagte Oberbürgermeister Tim Kurzbach.

Krankenhäuser erweitern stationäre Betten

Zugrunde würden dem die derzeitigen Erkenntnisse des Robert-Koch-Instituts (RKI) liegen: Die bisherigen Maßnahmen können demnach nur zu einer Verlangsamung der Krankheitsausbreitung beitragen. Coronaerkrankungen verlaufen überwiegend leicht bis mäßig (80 Prozent). Doch kann es auch zu schweren und zum Teil lebensbedrohlichen Verläufen kommen (20 Prozent).

Die Stadt Solingen legt die Annahmen des RKI zugrunde und hat darauf aufbauend in enger Abstimmung mit den Krankenhäusern einen Stufenplan zum Ausbau stationärer Behandlungsplätze entwickelt. So soll sichergestellt werden, dass eine große Anzahl erkrankter Personen optimal versorgt werden kann: Schwerstkranke intensivmedizinisch mit Beatmungsgerät, schwer Erkrankte mit einer adäquaten medizinischen Behandlung. Das Konzept berücksichtigt auch, dass die reguläre Gesundheitsversorgung im Stadtgebiet jederzeit sichergestellt bleibt.

Höhepunkt der Corona-Krise im Mai erwartet

„Wir gehen davon aus, dass wir eine hohe Zahl an Erkrankten im Mai bekommen. Darauf bereiten wir uns vor“, betonte Oberbürgermeister Tim Kurzbach. Zum jetzigen Zeitpunkt sei deshalb noch keine unmittelbare Verstärkung der Krankenhäuser erforderlich. Das Stufenkonzept beschreibe die Maßnahmen einer bedarfsgerechten Anpassung und sichere die medizinische Leistungsfähigkeit, sollte die Zahl der Erkrankten steigen.

Das Klinikum an der Gotenstraße ist ein Haus der Maiximalversorgung und wird kommunal getragen. (Archivfoto: © Bastian Glumm)
Das Klinikum an der Gotenstraße ist ein Haus der Maiximalversorgung und wird kommunal getragen. (Archivfoto: © Bastian Glumm)

Das Stufenkonzept

Stufe 1: Stationsbetten innerhalb der Kliniken

Stufe 1.1.: Die Solinger Kliniken verdoppeln die Zahl ihrer Intensivbetten (bisher 51) und stellen insgesamt 112 Intensivbetten zur Verfügung. Intensivbetten sind Betten mit Beatmungsmöglichkeit, sodass schwerstkranke Menschen optimal versorgt werden können.

Stufe 1.2.: Die Solinger Kliniken stellen insgesamt 297 Betten für die stationäre Versorgung zur Verfügung, fast alle (278) mit vorhandener Sauerstoffversorgung. Damit können schwer erkrankte Personen, die auf medizinische Betreuung angewiesen sind, versorgt werden. Das zusätzlich benötigte Personal weist die Stadt Solingen zu, unter anderem aus dem Pool der medizinischen Helfer (Ärzte und Pflegepersonal), die sich nach Aufruf gemeldet haben.

Stufe 1 wird derzeit vollständig umgesetzt.

Stufe 2: kliniknahe Behandlungskapazitäten

Stufe 2 dient der Bereitschaft: Die Behandlungskapazitäten werden so vorbereitet, dass sie abhängig vom Verlauf der Pandemie umgehend aktiviert werden können, sollte sich der Bedarf durch die Entwicklung der Fallzahlen abzeichnen. Insgesamt 100 zusätzliche Betten stehen kliniknah zur Verfügung, sodass nach Klinikstandard behandelt werden kann. Das Versorgungsniveau werde an die Lage angepasst in Teilschritten umgesetzt. Mittel werden verhältnismäßig eingesetzt, das Gebot wirtschaftlichen Handelns beachtet.

Material und Ausstattung, die nach der Pandemie weiter verwendet werden können, beschaffen die Krankenhäuser ab sofort. Weitere Beschaffungen richten sich grundsätzlich nach der geplanten Inbetriebnahme. Davon ausgenommen sind jedoch alle Artikel, die zu einem späteren Zeitpunkt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr erhältlich sind. Sie werden jetzt beschafft.

Stufe 3: konzeptionelle Vorplanung

Diese Stufe ist im Konzept vorgedacht. Einzelne Schritte zur Umsetzung werden aber erst dann konkretisiert, sollte sich ein Bedarf abzeichnen. Im Kern gehe es darum, weitere Bettenkapazitäten an einem externen Standort bereitzustellen.

Die Umsetzung

Krankenhaus Bethanien

Stufe 1.1: Bereitsstellung von 50 Intensivbetten (Betten mit Beatmungsmöglichkeit)
Stufe 1.2: Bereitstellung von 100 Betten für die stationäre Unterbringung mit Sauerstoffversorgung.
Stufe 2: 50 Betten werden krankenhausnah in der Kapelle Bethanien in Bereitschaft gehalten.

Bethanien: Arzt positiv getestet und erkrankt

„Wir haben aktuell sieben Patienten auf der Intensivstation, die alle beatmet werden“, sagte Prof. Dr. Winfried Randerath, Chefarzt der Lungenfachklinik Bethanien. Erstmals wurde in der Aufderhöher Lungenfachklinik jetzt auch ein Arzt aus den Reihen des behandelnden Personals positiv auf Covid-19 getestet und ist nun auch erkrankt. „Wir erwarten in den nächsten Wochen eine kontinuierliche Anzahl von stärker erkrankten Patienten“, so Randerath.

Prof. Dr. Winfried J. Randerath ist Chefarzt der Lungen-Fachklinik Bethanien in Aufderhöhe. (Foto: © Bastian Glumm)
Prof. Dr. Winfried J. Randerath ist Chefarzt der Lungen-Fachklinik Bethanien in Aufderhöhe. (Foto: © Bastian Glumm)

Städtisches Klinikum Solingen

Stufe 1.1: Bereitsstellung von 48 Intensivbetten (Betten mit Beatmungsmöglichkeit)
Stufe 1.2: Bereitstellung von 172 Betten für die stationäre Unterbringung mit Sauerstoffversorgung.
Stufe 2: 50 Betten als krankenhausnahe Behandlungskapazität werden auf dem Gelände des Klinikums (Blauer Salon und Unterrichtsräume) in Bereitschaft gehalten.

Klinikum: Patient auf der Intensivstation verstorben

Auch im Klinikum werden durchschnittlich rund zehn Patientinnen und Patienten mit einer Coronaerkrankung stationär behandelt. Auf der Intensivstation verstarb dort zuletzt ein älterer Mann mit Vorerkrankungen, der mit dem Virus infiziert war. Er ist der erste Corona-Tote aus Solingen. Ein Mann aus Haan, ebenfalls betagt und mit erheblichen Vorerkrankungen, verstarb vor zweieinhalb Wochen in der Lungenfachklinik Bethanien (wir berichteten). Damit sind in Solingen bisher zwei Menschen verstorben, die mit dem Virus infiziert waren.

„Wir werden in Volllast 48 Intensiv-Betten fahren werden, es fehlen uns noch ein paar Beatmungsgeräte“, kündigte Prof. Dr. Thomas Standl, Medizinischer Geschäftsführer des Klinikums, am Montag an.

Professor Dr. Thomas Standl ist Chefarzt der Klinik für Anästhesie, Operative Intensiv- und Palliativmedizin am Klinikum und seit Januar 2018 medizinischer Geschäftsführer des Hauses. (Foto: © Bastian Glumm)
Professor Dr. Thomas Standl ist Chefarzt der Klinik für Anästhesie, Operative Intensiv- und Palliativmedizin am Klinikum und seit Januar 2018 medizinischer Geschäftsführer des Hauses. (Foto: © Bastian Glumm)

St. Lukas-Klinik (Kplus Gruppe)

Stufe 1.1.: Bereitstellung von insgesamt 14 Intensivbetten (Betten mit Beatmungsmöglichkeit)
Stufe 1.2.: Bereitstellung von 25 Betten für die stationäre Unterbringung, davon sechs mit Sauerstoffversorgung.

Praxisklinik im Südpark

In das Konzept mit einbezogen wird auch die Praxisklinik im Südpark: Medizinisches und pflegerisches Personal wird bei Bedarf im Krankenhaus Bethanien eingesetzt: 80 Prozent innerhalb von 24 Stunden, Weitere 20 Prozent innerhalb von 72 Stunden. Zudem stellt die Praxisklinik dem Krankenhaus Bethanien innerhalb von 72 Stunden auf Abruf insgesamt neun Beatmungsgeräte (Narkosegeräte) zur Verfügung.

Die Praxisklinik im Südpark ist aus dem 1998 gegründeten OP-Zentrum Mummstraße hervorgegangen. 2012 konnten die neuen Räume im Südpark bezogen werden. (Archivfoto: © Bastian Glumm)
Die Praxisklinik im Südpark ist aus dem 1998 gegründeten OP-Zentrum Mummstraße hervorgegangen. 2012 konnten die neuen Räume im Südpark bezogen werden. (Archivfoto: © Bastian Glumm)

Praxisklinik stellt Personal und Material zur Verfügung

„Wir haben eine große Anzahl von apparativen Einrichtungen in unserem Hause und natürlich eine große Anzahl ausgebildetes medizinisches Personals“, erklärte Achim Betram, Geschäftsführer Praxisklinik im Südpark. Allein elf Anästhesisten sowie 60 medizinische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Reihen des nichtärztlichen Personals der Praxisklinik wurden jetzt in Bethanien weitergebildet, um stets einsatzbereit zu sein.

„Und wenn das alles nicht ausreicht, dann können wir zudem noch unsere Räumlichkeiten zur Verfügung stellen. Wir haben in unserem Haus 22 Betten bzw. Plätze“, macht Bertram deutlich und stellt so eine deutlich Entlastung für die Solinger Krankenhäuser in Aussicht.

Volksbank Bergisches Land

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