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Norfolk – Land der Seen, Klippen und Ruinen

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Norfolk ist mehr als eine Reise wert. Saga Grünwald berichtet von ihren vielen Reisen in dieses abwechslungsreiche County im Osten Englands. (Foto © S. Grünwald)
Norfolk ist mehr als eine Reise wert. Saga Grünwald berichtet von ihren vielen Reisen in dieses abwechslungsreiche County im Osten Englands. (Foto © S. Grünwald)

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Norfolk in Ostengland ist in seiner Vielfältigkeit einzigartig und bietet nicht nur eine grandiose Natur zwischen Windmühlen, Nordsee und weiten Feldern, sondern auch idyllische Städtchen und beeindruckende Ruinen.

Norfolk – mein Sehnsuchtsort

Zum ersten Mal besuchte ich Norfolk, weil ich für meine Fantasy-Roman-Reihe rund um den Traviandantus Alan Forester (wir berichteten) recherchieren wollte. Er lebt nämlich in einem Ort an der Küste Nord Norfolks, unweit der Klippen. Schon bei meinem ersten Besuch verliebte ich mich in dieses eigentlich recht unbekannte County, denn es besticht nicht nur durch eine friedliche Unaufgeregtheit, sondern auch durch eine unglaublich vielfältige Fülle an Landschaften. Innerhalb von einer Stunde ist man am weißen Sandstrand, in der County-Hauptstadt, zwischen den Seen und Flüssen der Broads, wandert zwischen weiten Feldern dahin, steht inmitten historischer Ruinen oder schaut vom Küstenpfad über steile Klippen auf die Nordsee. Kommen Sie mit auf eine wunderschöne Reise durch Norfolk.

Segel gleiten durch das Marschland. (Foto © S. Grünwald)
Segel gleiten durch das Marschland. (Foto © S. Grünwald)

Die Broads

Die Broads, wie der insgesamt 300 Quadratkilometer große Nationalpark aus Flüssen, Seen, Marschland und Sumpfgebieten genannt wird, ist ein Paradies für unzählige Vogelarten. Aber auch Schmetterlinge und Libellen haben hier eine Heimat gefunden. Die Broads erstrecken sich über Norfolk und Suffolk und wurden über Jahrhunderte künstlich angelegt, ausgenommen die drei Hauptflüsse Yare, Bure und Weaveny. Die Flüsse und Seen (Broads) können zum Großteil mit E-Booten und Segelbooten befahren werden. Es gibt viele Anlegemöglichkeiten in Städtchen und an Sehenswürdigkeiten.

Die wohl kurioseste Ruine überhaupt, dürfte die in das Torhaus der Saint Benet’s Abey hineingebaute Windmühle sein. (Foto © S. Grünwald)
Die wohl kurioseste Ruine überhaupt, dürfte die in das Torhaus der Saint Benet’s Abey hineingebaute Windmühle sein. (Foto © S. Grünwald)

Um die Landschaft zu entwässern, wurden unzählige Windmühlen gebaut, von welchen einige dem Zerfall preisgegeben wurden, andere wurden aufwändig restauriert und können als eindrucksvolle Zeugen früherer Zeiten bewundert werden. Eins der außergewöhnlichsten Gebäude dürfte die Saint Benet‘s Abbey sein, eine ehemalige Benediktinerabtei, die auf einem 870 von den Wikingern zerstörten Kloster errichtet wurde. Sie liegt am River Bure. Im 18. Jahrhundert wurde in das Torhaus eine Windmühle zur Entwässerung hineingebaut, die inzwischen aber auch zur Ruine geworden ist.

Bei einer Bootsfahrt entlang des River Bure können neben Enten, Gänsen und Möwen, auch Reiher entdeckt werden. (Foto © S. Grünwald)
Bei einer Bootsfahrt entlang des River Bure können neben Enten, Gänsen und Möwen, auch Reiher entdeckt werden. (Foto © S. Grünwald)

Wunderschöne Wanderungen lassen sich durch die Broads machen, wie bei Potter Heigham, wo es zunächst am Fluss entlang geht, dann durch Marschwiesen und Sumpf vorbei bis in feuchte Wälder und dann über Wiesen und Felder zurück. Immer wieder kann man Segel sehen, die durchs Schilf zu gleiten scheinen. Libellen begleiten jeden Schritt, das Rascheln des Windes im Schilf. Wolken spiegeln sich im stillen Wasser. Auch an Windmühlen kommt man immer wieder vorbei. Von Hoveton aus können kurze Bootsfahrten mit einem Ranger auf dem Bure unternommen werden. Auch lädt der Laden des Nature Reserve hier zum Stöbern ein, es gibt Bücher und Wanderführer und die Leute hier beantworten alle Fragen rund um die Broads.

Die Klippen von Hunstanton bestechen durch die Schichten von rotem und weißem Kalkstein. (Foto © S. Grünwald)
Die Klippen von Hunstanton bestechen durch die Schichten von rotem und weißem Kalkstein. (Foto © S. Grünwald)

Entlang der Küste

Die Strände entlang der Küste Norfolks warten ebenfalls durch eine unglaubliche Vielfalt auf. Während im Norden vor allem Kiesstrände vor steil aufragenden Klippen zu finden sind, so gibt es im Süden weite Sandstrände, mildere Klippen oder Dünen. Ein absolutes Muss sind die zweifarbigen Klippen von Hunstanton, die als schönste Klippen Englands ausgezeichnet wurden.

Vom Küstenpfad aus lässt es sich hervorragend auf die Nordsee blicken. (Foto © S. Grünwald)
Vom Küstenpfad aus lässt es sich hervorragend auf die Nordsee blicken. (Foto © S. Grünwald)

Ebenfalls beeindruckend sind die Steilklippen bei Sheringham und Weybourne. Ein Spaziergang über den Küstenpfad bringt atemberaubende Aussichten, aber auch der Blick vom Kiesstrand ist wundervoll.

Die Steilklippen mit Kiesstrand bei Weybourne. (Foto © S. Grünwald)
Die Steilklippen mit Kiesstrand bei Weybourne. (Foto © S. Grünwald)

Geraten sei ein Bummel durch Weybourne mit seinen Naturstein-Häusern und seinem heimeligen Dorfcafé.

Das Seebad Weybourne besticht durch die hübschen Stein-Cottages und stand Pate für den Heimatort von Alan, dem Traviandantus. (Foto © S. Grünwald)
Das Seebad Weybourne besticht durch die hübschen Stein-Cottages und stand Pate für den Heimatort von Alan, dem Traviandantus. (Foto © S. Grünwald)

Wer gerne Vögel beobachtet, sollte unbedingt dem Titchwell Marsh Naturreservat einen Besuch abstatten. Hier gibt es zwischen Marsch, Gezeiten-Gewässern und Wald vieles zu sehen. Auch ein Zugang zum Sandstrand ist möglich.

Im Titchwell Marsh Naturreservat können viele Vogelarten, wie hier der Kiebitz, beobachtet werden. (Foto © S. Grünwald)
Im Titchwell Marsh Naturreservat können viele Vogelarten, wie hier der Kiebitz, beobachtet werden. (Foto © S. Grünwald)

Ein hübsches, an Wochenenden allerdings stark überlaufenes Küstenstädtchen ist Cromer mit seinem Pier und einer sehenswerten Innenstadt.

Der Pier in Cromer ist in ganz Norfolk bekannt. (Foto © S. Grünwald)
Der Pier in Cromer ist in ganz Norfolk bekannt. (Foto © S. Grünwald)

Meine persönliche Lieblingswanderung geht von der Windmühle bei Horsey über Felder bis zum von Dünen gesäumten Strand, der mit seinem weißen Sand an die Südsee denken lässt. Hier tummeln sich oft die Seehunde im Wasser und am Strand. Auch, wenn sie sehr niedlich wirken, sollte man stets Abstand halten, um die Tiere nicht zu stören.

Eine Begegnung mit den Seehunden ist am Strand von Horsey nicht ungewöhnlich. (Foto © S. Grünwald)
Eine Begegnung mit den Seehunden ist am Strand von Horsey nicht ungewöhnlich. (Foto © S. Grünwald)

Leider werden auch hier immer öfter Seehunde gesichtet, die sich in Netze oder Plastikabfall verfangen haben. Vom Strand aus geht es wieder durch Felder und dann entlang des Horsey Mere – einem großen See – durch Schilf- und Marschland zurück zur Mühle.

Leider werden hier immer wieder die Folgen der Verschmutzung der Meere sichtbar. (Foto © S. Grünwald)
Leider werden hier immer wieder die Folgen der Verschmutzung der Meere sichtbar. (Foto © S. Grünwald)

Herrliche Badestrände findet man in Winterton On Sea. Sand, blauer Himmel, klares Meer mit weiße Wellenkämme – ein Traum.

Traumhafte Strände in Winterton on Sea. (Foto © S. Grünwald)
Traumhafte Strände in Winterton on Sea. (Foto © S. Grünwald)

Norwich

Die Hauptstadt von Norfolk ist Norwich. Ihr Wahrzeichen ist die Kathedrale mit ihrem hoch aufragenden Turm. In dieser Kathedrale ist auch der berühmte „Green Man“ zu finden, die Personifikation des Waldgeistes.

Die beeindruckende Kathedrale von Norwich mit ihrem schon von weitem sichtbaren Turm. (Foto © S. Grünwald)
Die beeindruckende Kathedrale von Norwich mit ihrem schon von weitem sichtbaren Turm. (Foto © S. Grünwald)

Auch das Schloss, das wie ein mächtiger Quader auf einer Anhöhe thront ist einen Besuch wert. Es beherbergt eine Ausstellung zur Nutzung des Schlosses.

Wie ein steinerner Klotz thront das Schloss auf dem Hügel. (Foto © S. Grünwald)
Wie ein steinerner Klotz thront das Schloss auf dem Hügel. (Foto © S. Grünwald)

Viele historische Gebäude finden sich in Norwich. Es heißt, für jede Woche des Jahres wäre eine Kirche gebaut worden. Das Briton’s Arms ist das einzige Gebäude, das im Stadtteil Elm Hill eine Feuersbrunst überstanden hat. Damals ein Bierhaus, findet sich heute ein Restaurant in dem hübschen Fachwerkhaus. Ein Bummel über den Markt ist ebenfalls interessant. Sehenswert ist auch das sehr moderne „Forum“, in dem die Stadtbibliothek untergebracht ist.

Das Forum mit seiner gewaltigen Glasfront beherbergt unter anderem die Stadtbibliothek. (Foto © S. Grünwald)
Das Forum mit seiner gewaltigen Glasfront beherbergt unter anderem die Stadtbibliothek. (Foto © S. Grünwald)

Ruinen und Geschichte

In Norfolk lassen zahlreiche Funde eine Rekonstruktion der Geschichte zu. Das 4000 Jahre alte Seahenge, ein Holzkreis, der an einem Strand in Nord Norfolk entdeckt wurde, stammt aus der Bronzezeit und gibt den Wissenschaftlern bis heute Rätsel auf. Er inspirierte mich zu einer Geschichte (wir berichteten) Nach seiner Entdeckung wurde er ausgegraben und kann im Museum in King’s Lynn angeschaut werden.

Im Museum in King’s Lynn erfährt man alles rund um das 4000 Jahre alte Seahenge. (Foto © S. Grünwald)
Im Museum in King’s Lynn erfährt man alles rund um das 4000 Jahre alte Seahenge. (Foto © S. Grünwald)

King’s Lynn liegt mittlerweile ein Stück im Landesinnern, da sich die Landschaft stetig verändert. Es ist ein hübsches Städtchen mit ebenfalls beeindruckenden historischen Gebäuden, um die sich zahlreiche Gespenstergeschichten ranken.

In diesem Schloss in Castle Rising lebte einst Königin Isabella. (Foto © S. Grünwald)
In diesem Schloss in Castle Rising lebte einst Königin Isabella. (Foto © S. Grünwald)

In Warham kann eine Wallanlage besichtigt werden, die aus der Eisenzeit stammt. Ebenfalls im Norden liegt Castle Rising mit seinem bekannten Schloss, das 1330 der Sitz von Königin Isabella wurde. Sie genoss ihr Leben in luxuriösen Räumen, ging mit ihren Falken auf die Jagd, ließ Bücher für ihre persönliche Bibliothek anfertigen und pilgerte zum Schrein der Heiligen Jungfrau ins nahe Walsingham. Das Schloss kann auch innen besichtigt werden, was eine Ahnung von der Architektur aufkommen lässt.

Die Burg-Ruine in Castle Acre lädt zur ausführlichen Erkundung ein. (Foto © S. Grünwald)
Die Burg-Ruine in Castle Acre lädt zur ausführlichen Erkundung ein. (Foto © S. Grünwald)

Castle Acre wartet gleich mit zwei mächtigen Ruinen auf. Zum einen können die Ruinen des Schlosses besichtigt werden, das im Jahr 1080 zunächst als ein Landsitz errichtet wurde. Erst im 12. Jahrhundert wurde es weiter ausgebaut und mit einem mächtigen Turm versehen, so dass es zu einer Festung wurde. Schutzwälle und eine Burgmauer schotteten es ab. Die Entwicklung eines Landsitzes zu einer mächtigen Festung ist in England einzigartig.

Die Castle Acre Priory ist die Ruine einer riesigen Klosteranlage, die gegen Ende des 11. Jahrhunderts entstanden ist. Eine große Kirche war ergänzt worden durch Gebäude, in welchen das tägliche Leben der Mönche stattfand. Unterkünfte, Küche, Baderäume, aber auch für Pilger gab es Möglichkeiten zur Herberge. Ein Klostergarten zeigt noch heute, was die Mönche gepflanzt haben.

Venta Icenorum verdankt seinen Namen dem keltischen Stamm der Iceni. (Foto © S. Grünwald)
Venta Icenorum verdankt seinen Namen dem keltischen Stamm der Iceni. (Foto © S. Grünwald)

In Caistor Saint Edmond kann man noch heute die Überreste von Venta Icenorum besichtigen. Einst war es eine Festung des keltischen Stammes der Iceni, wo auch Boudica, die berühmte Königin der Kelten, lebte. Sie führte die Stämme in einem vernichtenden Siegeszug gegen die Römer, die es gewagt hatten, ihre Töchter zu vergewaltigen und sie halbtot zu schlagen. Doch am Ende unterlagen die tapferen Kelten der organisierten Kriegsführung der Römer. Die Römer übernahmen auch Venta Icenorum und bauten es zu ihrer Festung um, bevor es schließlich zerstört und verlassen wurde.

Nicht nur die römische Festung in Burgh Castle ist einen Blick wert, auch die wundervolle Landschaft, in die sie eingebettet ist. (Foto © S. Grünwald)
Nicht nur die römische Festung in Burgh Castle ist einen Blick wert, auch die wundervolle Landschaft, in die sie eingebettet ist. (Foto © S. Grünwald)

Ebenfalls eine römische Festung findet sich zwischen Nordsee und Broads in Burgh Castle. Die römische Festung Gariannonum war um 300 nach der Zeitenwende in Betrieb. Noch heute sind die Ausmaße dieser Festung sowie die dicken Mauern und gewaltigen Türme zu sehen, die sich über die Jahrhunderte erhalten haben. Von hier aus hat man einen wundervollen Blick über Breydon Water hin zur restaurierten Berney Arms Mühle, der höchsten Windmühle Norfolks.

Ausblick von Gariannonum zur Berney Arms Mühle. (Foto © S. Grünwald)
Ausblick von Gariannonum zur Berney Arms Mühle. (Foto © S. Grünwald)

Ebenfalls sehenswert ist das über lange Zeit genutzte Schloss in

Thetford mit seinem beeindruckenden Schlossberg. Ursprünglich wurde es 500 vor der Zeitenwende vom keltischen Stamm der Iceni, also von Boudicas Vorfahren, errichtet. Die Normannen übernahmen die Festung und türmten einen 80 Fuß hohen Hügel auf, erbauten um 1070 ein Schloss aus Holz auf der Hügelkuppe. Damals war Thetford die sechstgrößte Stadt Englands. Vom Schloss ist nichts mehr zu sehen, aber der Hügel – das größte mittelalterliche Erdbauwerk Englands – kann bestiegen werden, allerdings braucht es schon etwas Mut, um die steilen Hänge hoch- und vor allem wieder runter zu steigen.

Die Anlage mit ihrem riesigen Schlossberg findet sich in Thetford. (Foto © S. Grünwald)
Die Anlage mit ihrem riesigen Schlossberg findet sich in Thetford. (Foto © S. Grünwald)

Norfolk – erlebenswert

Das war nur ein winziger Einblick in das wundervolle Norfolk. Noch viel mehr gibt es hier zu sehen und zu erleben. Eine Reise in einem mietbaren elektrischen Hausboot durch die Broads, der blühende Lavendel im Norden, eine Wanderung durch die weiten Wälder rund im Thetford, der Besuch der Whisky Destillerie Saint George, der Besuch des königlichen Sommersitzes in Sandringham. Und natürlich darf auch der köstliche Cream Tea nicht unerwähnt bleiben. Eine köstliche Stärkung nach jeder Unternehmung.

Cream Tea, mit schwarzem Tee, Scones, Clotted Cream und Marmelade – ein absoluter Hochgenuss. (Foto © S. Grünwald)
Cream Tea, mit schwarzem Tee, Scones, Clotted Cream und Marmelade – ein absoluter Hochgenuss. (Foto © S. Grünwald)
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